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| 17:02 Uhr

Benefizturnier Welzow
In Welzow haben sie für Marleen geschmettert

 Im gemischten Doppel für Marleen: Zum ersten Mal  haben die Welzower ein Badminton-Turnier für einen guten Zweck organisier.
Im gemischten Doppel für Marleen: Zum ersten Mal haben die Welzower ein Badminton-Turnier für einen guten Zweck organisier. FOTO: LR / Annett Igel-Allzeit
Spremberg. Welzows Badmintonspieler starten erstes Benefiz-Turnier. Es bringt 3333 Euro fürs Cottbuser Kinder- und Jugendhospiz. Von Annett Igel-Allzeit

Auf fünf Feldern in der Welzower Sporthalle sausen die Badminton-Bälle hin und her. „Aus!“ „Schade!“ Umsonst gestreckt. Die kleine Punktetafel des Schiedsrichters klappert. Kurz und flach kommt die nächste Angabe übers Netz. Zum ersten Mal haben die Welzower Badmintonspieler des WSV Germania 99 zu einem Benefiz-Turnier eingeladen. Bei den Sportkameraden in Frankfurt/Oder, die regelmäßig zu Turnieren für einen guten Zweck einladen, haben sie es sich abgeschaut und bei verschiedenen Wettkämpfen erste Kontakte geknüpft.

Reine Mixed-Turniere sind selten

Ein Mixed-Turnier sollte es sein. Mann und Frau, Jungen und Mädchen im Doppel. „Reine Mixed-Turniere gibt es nicht so oft“, erklärt Jacob Balzer vom WSV. Die Entscheidung fürs Seltene ist aufgegangen: Knapp 60 Spielerinnen und Spieler vor allem aus Brandenburg, Sachsen und Berlin reisten am Samstag an.

Marleen leidet unter Morbus Leigh

Und Marleen Hoffmann aus Senftenberg. Die 22-Jährige wird von ihrer Mutter Rosemarie Hoffmann in einem großen Rollstuhl über das Parkett geschoben. Marleen war mit vier, fünf Lenzen ein quirliges Mädchen. „Sie konnte sprechen, laufen, hat getanzt“, erzählt Rosemarie Hoffmann, „doch plötzlich stimmte da etwas nicht. Marleen hatte Mühe, schnell aufzustehen, fiel immer wieder um“, erzählt die Mutter. Morbus Leigh heißt die seltene Erkrankung des Stammhirns, die Famlien Hoffmann als Diagnose traf.

Hospizdienst ist auch für gesunde Geschwister da

Marleens Lebenserwartung ist nur noch gering. Sie gehört zu 42 Kindern und Jugendlichen, die mit ihren Familien derzeit von „Pusteblume“, dem ambulanten Kinder- und Jugendhospizdienst, in Cottbus betreut werden. Neben der ambulanten Krankenpflege, der Betreuung und Beratung in den Familien und der Schulung ehenamtlicher Mitarbeiter bietet der Dienst mit Lacrima trauernden Kindern und Jugendlichen Hilfe an. „Und wir planen in jedem Jahr einen Ausflug für die gesunden Geschwister unserer schwerstkranken Kinder und Jugendlichen, die immer ein bisschen zu kurz kommen, obwohl dass die Eltern nicht wollen. Im nächsten Jahr wird das eine ganze Woche werden“, sagt Claudia Koal. Sie ist eine von 37 ehrenamtlichen Familienhelfer für den Dienst unter dem Dach der Johanniter – und sie spielt Badminton beim WSV in Welzow.

Zur Eröffnung des Turniers erzählt Claudia Koal, wie Marleen sofort zugesagt hatte, zu ihr nach Welzow in die Sporthalle zu kommen. Und so lauscht Marleen am Samstag lächelnd diesem Plong, wenn der Kork auf die gespannten Saiten trifft. Schmettern die Spieler, rauscht es.

Spieler sind 13 bis mehr als 70 Jahre alt

Sie schenken sich nichts. Edeltraud Schmidt, die Vorstandvorsitzende, kennt ihre Sportler, eifrig hat sie für sie die Spiele durchgeplant, bevor sie selbst zum Schläger greift. Zwischen 80 und 90 Spiele werden es bis zum Abend sein. Badmintonspieler aus Spremberg und Schwarze Pumpe starten, aus Kolkwitz, aus Berliner Ecken wie Tempelhof, Köpenick und Neukölln, aus Großenhain, aus Auerbach im Vogtland. Das jüngste gemischte Doppel kommt vom WSV selbst: Lilly Dannert und Jonas Augsten sind erst 13 Jahre jung. Über 70 Jahre sind die ältesten Teilnehmer – darunter Angelika Bock von Pro Sport Berlin. „Dass ich heute hier hier spiele, habe ich schon im April geklärt“, erzählt sie, bevor sie erst einmal als Schiedsrichterin ins Turnier startet.

Mehrere Unternehmen aus Welzow und der Region haben Geld gesponsert, der Badclub aus Welzow feuerte an und spendete. Mike Balzer finanzierte aus privater Tasche die Pokale. Ganz viel Kuchen wurde gebacken – denn auch die Einnahmen des Imbissangebots gehen als Spenden an den Kinder- und Jugendhospizdienst Cottbus. „Allein dank der Sponsoren und der Startgelder sind wir bereits mit einer Spende von 2300 Euro in das Turnier gegangen“, sagt Jacob Balzer. 3333 Euro wurden daraus bis zum Abend.

Sieger-Paare in Welzow

Gewonnen haben das erste Benefizturnier in Welzow in der Klasse A Thomas Baatkhu und Ann-Kristin Lensin vom SV Kabelwerk Oberspree (Köpenick) und dem TV Geldern aus Nordrhein-Westfalen. In der B-Klasse hatten Marko Litschke und Lydia Strauß vom VfB Schwarze Pumpe die Nase vorn. In der Klasse C gewannen Hartmut Arnold und Christin Simantke vom SV Auerbach.