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| 21:30 Uhr

Welzow
Welzower Bürger wollen helfen

In der Brandnacht mussten mehrere Leute ihre Wohnungen verlassen.
In der Brandnacht mussten mehrere Leute ihre Wohnungen verlassen. FOTO: LR / Annett Igel-Allzeit
Welzow. Am Abend verhaftet die Polizei zwei Männer. Da laufen bereits die Vorbereitungen für eine Sicherheitspartnerschaft. Von Annett Igel-Allzeit

Mit Blaulicht düst die Feuerwehr durch Welzow in die Dresdener Straße. Das Mehrfamilienhaus, für das am Mittwochabend ein Kellerbrand gemeldet wird, ist in der Luftlinie nur wenige Meter vom Rathaus entfernt. Dort hatte erst eine halbe Stunde zuvor die Stadtverordnetenversammlung geendet – die Brandserie, die Feuerwehr, Polizei und immer mehr Bürgern schlaflose Nächte bereitet, war in dieser Sitzung mehrfach Thema. Wie die Polizei bestätigt, haben Unbekannte am Mittwoch gegen 21 Uhr versucht, die Holztür eines Mieterkellers in der Dresdener Straße anzuzünden. Das Feuer sei von selbst wieder erloschen. „Es gab zwar eine ordentliche Rauchentwicklung, aber dadurch wurde niemand verletzt“, sagt Polizeisprecher Torsten Wendt. Der Schaden an der Kellertür sei im Vergleich zu Schäden vergangener Brandnächte in Welzow gering. „Die Kollegen prüfen Zusammenhänge mit der Brandserie, wir gehen auch hier von vorsätzlicher Brandstiftung aus“, so Wendt.

Birgit Zuchold, die Bürgermeisterin, versteht, dass Bürger verunsichert sind. Es erschüttere sie, dass jemand so hohen Schaden verursacht. „Die Einsatzkräfte der Polizei sind personell aufgestockt – in ihrer Streifentätigkeit als auch bei ihren kriminalpolizeilichen Ermittlungen. Dazu kommen zivile Einsatzkräfte.“ Zudem, so erklärte sie in der Stadtverordnetenversammlung, seien in den zurückliegenden Tagen immer wieder Bürger auf sie zugekommen, die bereit seien, mit nächtlichen Kontrollgängen zu mehr Sicherheit beizutragen. „Gemeinsam mit der Polizei haben wir uns nun darauf verständigt, das Programm der Sicherheitspartnerschaft zu starten. Erste Gespräche mit Bürgern haben wir geführt“, sagt sie.

19 Jahre alt ist ein Bild im RUNDSCHAU-Archiv, das zeigt, wie zwei Welzower Bürger mit den nötigen Ausweisen als neue Sicherheitspartner der Stadt begrüßt wurden. „Das ist lange her. Sicherheitspartner haben wir nicht mehr“, sagt Detlef Pusch, der stellvertretende Bürgermeister, „aber im Zusammenhang mit der Brandserie können sie uns helfen.“

Längst ziehen Einwohner abends ihre Runden in Welzow. Als Sicherheitspartner, so Pusch, wären sie auch über die Stadtverwaltung versichert. „Bürger und Bürgerinnen, die Interesse haben, können sich im Rathaus melden. Sie brauchen ein Führungszeugnis“, so Birgit Zuchold, „das ausschließt, dass sie schon einmal straffällig geworden sind. Nach einer Eignungsprüfung durch die Polizei werden sie in ihre Aufgaben eingewiesen. Sie bekommen einen Lichtbildausweis und eine Ausrüstung als Sicherheitspartner.“

Noch sind die ersten Anträge nicht positiv beschieden worden, aber Kati Prajs, Koordinatorin der Prävention der Polizei, weiß, was alles zur Ausrüstung gehören kann: Neben Bekleidung von der Jacke bis zu Handschuhen und dicken Socken sind ein Mobiltelefon – ohne Vertrag –, ein Funkgerät, ein Erste-Hilfe-Päckchen, eine Taschenlampe, ein Fernglas, die Trillerpfeife und auch ein Fahrrad möglich.

Aber eine Waffe bekommt ein Sicherheitspartner nicht. Das stellte Birgit Zuchold in der Stadtverordnetenversammlung klar. „Gewaltfrei und ohne Waffen natürlich, und deeskalierend muss ein Sicherheitspartner wirken können“, betonte sie. „Dass so ein Täter gefährlich werden kann, muss sich leider jeder klarmachen, der als Sicherheitspartner helfen will“, sagt der Stadtverordnete Christian Kolb (SPD). Carsten Paulisch (SPD) bedauert die Polizei: „Sie kann nichts dafür. Auch die Stadt schafft das nicht mehr. Sondern die Landes- und Bundesregierung muss etwas ändern, dass die Ermittlungen zu solchen Fällen personell abgedeckt werden können“, so Paulisch. Dass viele Welzower helfen wollen, zeige, wie ernst die Situationist – die Einbruchserie vor den Bränden, immer wieder Vandalismus.

„Ganz sicher aber ist eine Sicherheitspartnerschaft keine Bürgerwehr“, sagt Polizeisprecher Wendt. Sicherheitspartner können helfen, das Sicherheitsgefühl in der Bevölkerung zu verbessern. „Augen auf und beobachten, fotografieren und den direkten Draht zur Polizei halten“, sagt Kati Prajs. Sicherheitspartner sollen sich nicht selbst in Gefahr bringen oder gar den Täter stellen. Dass sie die Polizei schnell informieren und mit ihrer Ortskenntnis helfen, sei wichtig.

Dass die Welzower „in diesen schwierigen Zeiten zusammenstehen“, hofft Birgit Zuchold. Hinweise, die zum Täter oder zu den Tätern führen, will die Stadtverwaltung mit 1000 Euro belohnen  Der Verwendungszweck für das eingerichtete Spendenkonto ist von „Sicherheit“ auf „Rathsburg“ geändert worden. Mehr Brandruinen kann die Bürgermeisterin nicht gebrauchen. Bis ein Gutachter über die Standsicherheit der Rathsburg, die größte der Brandruinen, entschieden hat, bleiben Bereiche der Jahnstraße und der Spremberger Straße voll gesperrt. Für die Giebel des Welzower Wahrzeichens besteht möglicherweise Einsturzgefahr.

Am Donnerstagabend meldet die Polizei die Verhaftung von zwei Tatverdächtigen. In Welzow kommt so etwas wie Hoffnung auf, dass damit der Schrecken ein Ende haben könnte.