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Weil Eulen auch Eier legen

Zur Ausstellungseröffnung hatten Egon Wochatz und Dorothea Tschöke (2. v. r.) einige Anekdoten zu erzählen.
Zur Ausstellungseröffnung hatten Egon Wochatz und Dorothea Tschöke (2. v. r.) einige Anekdoten zu erzählen. FOTO: Igel-Allzeit
Spremberg/Sabrodt. Egon Wochatz hat in seiner Zeit als Bürgermeister von Spremberg eine Sammelleidenschaft entwickelt, die er jetzt in Sabrodt zeigt. Annett Igel-Allzeit

Eulen nach Athen tragen, das kann jeder. Aber Eulen nach Sabrodt tragen? Egon Wochatz schaffte das jetzt. Geholfen hat ihm dabei seine alte Verbundenheit zur Volkskünstlerin Dorothea Tschöke. Sie hält mit Gleichgesinnten in Sabrodt an der Dorfstraße das Ostereiermuseum offen. Egon Wochatz sammelt seit Anfang der 90er-Jahre Eulen. Weise, kritisch oder gutmütig schauen sie, sind aus verschiedenen Materialien hergestellt und ergeben in all den Größen und Farben einen hübschen sehenswerten Haufen. 330 Eulen, so Wochatz, besitze er inzwischen. Etwas über 100 hat er fürs Sabrodter Museum ausgesucht. Wo ihn die Leidenschaft mit den Eulen packte, weiß er noch genau: "Es war eine blau-weiße Eule, die es mir zuerst angetan hatte. Als Bürgermeister lief ich 1990 zum Spremberger Heimatfest von Stand zu Stand, sprach mit den Leuten. Bei einem Herrn mit Töpferwaren - er stand an der Langen Brücke - wollte ich dann auch wirklich etwas erstehen. Ein Teller, eine Tasse? Da schaute mich diese blau-weiße Eule an. Sie gilt ja als Vogel der Weisheit", erzählt der 80-Jährige.

Eulen, die er nicht entdeckte, entdeckte seine Frau. Viele aber kamen als Geschenk. Sie füllten auch den Schrank hinter seinem Schreibtisch im Bürgermeisterbüro im Spremberger Rathaus bis 2002. Eulen aus Schokolade, Holz, Ton und Speckstein, aus Plüsch und aus Glas. Eulen auf Bücherstapeln, mit Brille oder Monokel, mit Schreibfeder und Philisterhut. Es gibt Eulen, schlank wie Bleistifte, mehrteilig wie Puzzle und so erschöpft, dass sie mit ausgebreiteten Flügeln auf dem Bauch eingeschlafen sind. Diese erschöpfte Eule, erinnert sich Wochatz, habe einen seiner Enkel sehr beschäftigt. Warum sie da so liege, ob sie vielleicht krank sei, habe der Junge besorgt gefragt. Bis Wochatz auf das dicke Buch auf dem Rücke der Eule deutete: eine zu schwere Lesekost.

Dorothea Tschöke ist froh, dass es zu dieser Sonderausstellung im sorbisch-wendischen Ostereiermuseum gekommen ist. Bevor die Mundharmonika zur Eröffnung im kleinen Kreis spielte, erzählt Dorothea Tschöke mehrere Anekdoten, wie nach der Wende über die sächsisch-brandenburgische Grenze hinweg Brauchtum, Kultur gerettet und Menschen wieder aufgerichtet wurden. Und schließlich, versucht sich die Volkskünstlerin augenzwinkernd zu rechtfertigen: "Eulen legen auch Eier." Und Naturwissenschaftlern zufolge besonders weiße und auffällig runde. Immer wieder etwas Neues über seine Sammelobjekte zu lernen, gehört zum leidenschaftlichen Sammeln.

Zur Museumsnacht am 9. September öffnet das Ostereiermuseum von 17 bis 21 Uhr in Sabrodt. Nach Absprache unter der Telefonnummer 03564 22045 kann es einschließlich der Eulen aber auch an anderen Tagen besichtigt werden.