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Was Gunther Emmerlich seiner Mutter und Luther verdankt

Ines, Immanuel und Jessica Adam lassen sich von Gunther Emmerlich Bücher und Musikaufnahmen signieren.
Ines, Immanuel und Jessica Adam lassen sich von Gunther Emmerlich Bücher und Musikaufnahmen signieren. FOTO: ani
Spremberg. Der Reformator Martin Luther hat die Musik in der Erfurter Universität studiert. Und er hat sie geliebt. Annett Igel-Allzeit

Davon konnte Opernsänger und Entertainer Gunther Emmerlich die Spremberger am Wochenende überzeugen. Aber zu laut durfte die Musik für Luther wohl nicht werden - Posaunen, Trompeten und Orgelpfeifen sollen ihm eher wehgetan haben. Selbst zupfte er die Laute. So war auch sein Wort besser zu hören. Mit dem festlichen Konzert "Martin Luther in Wort und Ton" hat Gunther Emmerlich in der Kreuzkirche überrascht: Es war heiter, klug und viel zu schnell zu Ende. Über 200 Besucher waren gekommen, um den Sänger und sein Ensemble zu erleben.

Der düstere Monolog für Orgel von Joseph Gabriel Rheinberger (1839 bis 1901) am Anfang ist wichtig für den Spannungsbogen: Ab da wird es nur noch heller. Luther hat viel gesagt, den Verachter der Musik als "groben Klotz" beschimpft, seine Käthe als das ihm Liebste gelobt und schon vor 500 Jahren gewusst, dass Geld nicht glücklich macht. Gunther Emmerlich zitiert auch Hans Sachs, Johann Wolfgang von Goethe, Friedrich Schiller, Heinz Erhardt, singt Christian Morgenstern und erklärt, was Paul Gerhardt einst mit dem Herzen meinte. Dass er trotz strenger Religionslehrer ein fröhlicher Christ geblieben sei, so Emmerlich, verdanke er seiner Mutter, Luther und Johann Sebastian Bach.

Sabina Herzog begleitet Emmerlich nicht nur auf den Saiten ihres Violoncellos, sie singt auch - Alt. Matthias J. Suschke, der die musikalische Leitung und deshalb den fordernden Blick zu den Einsätzen innehat, spielt nicht nur Piano und Sprembergs Sauerorgel, sondern befreit auch das Cembalo. Und der Trompeter Johann M. Plietzsch wechselt zwischen kleinen und großen Trompeten, zum wärmeren Flügelhorn und zum Es-Kornett. Klar, in der Kreuzkirche können die Ohren auf jedem Platz genießen, aber auch sehenswert ist Emmerlich mit einem Ensemble in den kleinen Gesten.

Martin Luthers "Ein' feste Burg ist unser Gott" steigert sich über vier Variationen quer durchs Programm. Gut tut Heinrich Isaacs (1450 bis 1517) "Nun ruhen alle Wälder". Und Johann Walter (1496 bis 1570), der Luthers Freund und musikalischer Berater wurde, stellt Emmerlich als in Eisenberg getaufter Landsmann vor. Aber auch an Volksliedern wie "Der Tod von Basel" hat Emmerlich seine Freude, was sich flink aufs Publikum überträgt. Schließlich vermisst in der kleinen Ballade ein junger Mann sein steinaltes Weib, nachdem er nach ihrem Tod ein junges Weib geheiratet hat. In John Stanley "Adagio & Trumpet Voluntary" toben sich Suschke, Plietzsch und Sabina Herzog als instrumentales Trio aus. Bevor Emmerlich überlegt, ob Luther wohl geraucht hatte. Bach habe geraucht, erklärt Emmerlich, und singt das "So oft ich meine Tobackspfeife" seines Lieblingskomponisten. In den Spirituals kann Emmerlichs Bass noch einmal schwingen. Damit ist er selbst schuld, dass die Spremberger noch einmal ganze drei Zugaben von ihm hören wollen.