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| 17:12 Uhr

Wieder zu Hause
Spremberg verlockt zur Rückkehr

Ines Hauptmann (r.) hat vergangene Woche einen Imbiss in Spremberg eröffnet. Bürgermeisterin Christine Herntier besuchte die Rückkehrerin.
Ines Hauptmann (r.) hat vergangene Woche einen Imbiss in Spremberg eröffnet. Bürgermeisterin Christine Herntier besuchte die Rückkehrerin. FOTO: Detlef Bogott
Spremberg. Bei vielen Menschen überwiegt nach Jahren in der Fremde das Heimweh.

Ein guter Schritt. Das sagen viele frühere Spremberger, die nach längerem Aufenthalt in anderen Städten wieder in ihre Heimat zurückkehren. Nur manchmal überkommt sie noch die Sehnsucht nach der Ferne.

Im Jahr 2016 eröffnete Sebastian Schulz seinen Weinhandel in der Karl-Marx-Straße. Vorher hatte er in Neuruppin gelebt und gearbeitet, aber sich nach eigenem Bekunden nie so richtig heimisch gefühlt. Also entschied er sich für die Heimkehr. Gemeinsam mit seinem Lebenspartner betreibt er nun das Geschäft in Spremberg. „Er ist im vergangenen Jahr mit in die Firma eingestiegen, weil sich der Aufwand doch nicht allein stemmen lässt“, sagt Sebastian Schulz. Den Weg zurück in die Heimat bereut er „in keiner Weise“. Als selbstständiger Unternehmer müsse er zwar mehr arbeiten als früher, aber er genieße auch mehr Freiheit. Den Weinhandel bezeichnet er als „unsere Leidenschaft“, die Umgebung von Spremberg als ein „Naturparadies“. Er schätzt die Ruhe und Gelassenheit der Spremberger und den Umstand, dass er sich abends nicht auf eine Stunde Feierabend-Stau im Autoverkehr einstellen muss. „Natürlich herrscht in größeren Städten ein vielfältiges Angebot in der Gastronomie, mit dem sich Spremberg nicht vergleichen kann“, erklärt der Unternehmer. „Das fehlt mir hier ein bisschen.“

Nach 17 Jahren in Hamburg kehrte der Steuerberater Ivo Baumert nach Spremberg zurück. Ihn begleiteten seine Frau und seine zwei Kinder. „Dafür haben wir uns relativ spontan entschieden, fast aus dem Bauch heraus“, berichtet er. Ein Immobilien-Unternehmer hatte der Familie ein Grundstück in Spremberg angeboten. Daraufhin begab sich Ivo Baumert auf die Suche nach einem Job in der Lausitz. „Das ging schnell“, sagt er. „Drei Bewerbungen geschrieben, drei Gespräche geführt, gleich zwei Zusagen erhalten.“ An der Stadt Spremberg gefallen ihm „die kurzen Wege, die persönlichen Kontakte“. Alles gehe familiärer zu als in einer Metropole. Allerdings vermisst Ivo Baumert seine Freunde in Hamburg. Im Beruf seiner Frau scheint sich der Mangel an Fachkräften noch nicht niederzuschlagen. Sie würde gern in der Buchhaltung einer Firma arbeiten, hat bisher aber noch keine Stelle gefunden.

Seit einer Woche betreibt Ines Hauptmann einen Imbiss in der Dresdener Straße. 20 Jahre lebte sie mit ihrem Mann in Bayern. „Mich trieb ganz einfach das Heimweh zurück“, erzählt sie. „Letztes Jahr im Frühling habe ich meinen Mann gefragt, ob wir wieder nach Spremberg ziehen wollen, und er war sofort dafür.“ Sie freut sich über die Initiativen für Rückkehrer, die in der Stadt entstanden sind. Dieser Einsatz erleichtere auch anderen Leuten die Entscheidung.

Doch nicht alle früheren Spremberger wollen sich wieder in ihrer Heimat niederlassen. Clemens Kurek wohnt und arbeitet inzwischen in Hannover, regelmäßig besucht er seine Eltern, und er sagt: „Ich könnte mir kaum noch vorstellen, in einer kleinen Stadt zu leben.“ Als er erfuhr, dass die AfD in Cottbus und dem  Spree-Neiße-Kreis bei der jüngsten Bundestagswahl 28,4 Prozent der Erststimmen erhielt und 26,8 Prozent der Zweistimmen, fragte er sich zudem, ob er überhaupt noch die Kraft aufbringen würde, sich im Alltag diesen politischen Tendenzen auszusetzen. „Hier in Hannover spielt es keine Rolle, was die Leute tragen oder wo sie herkommen“, sagt er. „Hier lebst du einfach dein Leben.“