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| 17:03 Uhr

Tagebau Welzow-Süd
Vier Stufen und viele Findlinge

Vision 2030: Auch ein aufregendes Gelände für einen Mountainbike- oder SkaterPark soll der Bagger schütten.
Vision 2030: Auch ein aufregendes Gelände für einen Mountainbike- oder SkaterPark soll der Bagger schütten. FOTO: ZVG Stadtverwaltung Welzow / Visualisierung: C. Fuhrmann, H. Stolle BTU
Welzow. Welzows Schüttauftrag an den Bergbaubetreiber ist raus. Nun entscheiden die Geotechniker. Von Annett Igel-Allzeit

Es bleibt beim Namen „Neue Landschaft Welzow“. Das hat Weite für den östlichen Stadtrand. Und es bleibt bei mindestens vier Terrassenstufen, dem kleinen See, dem Hang für Sportler. Mit 15 Ja-Stimmen und einer Enthaltung haben Welzows Stadtverordnete das Relief für die Bergbaufolgelandschaft beschlossen. Geformt hat die Landschaft für 110 Hektar in Modellen das Team der BTU Cottbus-Senftenberg um Dr. Christine Fuhrmann – nach einem internationalen Studentenworkshop, Bürgerwerkstatt, Umfragen, Ausschusssitzungen.

Als Ziel 29 ist die Entwicklungsfläche für die Stadt im Braunkohlenplan zum Tagebau Welzow-Süd, räumlicher Teilabschnitt I, seit Sommer 2004 festgeschrieben und verknüpft mit „Chancen, durch die Überbaggerung der zurzeit nicht nutzbaren Altbergbaugebiete östlich der Stadt mit der entstehenden Bergbaufolgelandschaft die Standortbedingungen für die Stadt erheblich zu verbessern.“ Michael Pohl, Bergbaukoordinator im Rathaus, holt seine Zuarbeiten zur Beschlussvorlage aus der Erledigt-Kiste: „Unser Relief-Wunsch an die Leag mit dem Beschluss der Stadtverordneten ist raus. Damit kann die Leag die Schüttung in ihren Betriebsplan einarbeiten“, sagt er.

2020 soll die Schüttung beginnen. Es geht nicht nur um die Form, sondern auch um Findlinge, die in die Landschaft eingebracht werden sollen, und um Bodenqualitäten. „Wir betonen im Beschluss, dass bei der Relief-Gestaltung unbedingt die Welzower Hochkippe, die zwischen der neuen Bergbaufolgelandschaft und der Stadt liegt, einbezogen werden muss“, sagt Michael Pohl. Der Aussichtspunkt „Welzower Fenster“ sei zu erhalten und mit Informationen für Besucher zum Aufenthaltsbereich zu entwickeln. Mindestens vier Terrassenebenen wünschen sich die Welzower. „Ob es doch fünf werden, entscheiden die Geotechniker. Wir befinden uns in einem Höhenbereich zwischen 145 und 122 Metern über Normalnull“, erklärt Pohl. Vier bis fünf Meter hoch sei jede Stufe. Kleinere Höhenunterschiede seien mit den großen Geräten kaum zu schaffen. Erosionsschutzgräben werden durch die Landschaft gezogen. Und der See soll Regenwasser speichern.

Gräben und Terrassen sind typisch für eine Form der nachhaltigen Landwirtschaft – bekannt als Permakultur und Ecofarming. Obst, Gemüse, Heilpflanzen könnten auf den Terrassen wachsen. Auch eine biologisch abbaubare Agrarfolie könnte zum Einsatz kommen. Wie sie ihre Poren öffnet und schließt, hat Michael Pohl schon im Strategiekonzept des  Bündnisses „Land-Innovation-Lausitz“ nachgelesen.

Das Bündnis will die Lausitz zu einer Modellregion entwickeln, in der die Anpassung der Landnutzung an den Klimawandel erforscht wird – mit innovativen Technologien und bioökonomischen Nutzungsformen. 35 Bündnispartner aus der Forschung, der Wirtschaft, Politik und Verwaltung seien inzwischen in die Entwicklung eingebunden. Zu den Unternehmen im Bündnis gehören Renaturierungsspezialisten, Düngemittelhersteller, Landschaftsarchitekten, Landwirte, Forstbetriebe, Bergbauunternehmen. Die drei regionalen Standorte sollen Schwarzheide, Welzow und die BTU Cottbus-Senftenberg werden. Während in Schwarzheide Herstellungsverfahren für Materialien aus biobasierten Grundstoffen entwickelt werden könnten, ist Welzow mit der neuen Landschaft Real-Labor und die BTU mit dem „Forschungscampus Albrecht Thaer“ der Ort, wo sich die Forschung bündelt. Die Initiative „Land-Innovation-Lausitz“ wird im Rahmen des Förderprogramms „Wandel durch Innovation in der Region“ vom Bundesministerium für Bildung und Forschung unterstützt. Dass auch das Land die Initiative aktiv begleitet, sie nutzen will, um die Exzellenzforschung in Brandenburg auszubauen, versichert dem Bündnis in einem Brief Ulrike Gutheil, Staatssekretärin im Brandenburger Ministerium für Wissenschaft, Forschung und Kultur.

Welzow, ein Ort der Forscher? Die Rathsburg, die leer steht und bei einer Brandstiftung stark beschädigt wurde, könnte ihr Domizil werden. „Zumindest die Fassade unseres Wahrzeichens“, so Michael Pohl, „könnten wir retten.“ Wenn es Fördermittel gibt.