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Welzower Kokeleien begeistern die Gäste

Detlef Pusch (r.) vom ATZ bringt dem zehnjährigen Jonas Herzog bei, wie man Feuer macht.
Detlef Pusch (r.) vom ATZ bringt dem zehnjährigen Jonas Herzog bei, wie man Feuer macht. FOTO: T. Richter-Zippack/trt1
Welzow. Wer schon immer mal wissen wollte, was im Welzower Epochengarten so alles wächst, wie die Thomashütte abgerissen wurde und welchen Reiz der Tagebau bietet, ist beim Vereinstag voll auf seine Kosten gekommen. Allerdings erschienen nur wenige Besucher. Torsten Richter-Zippack / trt1

Was braucht man zum Feuermachen? Feuersteine, Feuereisen, eine Feuerschale, ein paar Holzspäne sowie einen Leinenfetzen. Hinzu kommen ein kräftiges Pusten und etwas Geduld. Spätestens, wenn der erste Rauch aufsteigt und die Funken häufiger werden, hat sich die ganze Mühe gelohnt. Diese Erfahrung macht Familie Herzog im Archäotechnischen Zentrum (ATZ) Welzow. Anlässlich des Tages der offenen Vereinstüren waren die Lauchhammeraner extra nach Welzow gereist. Der zehnjährige Jonas ist hellauf begeistert: "Ich bin richtig stolz. Denn zum ersten Mal habe ich selbst ein Feuer entfacht." Vater Jörg Herzog schaut ebenfalls den ATZ-Mitarbeitern Detlef Pusch und Uwe Naumann über die Schulter. Während der eine auf herkömmliche Art sein Feuerchen entzündet, probiert es der andere mittels der Indianermethode. "Das funktioniert durch Reibung. Weiches Holz gegen hartes Holz", erklärt Uwe Naumann.

Heutzutage könne kaum noch ein Kind selbst Feuer machen. Vielen fehle dafür nicht nur handwerkliches Verständnis. Sondern es käme noch die Angst hinzu. "Ich habe es selbst erlebt, dass sich Eltern dem Entdeckergeist ihres Nachwuchses entgegenstellen, aus Furcht, Sohn oder Tochter könnten sich verletzen", plaudert Naumann aus dem Nähkästchen.

Bei Familie Herzig ist dies nicht so. Mutter Annett Herzog schaut sich stattdessen im Epochengarten des ATZ um. Die Ackerbohnen wachsen bereits, ebenso die ersten Radieschen und weitere Früchte. Vielleicht, so mutmaßt die Lauchhammeranerin, habe ihr Sohn Lust, in den Sommerferien mal länger im ATZ zu verweilen. Entsprechende Angebote gebe es genügend. Auf den Nachwuchs warteten interessante Tätigkeiten wie Bronzegießen oder Brotbacken. Nach Angaben des Vorsitzenden des ATZ-Fördervereins, Detlef Pusch, hatten allein im vergangenen Jahr über 6000 Menschen die Einrichtung besucht, Tendenz steigend. Insbesondere Kinder und Jugendliche seien von den Angeboten angetan.

Nicht minder interessant geht es im alten Welzower Bahnhof zu. Dort hat der Bergbautourismusverein sein Domizil. Den Gästen werden die neuen Touren vorgestellt. Dazu gehört nach Angaben von Mitarbeiter Marcel Schröder eine Exkursion ins Steinitzer Altbergbaugebiet. Diese werde durch die Senftenberger Studentin Elisa Golk geführt. Des Weiteren können Interessierte erleben, wie ein neuer Wald entstehe. Im September wird ein Referent des Bergbauunternehmens Vattenfall durch die auf der Kippe angepflanzten Forsten führen. Nicht zuletzt thematisiere eine weitere Premierentour die Landschaft nach dem Bergbau. Dabei werde unter anderem das Hühnerwasser, ein künstlich geschaffenes Wassereinzugsgebiet im Nordosten des Tagebaus Welzow-Süd, angefahren. Ebenfalls neu sei die Tour zu den beleuchteten Stahlgiganten bei Nacht.

Mit der Vergangenheit beschäftigt sich dagegen die aktuelle Ausstellung in der Welzower Heimatstube. Dort hat Hobby-Fotograf Thomas Weise den Abriss der alten Thomashütte im Bild festgehalten. In diesem Jahr ist laut dem örtlichen Heimatverein eine besondere Ausstellung geplant. Und zwar präsentieren Senftenberger Künstler ihre Malereien auf Badewannen. Zu sehen sein soll das Ergebnis zur Museumsnacht im September.

Der diesjährige Tag der Welzower Vereine ist von den Gästen recht spärlich besucht worden. "Vielleicht sollten die Vereine in Zukunft enger zusammenarbeiten", versucht sich Wolf Kelpinski von der Heimatstube in einer Erklärung. Zumindest bis zum frühen Nachmittag konnte man die Gäste persönlich per Handschlag begrüßen.