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| 15:34 Uhr

Demografischer Wandel
Welzow empfängt neue Einwohner

Bettina Schmidtke und ihr Mann Hans-Jürgen sind im Februar aus Bayern nach Welzow gezogen.
Bettina Schmidtke und ihr Mann Hans-Jürgen sind im Februar aus Bayern nach Welzow gezogen. FOTO: LR / René Wappler
Welzow. Seit Beginn des Jahres 2018 sind 68 Menschen in die Stadt am Tagebau gezogen. Die Bürgermeisterin begrüßt 20 von ihnen persönlich.

Für dieses Ehepaar erfüllt sich ein Traum. Nach 27 Jahren kehren Bettina Schmidtke und ihr Mann Hans-Jürgen in die Lausitz zurück. Als die DDR unterging, zogen sie nach Bayern, dorthin, wo es Arbeit gab. Und nun richten sie sich mit der Rente wieder ein neues Leben ein. Dafür haben sie ein Haus in Welzow ausgesucht, mit einem kleinen Garten, nah an der Hauptstraße und doch ruhig gelegen.

Hans-Jürgen Schmidtke sagt: „Hier gibt es alles, was wir brauchen, vom Arzt bis zum Supermarkt.“

Seine Frau Bettina nickt. „Und innerhalb von 90 Minuten bin ich in Berlin, wo meine Schwester wohnt. Besser geht es kaum.“

Das Ehepaar besuchte am Donnerstag einen Empfang der Bürgermeisterin Birgit Zuchold und der Welzower Vereine in der alten Dorfschule. Dort begrüßte das Stadtoberhaupt die neuen Einwohner. 130 Einladungen hatte Birgit Zuchold verschickt. 20 Zusagen erhielt sie.

Zu den Gästen in der Dorfschule zählte Silvana Becker. 20 Jahre hatte sie in Berlin gelebt. Nun wohnt sie wieder in ihrer Heimatstadt, „aus persönlichen Gründen“, wie sie sagt. Ein weiteres Ehepaar erzählte von seinen vielen Stationen. Berlin, Senftenberg, Cottbus – und jetzt Welzow. Ein Gast berichtete, dass er bereits dem Badminton-Verein beigetreten ist.

Auch Barbara und Hans-Jürgen Schmidtke stellten sich in der Runde vor. „Es war schon ein bisschen anstrengend nach der Wende für uns, aber es hat ja alles geklappt“, sagte Hans-Jürgen Schmidtke. Als Medizintechniker hatte er in Bayern gearbeitet, seine Frau als Verkäuferin. Damals sei man ja noch jung gewesen, sagte sie. „Doch Heimat bleibt nun mal Heimat.“ Für Welzow als neuen Wohnort entschieden sich beide, weil in Cottbus die Miete für eine Wohnung mit angrenzendem Garten zu teuer gewesen wäre. Nun leben sie seit Februar in der Stadt am Tagebau.

105 Zuzüge registrierten die Mitarbeiter des Welzower Rathauses im Jahr 2017. Seit Beginn des Jahres 2018 kamen 68 weitere Einwohner hinzu. Seit längerer Zeit halten sich Zuzüge und Einwohnerverlust ungefähr die Waage, wie Bürgermeisterin Birgit Zuchold in der alten Dorfschule berichtete. „Allerdings verzeichnen wir weniger Geburten und mehr Sterbefälle.“ Deshalb betrachte sie jeden neuen Einwohner von Welzow als ein kostbares Geschenk für die Stadt.

Den Besuchern des Empfangs pries sie dann auch gleich die Vorzüge ihrer neuen – und mitunter auch alten – Heimat. „Wir leben vielleicht mit der Ruhe eines Dorfes, aber wir haben eine städtische Struktur.“ Die Bürgermeisterin nannte Beispiele: 34 von 77 Straßen sind saniert. Es gibt einen Bahnhof ohne Gleise, von dem aus Touren in den aktiven Tagebau starten. Welzow beherbergt die größte Feuerwehrausstellung im Land Brandenburg. „Der historische Entwicklungspfad könnte etwas schöner sein“, räumte Birgit Zuchold ein. „Jugendliche haben die Fitness-Station zerstört, aber wir wollen sie mit Hilfe des Bauhofes reparieren.“

3600 Menschen leben in der Stadt. Die Mitglieder der 36 Vereine hoffen auf neue Mitglieder. So warb am Donnerstag Stadtwehrführer Bernd Asmus um weitere freiwillige Helfer. „Unsere Kameraden waren in den vergangenen Wochen wegen der vielen Brandeinsätze teilweise am Limit“, sagte er.

Die Vorsitzende des Welzower Heimatchors, Barbara Büchner, gehört wie viele andere Gäste des Empfangs zu den Zugezogenen. Allerdings lebt sie schon etwas länger in der Stadt. „Mich hat die Liebe hergelockt, vor 40 Jahren“, bekannte sie beim Empfang in der alten Dorfschule. Momentan singen nach ihren Worten nur Frauen im Chor mit. „Aber wenn sich Männer beteiligen wollen – immer gern.“

Bettina Schmidtke fühlt sich wie ihr Mann bereits in Welzow zu Hause. „Unsere Kinder leben zwar nicht hier“, sagt sie. „Aber die haben immerhin alle Arbeit.“