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| 19:18 Uhr

Welzow/Spremberg
Welzow und Spremberg entfernen sich

Ab 1. Oktober sperrt der Bergbaukonzern Leag die Betriebsstraße zwischen Alt-Haidemühl und dem Abzweig am Pulsberger Reiterhof.
Ab 1. Oktober sperrt der Bergbaukonzern Leag die Betriebsstraße zwischen Alt-Haidemühl und dem Abzweig am Pulsberger Reiterhof. FOTO: LR / Torsten-Richter Zippack
Welzow/Spremberg. Ab Oktober geht es nur noch über größere Umwege von Stadt zu Stadt.

Rund 14 Kilometer beträgt die direkte Entfernung zwischen Welzower und Spremberger Marktplatz. Derzeit müssen Autofahrer für diese Distanz aufgrund des Tagebaus Welzow-Süd 19,6 Kilometer zurücklegen. Die Route führt von Welzow über Proschim, Alt-Haidemühl, die Tagesanlagen Welzow-Süd und Pulsberg nach Spremberg.

Mit dieser Strecke ist allerdings ab 1. Oktober Schluss. Dann sperrt der Bergbaukonzern Leag seine Betriebsstraße zwischen Alt-Haidemühl, den Tagesanlagen und dem Abzweig am Pulsberger Reiterhof Wuttke. Bliebe als Alternative die Südumfahrung des Tagebaugeländes am ehemaligen Montageplatz vorbei, ebenso am Gosdaer Wasserschloss nach Spremberg. Diese Strecke ist nur etwas länger als ihre künftig gesperrte Schwester. Allerdings bildet dort die seit langem gesperrte Pulsberger Kohlebahnbrücke das Nadelöhr. So müssen Autofahrer über Terpe ausweichen, was die Strecke zwischen Welzow und Spremberg um rund dreieinhalb Kilometer verlängert. Und auch dieser Fahrweg geht nicht ohne unfreiwilligen Zwischenhalt vonstatten. Denn eine zweite Engstelle ist die Dichtwandbaustelle mit Ampelregelung. „Diese bleibt bis zur vollständigen Wiederherstellung der Betriebsstraße, voraussichtlich im Dezember 2018“, erklärt Leag-Sprecherin Kathi Gerstner. Welzow und Spremberg entfernen sich also verkehrsmäßig voneinander.

Insbesondere die gesperrte Kohlebahnbrücke erhitzt die Gemüter, Vergleiche mit dem Neubau der Kohlebahnbrücke in der Drebkauer Straße in Spremberg werden laut, wo es schneller gegangen sei. Tatsächlich haben die Stadt Spremberg und die Lausitzer und Mitteldeutsche Bergbau-Verwaltungsgesellschaft mbH (LMBV) bereits im Frühsommer 2003 vereinbart, dass die Pulsberger Brücke sowie die angrenzenden Straßen ins Eigentum der Stadt Spremberg übergehen. Laut Stadtsprecher Alexander Adam habe Spremberg speziell für die Sanierung der Brücke keine finanziellen Mittel seitens der LMBV erhalten. Die Bergbausanierer geben dazu keine Auskunft. Nach Angaben des Spremberger SPD-Stadtverordneten Dirk Süßmilch soll aber eine sechsstellige Summe gezahlt worden sein, die allerdings nur die Zu- und Abfahrten der Überführung berücksichtige. Derzeit werde für das Bauwerk vonseiten der Stadt eine Wirtschaftlichkeitsuntersuchung durchgeführt, anschließend sehe man weiter. Selbst eine einspurige Öffnung der Pulsberger Brücke sei aufgrund des hohen Aufwandes und damit verbundener Risiken für die Konstruktion nicht möglich, heißt es aus dem Spremberger Rathaus.

Für den SPD-Bundestagsabgeordneten Ulrich Freese ist die künftig desolate Verbindung ein Dauerthema. „Mich haben bereits im vergangenen Jahr Bürger aus Welzow dazu angesprochen.“ Die Stadt Spremberg komme „einfach nicht aus dem Quark“. Mehr noch: „Die Verwaltung schiebt das Problem nur vor sich her.“ Es sei nicht unwahrscheinlich, dass Landesmittel für eine Sanierung eingeworben werden könnten. Jetzt sei aber die Zeit für einen Neubau verstrichen. Laut Spremberger Rathaus kann die veränderte Situation, insbesondere die Mehrbelastung der Terper Ortsdurchfahrt, ohne nähere Begründung nicht nachvollzogen werden.

Die Welzower Bürgermeisterin Birgit Zuchold (SPD) empfiehlt, neben der Strecke über Terpe die Nordroute über Neupetershain und Papproth zu nutzen. Immerhin  sei im Braunkohlenplan für Welzow-Süd festgeschrieben, zum frühestmöglichen Zeitpunkt eine Ersatzverbindung über die Kippe nach Spremberg zu bauen. Der Abschnitt zwischen Spremberg und Papproth existiert bereits, das Teilstück nach Welzow sei in der planerischen Abstimmung. „Unabhängig davon streben wir seitens der Stadt Welzow die Wiederherstellung der südlichen Direktverbindung ins Zentrum von Spremberg über die Pulsberger Brücke an.“

Aber es gibt auch Welzower, die über die neue Verkehrssituation nicht ganz unglücklich sind. Alexander und Sybille Tetsch vom Restaurant „Schmeckerlein“ im Ortsteil Proschim haben nie vom bisherigen Durchgangsverkehr gelebt. „Daher rechnen wir nicht mit spürbaren Einbußen. Als Hausbesitzer sind wir sogar froh, dass wir zukünftig an einer Sackgasse wohnen, weil die morgendliche Armada der zur Frühschicht nach Schacht drei fahrenden Kumpel zwischen 5 und 6 Uhr wegfällt und weniger durchfahrende Lkw unser Haus erschüttern“, sagt Alexander Tetsch. Bleiben trotzdem höhere Fahrtkosten nach Spremberg.