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| 16:39 Uhr

Welzow
Mit Hilfe des Proschimer Kulturvereins

Marianne Kapelle (l.) hat viel dazu beigetragen, dass Welzow den Förderpreis im Wettbewerb „Sprachenfreundliche Kommune“ bekommen hat, findet Bürgermeisterin Birgit Zuchold
Marianne Kapelle (l.) hat viel dazu beigetragen, dass Welzow den Förderpreis im Wettbewerb „Sprachenfreundliche Kommune“ bekommen hat, findet Bürgermeisterin Birgit Zuchold FOTO: Annett Igel-Allzeit / LR
Welzow. Welzow will die ersten deutsch-sorbischen Straßenschilder anbringen.

Zum ersten Mal hat sich die Stadt Welzow am Landeswettbewerb „Sprachenfreundliche Kommune – die sorbische Sprache lebt“ beteiligt. Gemeinsam mit dem Ortsteil Proschim. „Wir haben es nicht unter die ersten Drei geschafft, aber wir wurden mit einem Förderpreis gewürdigt“, sagt Bürgermeisterin Birgit Zuchold und überreicht der Proschimerin Marianne Kapelle Blumen.

2016 gehörte Welzow zu den Kommunen, die neu ins angestammte sorbisch-wendische Siedlungsgebiet aufgenommen wurden. Das soll sichtbar werden. „Im Vorjahr haben wir das Rathaus mit der sorbischen Bezeichnung ausgestattet. Die Briefköpfe wurden neu gestaltet“, zählt die Bürgermeisterin auf. Unter dem Schriftzug „Stadt Welzow“ steht „Mesto Wjelcej“. „In diesem Jahr werden wir erste Straßenschilder und wichtige kommunale Objekte in Proschim und Welzow zweisprachig ausweisen“, verspricht sie.

Für die Proschimer ist das nicht neu. Als eigenständige Gemeinde hatten sie sich 2004 im ersten Landeswettbewerb „Sprachenfreundliche Kommunen“ bereits den Förderpreis sichern können. 2011 Jahre beschrieb Elka Tschernokoshewa mit ihrem Team vom Sorbischen Institut Bautzen in einer 160 Seiten starken Studie die sorbisch-wendische Identität der Proschimer. Daraufhin startete ein Wendisch-Kurs im Dorf. Regelmäßig laufen Vorträge zur Geschichte der Sorben und Wenden.

„Schade ist nur“, so Marianne Kapelle vom Kulturverein, „dass die Sprache im Dorf nicht überlebt hat. Muttersprachler, die die Aussprache beherrschen und bei denen wir unser gelerntes Wendisch ausprobieren könnten, haben wir nicht mehr.“

Aber viele Bräuche pflegen sie. Eier bemalt haben sie vor Ostern, sagt Marianne Kapelle. Gezampert werde jedes Jahr. Und den Maibaum stemmen und stellen die Proschimer am 30. April am Sportplatz mit vereinten Kräften.  „Am Samstag wird die Girlande dafür gewickelt“, sagt Eckhard Tetsch. Er hat übrigens für die Bewerbung der Stadt Welzow zum Sprachen-Wettbewerb den Film beigesteuert. Mit Ausschnitten von der Trachtenausstellung, vom Eierbemalen und von jenem Tag, als Proschims Windräder sorbische-wendische Namen  bekamen. Und einen wendischen Spruch, den Besucher in Proschim lesen können, filmte er. Man kann ihn mit den Worten „Vor dem Häuschen scheint die Sonne am hellsten“ übersetzen, so Tetsch, was so viel bedeute wie: „Zu Hause ist es doch am schönsten.“

Marianne Kapelle freut sich zur Stadtverordnetenversammlung über die Blumen. Vielleicht bekommt Proschim auch eins der ersten deutsch-sorbischen Straßenschilder. An den Proschimer Ortseingängen stehen Dorf- und Stadtname auf Wendisch. Die Straßennamen hatten sie in der Eigenständigkeit nicht geschafft.