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| 17:12 Uhr

Bloischdorf
Einst schlesische Exklave in der Niederlausitz

Dr. Winfried Töpler beschäftigt sich bereits seit dem Jahr 2001 mit der Bloischdorfer Kirche St. Joseph.
Dr. Winfried Töpler beschäftigt sich bereits seit dem Jahr 2001 mit der Bloischdorfer Kirche St. Joseph. FOTO: LR / TorstenRichter-Zippack
Spremberg/Bloischdorf. Herbsttagung in Spremberg stellt klar, warum die Bloischdorfer Kirche seit 350 Jahren katholisch ist. Von Torsten Richter-Zippack

Im Herzen von Bloischdorf befindet sich eine spätmittelalterliche Feldsteinkirche. Das Gotteshaus wurde zwar im Zuge der Reformation evangelisch. Doch vor genau 350 Jahren, anno 1668, kehrte der Katholizismus in das altehrwürdige Gebäude zurück. Die Ursachen hat der Historiker und Archivar Dr. Winfried Töpler während der Herbsttagung der Niederlausitzer Gesellschaft für Geschichte und Landeskunde im Spremberger Schloss erläutert.

Derzeit erfolgt die Sanierung der Bloischdorfer Feldsteinkirche. Das Dach ist bereits neu.
Derzeit erfolgt die Sanierung der Bloischdorfer Feldsteinkirche. Das Dach ist bereits neu. FOTO: LR / Torsten Richter-Zippack

Bloischdorf wurde in Folge des Dreißigjährigen Krieges (1618-1648) dem katholisch gebliebenen Herzogtum Sagan zugeordnet. Der Ort bildete fortan eine schlesisch-katholische Exklave in der ansonsten evangelischen Niederlausitz. Der Saganer Fürst von Lobkowicz (1607-1677), so berichtet Winfried Töpler, bekam die Chance, in den Kreis der kaiserlichen Berater aufzusteigen. Bedingung bildete aber eine Rekatholisierung seines Herrschaftsbereiches. Die Bloischdorfer konnten sich dagegen nicht wehren. So wurde ihr Gotteshaus wieder katholisch.

Das Ensemble wurde verwaltungstechnisch der Kirche zu Gräfenhain, einem Ort rund 50 Kilometer östlich von Bloischdorf, zugeordnet. So fand in Bloischdorf nur zweimal im Jahr Gottesdienst statt. „Dazu kam aber kaum jemand von den Einheimischen, da diese evangelisch waren“, hat Winfried Töpler recherchiert. Unter dem Pfarrer Johann Karl Leist aus Sagan erfuhr das Gotteshaus eine Sanierung. Doch erst anno 1812 musste das Strohdach einer Fachwerkkonstruktion weichen.

Im Jahr 1816 kam Bloischdorf zum Kreis Spremberg, war also keine schlesische Exklave in der Niederlausitz mehr. Aufgrund der zunehmenden Industrialisierung der Lausitz während des 19. Jahrhunderts strömten viele Katholiken als neue Arbeitskräfte in die Region. In Muskau entstand deswegen im Jahr 1853 eine neue katholische Gemeinde, von der aus die Bloischdorfer Kirche verwaltet wurde. Obwohl anno 1870 auch in Spremberg eine katholische Pfarrei entstand, die auch die Umgebung umfasste, verblieb Bloisch­dorf bei Muskau. Erst zum 1. Januar 2000 erfolgte schließlich die Eingliederung in den Spremberger Pfarrsprengel.

Derzeit wird das Gotteshaus St. Joseph erneut saniert. Arbeiten erfolgen unter anderem am Kirchendach sowie am hölzernen Turm. Die Sanierung soll noch in diesem Jahr vollendet werden.