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Weltmeisterliches in der Schwimmhalle

In der AK 12 sichern sich die Schwestern Jolina und Joana Hecker sowie Elena Schöps, Nora Ellis, Anik Reininger (von links) die Pokale des dritten Spremberger 48-Stunden-Schwimmens.
In der AK 12 sichern sich die Schwestern Jolina und Joana Hecker sowie Elena Schöps, Nora Ellis, Anik Reininger (von links) die Pokale des dritten Spremberger 48-Stunden-Schwimmens. FOTO: mat1
Spremberg. Die Wasserwacht sichert Spremberg Weltrekorde. 86 Sportler aus Deutschland und sogar Amsterdam kamen zum 48-Stunden-Schwimmen. Annett Igel-Allzeit

Fest drücken sich immer wieder Füße vom Beckenrand ab. Unter Wasser schießen die Schwimmer über die ersten Meter der Bahn. Dann kämpfen die Arme, wirbeln die Beine. Die Sportler, die aus verschiedenen Teilen Deutschlands und sogar aus Amsterdam nach Spremberg gekommen sind, wollen möglichst viele Kilometer schaffen. Über 48 Stunden läuft der Wettkampf und verlangt physisch und psychisch alles. Überholmanöver können mit blauen Flecken enden. So mancher schwört in der 36. Stunde, dass er sich solche Strapazen nie wieder antun wird, aber auf der anderen Seite ist das dritte 48-Stunden-Schwimmen schon wie eine große Familie. Die Kampfrichter verwalten die Badekappen mit den Nummern, und sie notieren für die Bahnen Striche, aus denen Kreuze werden. Die Spreenixe ist zum Start krank. So hat Peter Reininger, der Koordinator der Wasserwacht Spremberg, Ortsgruppe des DRK Niederlausitz, das Schwimmen mit der Spremberger Bürgermeisterin Christine Herntier eröffnet. Sie hat so viel Spaß am Wettkampf, dass sie nicht nur mit Bekannten schwatzt, sondern auch mit Grith Sigsgaard, der in Dänemark geborenen Amsterdamerin. Schließlich will die 45-jährige Schwimmerin einen neuen Weltrekord aufstellen - in Spremberg, der Sportstadt. So ein 48-Stunden-Schwimmen, das offen für alle ist, scheint es so nicht noch einmal zu geben. In Spremberg fand es nach 2011 und 2014 zum dritten Mal statt. Nicht nur Grith Sigsgaard kann ihren eigenen Weltrekord von 100,1 auf 106 Kilometer überbieten. Sondern auch der Unterfranke Sascha Auer verbessert den bisherigen Rekord AK 45 männlich von Christian Richter um 20 auf 100 Kilometer. Auer beeindruckte mit seinem Schwimmstil. In sieben bis acht Zügen gleitete er unter den anderen Schwimmern durch die Bahn. "Das muss er mal unseren jungen Rettungsschwimmern beibringen", sagt Peter Reininger.

Bei 66,9 Kilometern liegt der neue Weltrekord der AK 18. Lena Vollstädt (27) aus Konstanz hatte dafür mit ihrer Schwester Meike (15) am Montag die Schule sausen lassen. "In Konstanz ist nicht frei - der Weltrekord reicht hoffentlich als Entschuldigungszettel in eurer Schule", so Reininger.

Die Freitaler waren besonders erfolgreich - neben den Siegen in der Gesamtmannschaftswertung und in der Nacht stellen sie in der AK 18 männlich die komplette Spitze. Die einzige echte Seniorin Gerda Pietrucha (64) aus Guben kämpfte diesmal um Kilometer für die Wasserwacht Senftenberg & Friends. Sie startete in ihrer Altersklasse zwar konkurrenzlos, überraschte am Ende aber gerade deshalb mit 45,1 Kilometern. Bei den Herren über 60 Jahre ging es mit immerhin vier Schwimmern etwas spannender zu. Gewonnen hat diesmal Ewald Schoppa. Uwe Lenk, der für Reininger zu den Sprembergern gehört, die man den eifrigen Schwimmern aus der ganzen Bundesrepublik entgegenhalten darf, weil gegenhalten kann, wurde mit 44,2 Kilometern Zweiter.

Auch eine Reihe Spremberger Wasserwachtler zogen sehr erfolgreich ihre Bahnen: Mandy Reinhold, Angelika Heinze und Rafaela Reinhold zum Beispiel. Aber sie waren in den 48 Stunden vor allem Gastgeber und Kampfrichter. Warmer Tee stand immer bereit. Und für Schwimmsportler muss mild gekocht werden. Übers Salz diskutierte das Küchenteam noch, als es selbst am frühen Nachmittag Fleischklopse aß. Das Büfett aus Obst, das sie mundgerecht schnitzten, hatte die Stadt Spremberg spendiert - mit Äpfeln, Bananen, Pflaumen, Trauben, Melone … Und auch das Bäderteam der Stadt ermöglichte den Wasserwachtlern bisher viel. Fester Hauptsponsor des 48-Stunden-Schwimmens ist die Volksbank Spree-Neiße seit 2011. Zur Auswertung am Montag kam dann doch noch die Spreenixe. Zwei Tage hatten zum Gesundwerden gereicht, sie übergab die Mannschaftspokale. Nachdem Bürgermeisterin Herntier Grith Sigsgaard das Versprechen abgenommen hatte, im Jahr 2020 wiederzukommen, wünschte sich Reininger, dass in drei Jahren schon eine neue Schwimmhalle steht. Wie wichtig Spremberg für nationale Schwimmer ist, zeigte der Wettkampf. Dina-Rubria Müller, die am vergangenen Wochenende vom Rhein an die Spree gekommen war, erklärte: "Wenn das nicht klappt mit einer Halle hier, hole ich mir das ganze Team an den Rhein. Es ist toll, was die Wasserwacht hier auf die Beine stellt. Das gibt es bei uns so nicht."

Bürgermeisterin Christine Herntier gratuliert Grith Sigsgaard zum neuen Weltrekord in Spremberg.
Bürgermeisterin Christine Herntier gratuliert Grith Sigsgaard zum neuen Weltrekord in Spremberg. FOTO: mat1