| 18:20 Uhr

Weit weg von der klaren Spree

Wie ein braunes Band zieht sich die Spree durch Spremberg.
Wie ein braunes Band zieht sich die Spree durch Spremberg. FOTO: Sven Sladczyk
Spremberg. Die ersten Module der mobilen Wasseraufbereitungsanlage in Burgneudorf sind zu sehen. Im Oktober will die Lausitzer und Mitteldeutsche Bergbauverwaltungsgesellschaft (LMBV) den Probebetrieb starten. Annett Igel-Allzeit und Anja Guhlan

2018 ist eine zweite Anlage in Neustadt und 2019 die dritte Anlage an der Ruhlmühle geplant. Doch über eine Renaturierung der Spree konnte Sven Radigk, Leiter der Projektgruppe Gewässergüte Fließgewässer Lausitz bei der LMBV, mit den Spremberger Stadtverordneten vor wenigen Tagen noch nicht sprechen. "Ziel ist, mit dem Barrierekonzept im Südraum der Spree mal auf 1,8 Milligramm Eisen pro Liter zu kommen. Unter zwei Milligramm ist das Eisen nicht mehr sichtbar. Aber wann das geschafft ist und wir auch für die Stadt Spremberger über die Renaturierung der Spree sprechen können, wissen wir noch nicht", so Radigk.

Bei 40 bis 400 Milligramm pro Liter liegt der Eisengehalt des Grundwassers an der Spreewitzer Rinne. In Spremberg schwankt der Gehalt in der Spree zwischen vier und acht Milligramm. Am Pegel Wilhelmsthal lag er im Vorjahr durchschnittlich bei 5,22 Milligramm, am Pegel unterhalb der Vorsperre Bühlow bis 2,42 Milligramm. Die Bekalkungsstation in Wilhelmsthal und die Flockungsmitteldosierungsstation am Zulauf der Vorsperre bewähren sich. Am Pegel Bräsinchen lag der Durchschnittswert bei klaren 0,49 Milligramm Eisen pro Liter.

Rund 6400 Tonnen Eisenschlamm waren bereits von März bis September 2015 aus der Vorsperre Bühlow geräumt worden. Doch durch die Bekalkungs- und Beflockungsstationen lagern sich statt bisher 20 Prozent des Eisens 50 Prozent ab. Das verkürzt den Rhythmus der Beräumung deutlich. Ende Juni rechnet die LMBV mit der der nächsten Entschlammung. "Spätestens im März 2018 muss aber etwas passieren", erklärte Radigk. Geld sei da. Im Juli könnte die EU-weite Ausschreibung starten. Aber eine Vergabe dauere in der Regel ein halbes Jahr.

Einige Sorgen konnte Radigk den Spremberger Abgeordneten auch nehmen. So fragte Ilona Schulz (Die Linke) nach schonenderen Mitteln als Kalk und Flockungshilfsmitteln. Auf einen Kubikmeter Wasser, so Radigk, komme zehn bis 15 Gramm Kalk - das entspreche etwa einem Stück Würfelzucker - und Flockungsmittel in der Größenordnung von einer Prise Salz. Abgesehen von der geringen Menge seien die eingesetzten Stoffe zulässig in der Trinkwasserzubereitung. "Und mit Speck nach der Wurst zu werfen, hat keinen Sinn", sagte Sven Radigk. Zudem verwies er darauf, dass Bekalkung und Beflockung auch ausgesetzt werden, wenn es sich nicht lohnt. Beispielsweise, wenn die Rahmenbedingungen stimmen - die Durchflussmenge in der Spree bei acht bis zehn Kubikmetern pro Sekunde liegt, die Eisenkonzentration unter vier Milligramm pro Liter sinkt, das Wasser eine Temperatur von mehr als 15 Grad Celsius hat und ein stabiler pH-Wert von größer als 7 herrscht. "Deshalb hatten wir die Anlage Anfang Juni 2016 nach behördlicher Abstimmung gestoppt." Als die Eisenkonzentration leicht stieg, wurde die Anlage wieder angefahren. Radigk hofft mit dem CDU-Abgerordneten Andreas Schulze, dass die drei Absetzbecken in Bühlow, die 2012 mit Schlamm gefüllt wurden, wieder frei werden. Acht bis zehn Jahre soll die Abtrocknung dauern, so Radigk. Also könnten die Becken frühestens 2020 wieder mit Eisenschlamm gefüllt werden.