ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
| 14:58 Uhr

Am Sonntag gibt es einen deutsch-wendischen Gottesdienst in Spremberg
Neudruck der wendischen Bibel wird vorbereitet

 Der Chor „Luzyca“ aus Cottbus wird den deutsch-wendischen Gottesdienst in Spremberg mitgestalten.
Der Chor „Luzyca“ aus Cottbus wird den deutsch-wendischen Gottesdienst in Spremberg mitgestalten. FOTO: Martina Arlt
Die Kirchenglocken der Spremberger Kreuzkirche rufen am Sonntag zu einem besonderen Gottesdienst. Von Annett Igel-Allzeit

(red/ani) Kreuzkirchengemeinde, Michaelkirchengemeinde und der „Verein zur Förderung der wendischen Sprache in der Kirche“ laden zum wendisch-deutschen Gottesdienst in die einstige Wendische Kirche ein. Die Predigt hält Helmut Huppatz, Pfarrer im Ruhestand. „Er ist mit der wendischen Sprache im Spreewald aufgewachsen“, erklärt Brigitte Sakretz vom „Verein zur Förderung der wendischen Sprache in der Kirche“. Der Verein wurde 1994 als  Förderverein zum Gebrauch der wendischen Sprache in der Kirche gegründet. „Viele Jahre beschränkte sich unser Wirken auf Cottbus und die nähere Umgebung. Wir sind aber sehr bemüht, viele Kirchengemeinden im ehemaligen Siedlungsgebiet der Wenden in unsere Arbeit einzubeziehen“, versichert Brigitte Sakretz.

Der Verein hat beispielsweise eine CD mit wendischen Chorälen und Weihnachtsliedern, das Kirchengesangbuch und ein Jugendliederbuch in wendischer Sprache herausgegeben. Ein besonderer Höhepunkt im Jahr 2018 war, dass nach 150 Jahren die Bibel wieder zur Verfügung steht (www.niedersorbisch.de). Aber auch der Neudruck der wendischen Bibel, so Brigitte Sakretz, werde vorbereitet.

Als erstes gedrucktes Buch in wendischer Sprache hatte im Jahr 1574 der Straupitzer Pfarrer Albinus Mollerus Luthers Kleinen Katechismus und Kirchenlieder herausgegeben. In Kahren hat Pfarrer Johann Gottlieb Fabricius mit Unterstützung der Kirchenpatronin Anna Augustina von Pannwitz 1706 eine Druckerei eingerichtet und dort drei Jahre später unter Verwendung älterer Übersetzungen das Neue Testament gedruckt. Der Kolkwitzer Pfarrer und Schriftsteller Johann Friedrich Fritze übersetzte das Alte Testament. „Er soll den Druck in wendischer Sprache zum großen Teil selbst finanziert haben“, sagt Brigitte Sakretz. 1868 erschien die Bibel erstmals vollständig in wendischer Sprache.

1988 wurde die „Arbeitsgruppe wendischer Gottesdienst“ mit großer Unterstützung des 2004 verstorbenen Generalsuperintendenten Reinhard Richter gegründet. Ein Jahr zuvor hatte ein Gemeindenachmittag in wendischer Sprache in der Dissener Kirche mit Pfarrer Helmut Huppatz mit 70 Gottesdienstbesuchern überraschend viele angelockt. „Von der Gruppe, die sich aus Theologen und Gemeindegliedern verschiedener Kirchengemeinden unserer Region zusammensetzt, werden wendische und wendisch-deutsche Gottesdienste vorbereitet und mit den jeweiligen Kirchengemeinden gestaltet“, so Brigitte Sakretz. Inzwischen seien mehr als 250 Gottesdienste in wendischer Sprache oder wendisch-deutsch gefeiert worden. Seit 2015 wird eine Viertelstelle für einen wendischen Seelsorger von der Evangelischen Kirche finanziert. „Das ist eine Hilte, reicht aber nicht aus“, erklärt Brigitte Sakretz.

Sonntag, 9.30 Uhr: Deutsch -Wendischer Gottesdienst in der einstigen Wendischen Kirche von Spremberg. Das heute als Gemeindehaus genutzte Gebäude befindet sich neben der Kreuzkirche im  Stadtzentrum. Die Orgel spielt Maximilian August (Gosda). Der Chor „Luzyca“ aus Cottbus gestaltet den Gottesdienst mit.