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Welzow bastelt an seinem Marktplatz

Reinhard Franke vom Bauausschuss der Stadt Welzow betrachtet die Diskussion um den Marktplatz als lohnenswertes Unterfangen.
Reinhard Franke vom Bauausschuss der Stadt Welzow betrachtet die Diskussion um den Marktplatz als lohnenswertes Unterfangen. FOTO: René Wappler
Welzow. Welzow zählt zu den wenigen Städten ohne einen ordentlichen Marktplatz. Doch das soll sich ändern. Am Dienstagabend hat Professor Ralf-Rüdiger Sommer von der Hochschule Lausitz mit Einwohnern im Rathaus darüber geredet, wie der Platz künftig aussehen könnte. René Wappler

Eine kleine Sitzgruppe mit fünf, sechs Tischen, von der Straße abgegrenzt durch eine niedrige Mauer: So sieht der Marktplatz im italienischen Waidbruck aus. Bänke und Bäume verzieren hingegen den Ortskern von Eschwege, einer Kreisstadt in Hessen.

Diese Beispiele nennt Ralf-Rüdiger Sommer, als er das Gespräch mit den Einwohnern von Welzow moderiert. Als wollte er sagen: Klein, aber fein - so können Marktplätze aussehen. Der ganz große Wurf ist nicht immer nötig.

Zwei Jahre ist es her, dass er zum letzten Mal in Welzow mit den Bürgern diskutierte. Damals ging es um die Frage, wie sich das Leben in dieser Stadt gestalten lässt, sobald es den Tagebau nicht mehr gibt. "Diskutieren heißt immer, die Einstellung zu haben, dass der andere Recht haben könnte", gibt er zu bedenken. "Jeder, der zu einer solchen Diskussion bereit ist, stärkt die Stadt."

Nun schwelt der Streit um den Marktplatz in Welzow schon eine Weile: Wie sich der Bauausschuss-Vorsitzende Reinhard Franke (SPD) erinnert, war der erste Entwurf mit immensen Kosten verbunden. "Das ließ sich einfach nicht stemmen", sagt er. "Deshalb wurde er aus Vernunftgründen abgelehnt." Ein weiterer Vorschlag mit Wasserspielplatz und zusätzlichen Elementen erhielt von der Stadtpolitik ebenfalls wegen des zu hohen Aufwandes eine Absage.

Auch deshalb hat Bürgermeisterin Birgit Zuchold (SPD) zu dieser öffentlichen Diskussion ins Rathaus eingeladen. "Ich halte es für eine gute Variante, dass wir einen Dialog führen", erklärt sie. "Der Marktplatz soll Jung und Alt verbinden, und ich hoffe, dass wir intensiv darüber ins Gespräch kommen."

Dabei tastet sich Moderator Ralf-Rüdiger Sommer erst einmal an die Wünsche der Besucher heran. Ob ein Marktplatz in ihren Augen aus Bänken, Bäumen, Spielanlagen und Stellflächen bestehen soll - das möchte er erfahren.

Ganz grundsätzlich äußert sich Günter Seifert, sachkundiger Einwohner im Finanzausschuss der Stadt. "Wir brauchen einfach ein neues Stadtentwicklungskonzept", wendet er ein. "Sie müssen bedenken, dass Welzow eine Stadt ist, in der es das Bedürfnis nach einem Marktplatz nie wirklich gab." Auch dieser Umstand kann nach seinen Worten als besonderes Merkmal für einen Ort dienen.

Der Hochschulprofessor entgegnet: "Wenn Sie sagen, dass Sie keinen Marktplatz wollen, ist das auch ein Ergebnis." Dennoch stellt er den Besuchern der Runde weitere Beispiele vor. Der Altmarkt in Cottbus, verziert mit einem Brunnen. Auch ein grüner Park zum Spazierengehen als Markt wäre in seinen Augen möglich.

Bürgermeisterin Birgit Zuchold hakt nach: "Die Frage ist ja zudem, ob wir einen kleinen Spielplatz wollen, Wasser und eine Grünfläche."

Darauf antwortet Regina Reichmuth, sachkundige Einwohnerin im Umweltausschuss: "Weder in Spremberg noch in Cottbus habe ich einen Spielplatz an dieser zentralen Stelle gesehen." Auch Carsten Paulisch von der SPD-Fraktion gibt zu bedenken: "An der Kastanienallee wäre ein Spielplatz besser aufgehoben, denn ich glaube nicht, dass sich der Markt dafür eignen würde."

Ein weiteres Problem spricht der Bauausschussvorsitzende Reinhard Franke an: "Der benachbarte Wochenmarkt ist in Welzow zu einer Institution geworden, und in die vorgesehene Fläche würde er nicht mehr eins zu eins passen." Zudem habe sich die "grüne Mitte" als Name für das Stadtzentrum eingebürgert.

So versucht es Ralf-Rüdiger Sommer mit einer Abstimmung. Als er fragt, wer überhaupt einen Marktplatz wünscht, hebt eine klare Mehrheit die Hände. Einen Spielplatz hingegen können sich nur wenige Besucher im Zentrum vorstellen. Reserviert bleiben sie auch bei der Frage nach einem Parkplatz. Für Grün hingegen plädieren fast alle Gäste.

Von einer "gelungenen Veranstaltung mit einem kompetenten Moderator" spricht Reinhard Franke am nächsten Vormittag, als er sich mit dem Fahrrad zum Platz in der Innenstadt begibt - der immer noch genug Raum für neue Ideen bietet.