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Welzower fürchten um die Nachtruhe

Ein Nachtarbeitsverbot fordert die Mehrheit der Stadtverordneten am Tagebau. Doch das Landesbergamt wehrt ihr Ansinnen ab.
Ein Nachtarbeitsverbot fordert die Mehrheit der Stadtverordneten am Tagebau. Doch das Landesbergamt wehrt ihr Ansinnen ab. FOTO: Frank Hilbert
Welzow/Spremberg/Cottbus. Wenn der Wind aus Osten weht, sollte ein Nachtarbeitsverbot im Tagebau Welzow-Süd gelten: So hat es sich jedenfalls die Mehrheit der Stadtverordneten gewünscht. Doch das Landesbergamt weist die Bedenken ab. Der Tagebau belaste die Umgebung nicht dauerhaft durch Lärm, heißt es in seiner Stellungnahme. René Wappler

Empört zeigt sich die Vorsitzende des Welzower Umweltausschusses. Der Sonderbetriebsplan für den Tagebau, zugelassen vom Landesbergamt, gleiche einer "Ohrfeige für demokratisch gefällte Beschlüsse", erklärt Hannelore Wodtke von der Grünen Zukunft Welzow. "Bei jedem Windrad gibt es einen Mindestabstand und Auflagen für die Nachtruhe." So hält sie es für "absolut unverständlich, warum beim Braunkohlebergbau diese Regeln nicht gelten sollen".

Im September 2016 hatten acht von 14 Welzower Stadtverordneten für eine Stellungnahme der Stadt gestimmt, unterzeichnet von Bürgermeisterin Birgit Zuchold (SPD). Um die Nachbarn vor Lärm zu schützen, forderten sie, den Tagebaubetrieb bei ungünstigem Wind von 22 Uhr bis 6 Uhr einzustellen oder einen Mindestabstand einzuhalten.

Doch mancher Kommunalpolitiker trugen sich mit Zweifeln. Der SPD-Stadtverordnete Helmut Franz gab zu bedenken: "Wenn wir hier etwas beschließen, dann wird ja kaum der Bergbautreibende oder das Landesbergamt darauf Rücksicht nehmen können, wenn die Kohleförderung nicht gewährleistet ist."

Nun liegt der Bürgermeisterin der Sonderbetriebsplan für den Tagebau vor, genehmigt am 21. Dezember. Das Landesbergamt teilt darin mit, die Bedenken oder Einwände seien "nicht gerechtfertigt". Beim Tagebau Welzow-Süd sei "nicht von einer Dauerbelastung auszugehen, wie dies bei einer stationären Anlage der Fall wäre". So erklären die Mitarbeiter des Landesbergamtes, zum Teil liege der Geräuschpegel deutlich unter dem nächtlichen Richtwert von 45 Dezibel. Anhand der Messstellen in der Region prognostiziert die Behörde am Josephsbrunner Weg in Spremberg für das Jahr 2020 einen maximalen Geräuschpegel von 34 Dezibel und am Kippenweg in Welzow einen Höchstwert von 44 Dezibel. In der Waldstraße in Welzow könne es zwar passieren, dass der Richtwert im Jahr 2017 für kurze Zeit um drei Dezibel überschritten werde. Trotzdem hält der Sonderbetriebsplan fest, dass "nicht von unzumutbarer Lärmbelästigung auszugehen" sei. Damit bestehe auch keine Gesundheitsgefahr für die Bewohner der benachbarten Gebiete. "Eine gesetzliche Vorgabe, aus der ein Mindestabstand des Tagebaus zu den Ortschaften von 1000 Metern abzuleiten wäre, existiert nicht", stellt das Landesbergamt fest.

Die Welzower Bürgermeisterin Birgit Zuchold (SPD) bestätigt, dass der Bescheid im Rathaus eingetroffen ist. "Wir sind gerade dabei, intensiv die vorliegenden Unterlagen zu prüfen", sagt sie. "Bezüglich einer Reaktion werde ich mich in den nächsten zwei Wochen mit den Fraktionschefs in unserer Stadt abstimmen."

Nach den Worten der Umweltausschuss-Vorsitzenden Hannelore Wodtke bleibt den Fachleuten aus dem Rathaus noch knapp ein Monat Zeit, um Widerspruch gegen den Sonderbetriebsplan einzulegen - wozu sie die Stadtverwaltung vehement auffordert. Schließlich gebe es "einen klaren Beschluss" der Stadtverordneten, der "nicht mit einem Federstrich durch das Bergamt weggewischt werden darf", erklärt Hannelore Wodtke. "Das Bergamt segnete im Großen und Ganzen die Wünsche des Bergbaubetreibers zu Lasten der Bevölkerung ab." Den Menschen im Umfeld des Tagebaus nütze der Hinweis nichts, dass der Geräuschpegel im Jahresmittel doch unter den Grenzen bleibt, gibt sie zu bedenken - "wenn sie im Hochsommer in der Nacht Fenster nicht öffnen können, weil einem der ohrenbetäubende Lärm den Schlaf raubt".

Zum Thema:
Mit einer jährlichen Förderung von 21 bis 23 Millionen Tonnen Rohbraunkohle leistet der Tagebau Welzow-Süd nach Angaben des Landesbergamtes "einen erheblichen Beitrag zur Versorgung der Kraftwerke". Der Anteil für das Kraftwerk Jänschwalde betrage derzeit 14 Millionen Tonnen pro Jahr, für Schwarze Pumpe wiederum drei Millionen Tonnen. Außerdem versorgt der Tagebau die Kraftwerke in Boxberg und Klingenberg,