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Vogelwanderung
Warmer Winter, weniger Wasservögel

Eine ganze Wandergruppe von Vogelinteressierten blickt vom Döbberner Strand aus auf den Spremberger Stausee. Auf der anderen Uferseite am Weißen Berg entdecken sie viel mehr Wasservögel, so dass die Gruppe beschließt, die Wanderung dort fortzusetzen.
Eine ganze Wandergruppe von Vogelinteressierten blickt vom Döbberner Strand aus auf den Spremberger Stausee. Auf der anderen Uferseite am Weißen Berg entdecken sie viel mehr Wasservögel, so dass die Gruppe beschließt, die Wanderung dort fortzusetzen. FOTO: Anja Guhlan
Spremberg. Trotz mildem und regnerischem Wetter lässt Winter-Vogel-Wanderung des Nabu Spremberg am Stausee Raum für interessante Einblicke in die Vogelwelt.

Die Temperaturanzeige des Autos zeigte Sonntagvormittag vier Grad Celsius am Spremberger Stausee an und der Himmel wirft reichlich Wassertropfen hinunter. Zunächst möchte kaum jemand der fast zwei Dutzend Naturfreunde aus dem Auto aussteigen. Als der Vogelkundler Ronald Beschow (61) jedoch aussteigt und sein Fernrohr auspackt, regnet es weniger und die erste Vogelwanderung im neuen Jahr  kann beginnen.

Zwar hat der NABU-Regionalverband Spremberg zu einer Winter-Vogel-Wanderung eingeladen, aber bei milden Temperaturen und bei leichtem Regen ist von dem Winter derzeit nicht viel zu spüren.  Das hat auch Auswirkungen auf die Vogelwelt und letztendlich auf die Wanderung, die am gestrigen Sonntagvormittag stattgefunden hat. „Grundsätzlich lassen  sich Vögel sehr gut bei trockenem Wetter und am Vormittag beobachten“, meint Ronald Beschow, der sich seit mehr als 30 Jahren der Ornithologe widmet. Von dem Vogelkundler erfahren die rund 20 Teilnehmer, dass seit dem Jahr 1967 an dem Spremberger Stausee Vogelarten beobachtet und in einem internationalen Netz erfasst werden. 256 Vogelarten sind bisher in dem Auenwald-Gebiet rund um den Stausee erfasst worden. Darunter zahlreiche Wasservögel.

„Ich habe heute die Hoffnung mal eine Trauerente näher zu Gesicht zu bekommen“, meint eine Vetschauerin, die an der Wanderung teilnimmt. Doch bisher hat sie lediglich Schellenten und Gänsesäger entdeckt. Letztere fangen relativ zeitig an zu brüten, berichtet Beschow, und deutet auf den milden Winter hin: „Einige Vogelarten wie der Gänsesäger denken, sie können schon brüten. Zudem ziehen einige Zugvögel  erst gar nicht in den Süden, da sie auch in Wald und Flur noch gut Nahrung finden“, sagt der Nabu-Vogelschutzexperte. Auch die nordischen Gänse als Wintergäste, die in der Regel ab dem Monat November am Stausee zu beobachten sind, ziehen manchmal einfach weiter. Beschow gibt manchen Anglern die Schuld, denn diese fahren auch im Winter mit Booten auf den See und stören somit die Gänse, die sich letztendlich für einen „Durchflug“ statt „Zwischenlandung“ entscheiden. Aber auch Tiere wie Wildschweine vertreiben so manche Wasservögel, berichtet Beschow in Anekdoten.

Plötzlich zeigt die Hobby-Ornithologin aus Vetschau  nach oben in den Himmel: Ein Kranich fliegt über die Köpfe der Beobachter hinweg. Viele  Teilnehmer zücken ihre Ferngläser gen  Himmel. Beschow berichtet, dass sich derzeit drei Kranichpaare in der Region befinden. Eines hat sich beispielsweise an den Cantdorfer Wiesenteichen angesiedelt.

Beschow gibt auch Tipps: „In etwa zwei Monaten lassen sich eventuell auch Fischadler am Stausee beobachten“, meint er. Diese Population taucht gelegentlich  auch in der Region auf – so wurden in Groß Luja, Muckrow und Laubsdorf schon  Brutstätten gesichtet, so der Ornithologe. „Auch in den Orten Klinge und Kathlow“, fügt Günter Ott (69) aus Cottbus hinzu. Er interessiert sich ein wenig für die Vogelwelt, obwohl er sich eher als Natur- und Wanderfreund bezeichnet und deshalb auch gerne an der Vogelwanderung teilnimmt. Er bestimmt viele Vögel anhand eines Bestimmungsbuches, das er bei Wanderungen regelmäßig bei sich trägt.

Ganz gespannt hört stets der 13-jährige  Gino Antonio Nowara den Worten des Vogelkundlers zu. „Ich besitze selbst über 20 Wasservögel und beobachte sie gerne auch in der Natur. Das mache ich auch gerne beim Angeln“, meint der Spremberger, der durch und durch Naturfreund ist und sich in fünf Vereinen engagiert.

Der Vogelkundler Ronald Beschow hätte gern auch solch jungen Nachwuchs im Nabu-Regionalverband Spremberg  gesehen. „Derzeit gibt es fünf fachkundige Ornithologen im Spree-Neiße-Kreis. Wir gelten ja schon als Exoten“, sagt Beschow. Er würde sich freuen und auch dazu beitragen, die etwa 20- bis 30-jährige Lücke  zu den Nachwuchs-Ornithologen zu schließen. Doch bisher sieht es mit dem Nachwuchs eher mau aus. Aus seiner Sicht müssten Schulen und Freizeiteinrichtungen sowie Eltern, die Vogelwelt als Thema wieder mehr aufgreifen und Kinder dafür sensibilisieren. Drei anwesende Kinder und Jugendliche bei der Vogelwanderung, kann da schon ein Anfang sein.

Die nächste Gelegenheit zur Vogelwanderung des Nabu-Regionalverbandes Spremberg wird im Frühjahr sein, wenn es erneut  mit einer Wandergruppe in die Bergbaufolgelandschaft am Wolkenberg geht.

(ang)