Das jedenfalls gab Wieland Böttger, sachkundiger Einwohner im Bauausschuss der Stadtverordnetenversammlung warnend zu bedenken. Damit deutlich machend, dass noch lange nicht alles in trockenen Tüchern ist.
Jetzt soll es bei der seit 1996 laufenden Rekonstruktion des Wasserwerkes des Spremberger Wasser- und Abwasserzweckverbandes (SWAZ) in den fünften Bauabschnitt gehen: eine modernisierte Behandlung des Filterspülwassers. Bei der Aufbereitung des Grundwassers zum späteren Trinkwasser muss unter anderem Eisen entfernt werden. Die dafür notwendigen Filter müssen gespült werden - mit 50 Kubikmeter Wasser je Spülung. Das heißt, dass im Spremberger Wasserwerk bis zu 250 Kubikmeter Spülwasser am Tag anfallen und bis zu 40 Kilogramm Eisen ausgetragen werden. Das Filterspülwasser wird bisher über ein Grabensystem direkt in die Spree geleitet, Eisenhydroxidschlamm bleibt im Ablauf liegen. Die ursprüngliche Idee, eine Behandlung des Filterspülwassers in einer Anlage auf dem Gelände des Wasserwerkes zu bewerkstelligen, ist unter Kostenaspekten verworfen worden. Deshalb ist für das Spülwasser-Behandlungsbecken ein Standort am Rande des Landschaftsschutzgebietes ins Auge gefasst worden - auf städtischem Grundstück. Von einer Einsparung von 600 000 Euro mittels dieser Variante ist die Rede. Der „Technikbeauftragte“ des SWAZ, Dr. Matthias Geisendorfer, erklärte am Montagabend vor dem Bauausschuss, dass in diesem 450 Kubikmeter fassenden Becken eine Klarwasser- und eine Schlammzone enthalten sind. Tags werde das Spülwasser aufgefangen, Nachts erfolge die Absetzphase. Das Schlammwasser werde in das Kanalisationsnetz von Spremberg geleitet und dort sogar noch „geruchsbildungsvermindernd“ wirksam. Selbst im Spremberger Klärwerk trage es dazu bei, dass sich der Schlamm besser absetze. Und jetzt der Knüller, der, so erinnerte SWAZ-Geschäftsführer Bernd Schmied im Bauausschuss, auf Überlegungen von Wieland Böttger basiert: Das gereinigte Filterspülwasser soll nicht auf kürzestem Wege abgeleitet, sondern in Mäandern durch das Landschaftsschutzgebiet geführt werden (die RUNDSCHAU berichtete). Fachliche Rückendeckung erhielt diese Vision am Montag von Andreas Bergmann vom Ingenieurbüro für Umweltplanung in Forst, der sie als Teil der geforderten Ausgleichsmaßnahmen für den durch das Absetzbecken in Anspruch genommenen Teil des Landschaftschutzgebietes einordnete. Durch die Mäander könnte das Gebiet wieder stärker vernässen. Eine gute Nachricht für Wiesen und Farne sowie Frösche und andere Lebewesen. In dem seit jeher für Botaniker interessanten, jedoch stark in Mitleidenschaft gezogenen Gebiet der Kuthen drängen sich eine Untersuchung der Population und Vergleiche zu anderen Biotopen regelrecht auf. Gemeinsam mit der Beschäftigungs-, Qualifizierungs- und Strukturfördergesellschaft (BQS) Döbern hat der SWAZ im September vergangenen Jahres mit der mittlerweile vierten AB-Maßnahme begonnen. Diese dient der Kartierung und Bestandserfassung der Flora und Fauna in jenem Bereich, der vom Filterspülwasser beeinflusst wird. Auf der Suche sei man noch nach Flächen, auf denen gemäß den Forderungen des Landesforstgesetzes als Ausgleich für das in Anspruch genommene Gebiet Wald gepflanzt werden kann. „Vielleicht kann die Stadt welche anbieten“ , so der Wunsch von Bergmann.
Wieland Böttger plädierte dafür, die Renaturierung des Biotopes am Wasserwerk nur als Anfang für weiteres Engagement für das gesamte Landschaftsschutzgebiet zu betrachten.
Wenngleich Bürgermeister Dr. Klaus-Peter Schulze (CDU) am Montagabend keine Zusage zur Freigabe von Ausgleichsgeldern für das Biotop machen konnte, wertete er die durch die angestrebte Variante der Spülwasserbehandlung eingesparten 600 000 Euro als durchaus bedeutsam im Hinblick auf die Trinkwasserpreise. Auf keinen Fall scheint Dr. Schulze zu denen zu gehören, die noch vom Wert der Anstrengungen für das als besonders schützenswert geltende Areal im Landschaftschutzgebiet überzeugt werden müssten. Er ermunterte den SWAZ-Verbandsvorsteher Bernd Schmied, die für die Vorhaben notwendigen Anträge zu stellen.