ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
| 18:06 Uhr

Welzow
Die Chancen der Altkippe

Welzow sucht eine neue Landschaft für die Altkippe des Tagebaus Welzow-Süd. Die Box für Meinungen und Ideen, die in der Bürgerwerkstatt stand, steht jetzt für zwei Wochen im Rathaus.
Welzow sucht eine neue Landschaft für die Altkippe des Tagebaus Welzow-Süd. Die Box für Meinungen und Ideen, die in der Bürgerwerkstatt stand, steht jetzt für zwei Wochen im Rathaus. FOTO: LR / Annett Igel-Allzeit
Welzow. Ob Esskastanie, Wein oder Obst – die Welzower Bürgerwerkstatt setzt auf Nachhaltigkeit der neuen Landschaft nach dem Tagebau. Ende August will die BTU ihren Vorschlag abgeben.

Grün soll die neue Landschaft der Welzower Altkippe werden. Und nachhaltig. In großen Terrassenstufen eilt sie nach Süden und Osten zum Teich. Das Regenwasserrückhaltebecken ist aus­drücklich gewollt. Dr. Christine Fuhrmann, Landschaftsarchitektin der Brandenburgischen Technischen Universität (BTU) Cottbus-Senftenberg, hat sich beim Bergbaubetreiber Leag erkundigt: Die Stufen lassen sich mit schwedischen Findlingen aufschütten. „Und Wärme können die Steine speichern“, sagt sie. Die Wege, die sich durchs Modell ziehen, nehmen alte Verbindungen auf. Obstbäume und Esskastanien wachsen. Gewächshausformen, die sich rund über die Stufen legen, hat sie für Welzow gefunden. Auf der Hang-Rückseite ist Platz für den Mountainbike-Parcours, für Wanderer und Reiter.

Im März hatten 24 Studenten in einem internationalen Workshop über 120 Hektar Welzower Bergbaufolgelandschaft gebrütet. Entstanden sind sechs Konzepte. Christine Fuhrmann zeigte den Welzowern am Donnerstag in der Bürgerwerkstatt nun den einen Vorschlag, den sie mit den Studenten aus allen sechs Konzepten entwickelt hat.

Und der überrascht. Kein Sportplatz auf der Altkippe? Christine Fuhrmann schüttelt den Kopf: „Wir wollten etwas schaffen, was es noch nicht gibt. Der Sportplatz in Welzow funktioniert doch ganz gut.“ Aber ein Waldstadion hat Welzow noch nicht. Christine Fuhrmann beginnt, den ersten Klebezettel zu beschriften. Der Welzower Joachim Diener bedauert, dass das Kirschblütenzimmer, das die Welzower seit acht Jahren haben, wenig angenommen wird. „Die neue Landschaft braucht deshalb attraktive Anbindungen“, sagt er. „Und es braucht Verbindungen zwischen all dem Neuen“, bestätigt Christine Fuhrmann und zeigt auch den Clara-See.

Der Stadtverordnete Reinhard Franke hat eine Idee fürs Welzower Fenster.  Durch den Rahmen guckten Touristen einst in den Tagebau. „Jetzt“, sagt er, „sehen sie Rekultivierung – und sind etwas enttäuscht. Wir sollten neben das Fenster eine Großaufnahme der neuen Landschaft stellen.“ Für einen Vergleich, was da 2050 wird? Christine Fuhrmann gesteht, dass sie sogar vom Panorama träumt und Fachpublikum davor diskutieren sieht. Andreas Franke, Jüngster Welzower an diesem Abend, wünscht sich eine Landmarke wie den Rostigen Nagen. Ein Restaurant mit Schaufelrad? „Zum Beispiel, das wäre ein Magnet“, sagt er.

Besonderes Gewächshausglas wird ganz in der Nähe produziert – in der Glasmanufaktur Brandenburg in Tschernitz. Reichen 50 Hektar Esskastanienplantage, um damit eine Wirtschaft aufzubauen? Wie durstig sind Aprikosen? Wäre der gute alte Pfirsichbaum es wert, in Welzow zum Alleinstellungsmerkmal heranzuwachsen? Gründen Welzower eine Winzergenossenschaft?

Auch Bürgermeisterin Birgit Zuchold (SPD) ist fasziniert: „Es ist eine Chance für alle.“ Sie will der Forschung Raum geben, hofft auf internationales Interesse. Und sie träumt davon, dass in Welzow gesunde Nahrung  oder Arzneipflanzen wachsen. Im Jahr 2025 soll die Aufschüttung beginnen. Ausgerechnet Joachim Diener, mit 77 Lenzen einer der Reifsten in der Runde, findet: „Das ist nicht mehr lange hin.“