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| 18:43 Uhr

Mountainbike Welzow
Mountainbiker hoffen auf Lehm

 Die jungen Mountainbiker wollen nicht nur trainieren, sondernsie wollen  den neuen Parcours in der Bergbaufolgelandschaft mit gestalten.
Die jungen Mountainbiker wollen nicht nur trainieren, sondernsie wollen  den neuen Parcours in der Bergbaufolgelandschaft mit gestalten. FOTO: LR / Annett Igel-Allzeit
Welzow. Schüler gestalten den Mountainbike-Park in der neuen Landschaft Welzow mit. Von Annett Igel-Allzeit

Hinauf auf den Kamm der ersten Welle zieht Thorsten sein Mountainbike für den ersten Schwung. Er schiebt den Fahrradhelm zurecht, legt die Finger fest um die Lenkergiffe, nimmt die Holzbahn ins Visier. Dann saust er los. Nur 14,47 Sekunden braucht der 13-Jährige aus Proschim für die Runde auf der Pumptrack in Welzows „Grüner Mitte“ vor dem alten Feuerwehrgebäude. Und Paul Donath weiß: Thorsten kann noch schneller.

Donath ist Elektroingenieur im Kraftwerk Jänschwalde und leidenschaftlicher Mountainbiker im Verein Cottbus Wheel. Aufgewachsen ist der 27-Jährige in Spremberg. Als Michael Pohl, der Bergbaukoordinator im Welzower Rathaus, fragt, ist er sofort bereit, einen Workshop für Kinder und Jugendliche anzubieten und organisiert die mobile Pumptrack-Bahn aus Holz. „In Hoyerswerda gibt es inzwischen eine Gruppe, wir in Cottbus haben neben dem Parcours draußen sogar eine Halle – es ist doch toll, wenn wir immer mehr junge Menschen für den Sport begeistern können“, sagt Paul Donath.

Mountainbike-Park nach dem Tagebau

Die Welzower planen seit Jahren gemeinsam mit Studenten und Dozenten der Brandenburgischen Technischen Universität Cottbus-Senftenberg um Landschaftsarchitektin Dr. Christine Fuhrmann „Die neue Landschaft“ nach dem Tagebau. Im Jahr 2021 sollen die Aufschüttungen auf einer Fläche von 110 bis 120 Hektar beginnen. Und entstehen könnte gleich am Nordhang – als Verbindungsstück zwischen Stadtrand und neuer Landschaft – ein Mountainbike-Park.

Inzwischen haben die jungen Welzower im Industrie- und Gewerbepark eine Fläche. „Sie bauen sich dort immer wieder Hügel – mit dem Sand und der Erde, die dort liegt“, sagt Bürgermeisterin Birgit Zuchold (SPD). Und weil sie weiß, dass es mit Lehm besser gehen würde, fanden die Jungs schnell ein offenes Ohr bei ihr und Michael Pohl.

Was die Bauhaus-Architekten, in deren Stil das alte Welzower Feuerwehrgebäude gebaut worden war, zu den Track- und Jump-Modellen gesagt hätten? Die einstige Feuerwehrhalle wurde geöffnet, Tische und Bänke und eine Tafel für Ideen aufgestellt. Mit kinetischem Sand lässt Christine Fuhrmann die Jungs Parcours-Modelle gestallten. Und Paul Donath staunt: „Die Kids hier haben schon viele Grundkenntnisse, ich brauchte nicht viel erklären. Und sie wissen auch schon genau, was sie wollen.“

Welzower Schüler wollen eine Strecke mit Dirtjumps

Die mobile Pumptrack-Bahn, die sie in drei Stunden aufgebaut hatten, ist zwar toll für den Anfang, tatsächlich aber will die Mehrheit der Schüler eine Strecke mit Dirtjumps. Die „Schmutzsprünge“ sind die hohe Kunst unter den Sportlern, die mit Mountainbikes und BMX-Rädern unterwegs sind. Hoch wird über Hügel gesprungen und möglichst etwas Artistik in der Luft gezeigt.

Bis zu 20 Jungen versammeln sich am Freitag und Samstag an der Pumptrack. Und am Samstagmittag traut sich das erste Mädchen heran: die 14-jährige Tarja will erst einmal wissen, ob ihr Fahrrad überhaupt für die Bahn geeignet ist. „Bestens geeignet, hast du einen Helm mit?“, fragte Paul Donath und reichte ihr schließlich seinen eigenen Helm. Tarja traute sich, obwohl es verdammt viel Konzentration braucht, überhaupt auf der Bahn zu bleiben.

Ausdauer benötigen sie und auch Kraft. Das Pumping – wie der Wechsel vom Entlasten und Belasten des Rades genannt wird – ist Übungssache. „Im Idealfall laufen die Runden, ohne dass wir einmal in die Pedale treten“, erklärt der 14-jährige Ceddric. John (9) braucht erst einmal etwas zu trinken. Getränke sind genug da. Max und Ricardo sind extra aus Drebkau gekommen. Selbst als der Workshop schon im vollen Gange ist, kontaktieren die Jungs Freunde, erzählen ihnen, wie „geil“ das sei.

 Aber auch die Sicherheit ist Thema im Workshop. „Es ist ein Sport“, sagt Paul Donath, der auch 13, 14 Jahre alt, als er seine ersten Sprünge probierte. „Als Fahrradfahrer in Cottbus weiß ich, dass ich mein Fahrrad in brenzligen Situationen dank meines Sports viel besser beherrsche.“