Ein Sommermorgen in den Kuthen. Die Hosenbeine streifen an Farnen entlang, von denen es hier sechs verschieden Arten gibt. Auch für Orchideen und seltene Pilze ist dies ein guter Ort. Wieland Böttger bleibt stehen und lauscht auf das Vogelgezwitscher über ihm. „Das müsste ein Pirol sein“ , sagt er. Auch eine Tierart, die sich, ebenso wie verschiedene Fledermaus- und zahlreiche Schmetterlingsarten, wohl fühlt in den Kuthen - einem der wertvollsten Biotope in der Spremberger Region überhaupt, betont Böttger.
Der sachkundige Bürger im Umweltausschuss des Kreises hat sich deshalb dafür eingesetzt, dass der Naturschutzbund hier vor Ort seine Zelte aufschlagen soll. Zumal die Bedingungen günstig sind: Der Spremberger Wasser- und Abwasserverband (SWAZ), dem das alte Wasserwerk gehört, ist für eine Zusammenarbeit aufgeschlossen. Außerdem ist die BQS Döbern zurzeit mit zwei Umwelt- ABM-Projekten in den Kuthen tätig, die sich mit dem Anliegen der Spremberger Naturschützer gut verbinden. Sie befassen sich mit dem Aufbau eines wassertechnischen Museums im alten Wasserwerk zum einen, zum anderen mit dem Aufbau einer Natur- und Umweltstation „Slamener Kuthen“ , wozu die Dokumentation der verschiedenen Fauna- und Flora-Arten gehört, aber auch die Pflege und Verbesserung des natürlichen Lebensraums. Etwa 30 Vogelhäuser sind in diesem Rahmen gebaut und als Nistplätze in den Kuthen verteilt worden, wie BQS-Projektleiter Arwed Obst berichtet. Im alten Filterbauwerk wurden Fledermausquartiere eingerichtet und zusätzlich zehn Fledermauskästen in der Umgegend aufgehängt. Auch ein Insektenhotel wurde eingerichtet, und bei all diesen Aktionen sind teilweise auch Schüler der Berufsbildenden Oberschule vom Spremberger Schomberg beteiligt worden, denn die Einrichtung hat mit dem SWAZ eine Vereinbarung über eine Zusammenarbeit abgeschlossen. Der mit dem Strittmatter-Gymnasium abgeschlossene Generationenvertrag ist ebenfalls Grundlage für eine nutzbringende Zusammenarbeit mit jungen Menschen.
Bei einer Käferzählung im Herbst vergangenen Jahres wurden 20 Käferarten in den Kuthen gezählt. Derzeit geht es um die Registrierung der Falter, und zwar sowohl der tag- als auch der nachtaktiven.
Solche Zählungen dienen unter anderem dazu, Entwicklungen und Tendenzen in einem Biotop abzulesen, das unter anderem mit Veränderungen in der Grundwassersituation zu kämpfen hat. „Die letzten statistischen Erfassungen stammen von 1950 und 1970, und auch sie bauen auf Untersuchungen von 1920 auf“ , erklärt Wieland Böttger. „Wenn jetzt nichts passiert, dann läuft uns das davon.“
Damit meint der Umweltfachmann auch den Versuch, dem einst sumpfigen Biotop der Kuthen wieder mehr Wasser zuzuführen. Dazu hat er eine Idee geboren, die jetzt auch vom SWAZ umgesetzt wird: Es geht dabei um das Spülwasser, das im Wasserwerk bei der Reinigung der Filter anfällt und das bisher über einen Graben in Richtung Spree zurückgeführt wurde. Problematisch ist sein Gehalt an Eisenhydroxid - die rostroten Ablagerungen am Rand des Grabens sind nicht zu übersehen.
Damit dies der Natur nicht weiter zugemutet wird, müsste eine Aufbereitungsanlage auf dem Gelände des Wasserwerkes errichtet und das gereinigte Wasser dort versickert werden. Ein teureres Verfahren im Vergleich zu Wieland Böttgers Idee: Dafür ist nämlich nur ein Behälterbecken nötig, in dem sich der Eisenhydroxid-Schlamm langsam absetzen kann. Das saubere Oberwasser dagegen kann regelmäßig über ein Grabensystem, das auch mit dem Engagement der Mitglieder des Naturschutzbundes wieder reaktiviert werden soll, in die Kuthen ablaufen und kommt dort dem Biotop und dem Grundwasser zugute.
Zudem, so erklärt Monika Tittler, Technologin beim Spremberger Wasser- und Abwasserzweckverband, lässt sich der Eisenhydroxid-Schlamm sogar sinnvoll weiterverwenden, quasi als „Rohrreiniger“ , wenn man ihn über eine Druckleitung, die zu 90 Prozent schon vorhanden ist, dem Abwassernetz zuführt. Im Abwasser-Kanalsystem wirkt der Schlamm der Schwefelwasserstoffbildung und damit Geruchsbelästigungen entgegen.
„Obendrein sparen wir durch dieses Verfahren auch noch beim Wassernutzungsentgeld, das wir als Verband an das Land abzuführen haben“ , erklärt Monika Tittler. „Nämlich dann, wenn wir nachweisen können, dass wir das Spülwasser in einer ordentlichen Qualität wieder dem Grundwasser zugeführt haben.“

Hintergrund Die Naturschutzstation in Spremberg
 Die Spremberger Naturschutzstation will die Kräfte all jener Menschen bündeln, die sich auf dem Gebiet des Natur- und Umweltschutzes engagieren. Wer Interesse an der Mitarbeit hat oder nähere Informationen wünscht, kann an die Mail-Adresse naturschutzstation@gmx.de schreiben. Ziel der Station ist unter anderem die Erarbeitung eines Naturschutzmanagements für das Landschaftsschutzgebiet Slamener Heide (insgesamt 30 Hektar groß) für eine langfristige Betreuung ökologisch wertvoller Strukturen und zur Sicherung bedeutsamer Naturräume. Dazu sollen auch aktive Arbeiten im Landschaftsschutzgebiet gehören. Eine besondere Aufgabe soll die Kinder- und Jugendarbeit sein, um bei Mädchen und Jungen frühzeitig Interesse und Verständnis für Natur und Umwelt zu wecken.