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| 16:18 Uhr

Spremberg
Martin Luther hat die Sorben und Wenden bewegt

Noch bis zum 31. Juli ist die Wanderausstellung zu wendischen Kirchen in der Lausitz in der Spremberger Kreuzkirche zu sehen.
Noch bis zum 31. Juli ist die Wanderausstellung zu wendischen Kirchen in der Lausitz in der Spremberger Kreuzkirche zu sehen. FOTO: LR / Annett Igel-Allzeit
Spremberg. Wanderausstellung ist noch bis 31. Juli in der Spremberger Kreuzkirche zu sehen, danach geht sie nach Guben.

Dass es die Mitglieder der Spremberger Kreuzkirchengemeinde schaffen, die Stadtkirche in der Woche täglich für mehrere Stunden offen zu halten, kommt gut bei den Touristen an. Ein Ehepaar aus Bayern lässt sich von Hildegard Adam die Altäre erläutern. Ein Radler aus Berlin auf dem Weg nach Dresden ruht in der Kühle ein wenig aus. „Auch die Ausstellung zu den wendischen Kirchen wird gut angenommen“, sagt Hildegard Adam.

Noch bis zum 31. Juli werden die Tafeln der Wanderausstellung „Wendische Kirchen zwischen Löbau und Lieberose“ in Spremberg gezeigt, bevor sie nach Guben umziehen. Das Sorbische Museum Bautzen hat die Tafeln gemeinsam mit dem Fotografen Jürgen Matschie entwickelt. Die Ausstellung knüpft an das Reformationsjubiläum 2017 an. Denn für die Sorben und Wenden waren die reformatorischen Ideen wichtig, sie wirkten in ihre Kultur hinein, förderten die Entwicklung eines sorbisch-wendischen Schulwesens. 90 Prozent der sorbischen und wendischen Christen, so ist in der Einführungstafel zu lesen, wechselten zum evangelisch-lutherischen Glauben, ein Zehntel blieb bei der römisch-katholischen Kirche. Aber selbst die Katholiken fanden es nach der Reformation wichtig, sorbische Gottesdienste zu ermöglichen – das zeigt die Tafel zur Liebfrauenkirche, Nikolaikirche und Michaeliskirche in Bautzen.

Und Johann Gottlieb Fabrizius (1681 bis 1741) bekommt seinen Absatz. Der Pietist und Cottbuser Superintendent hat in seiner Heimatgemeinde Kahren die erste wendische Druckerei im Raum Cottbus eingerichtet und dort Martin Luthers Katechismus und des Neue Testament gedruckt.

Auch Ruinen und Plätze, auf denen Wendische Kirchen gestanden hatten, suchte Jürgen Matschie auf. Oft war noch herauszufinden, bis wann es sorbisch-wendische Gottesdienste in den Kirchen gab. Einige gehörten zu Klostern, andere waren Kirchen für die Landbevölkerung. Die Wendisch-Deutsche Doppelkirche in Vetschau hat seit 1995 zum Tag des offenen Denkmals einen zweisprachigen  Gottesdienst. Und wendische Kirchen in Lubsko (Sommerfeld), Trzebiel (Triebel), Zary (Sorau) sind zu sehen. Was die Ausstellungsmacher zur Wendischen Kirche in Spremberg, heute Gemeindehaus der Kreuzkirche, herausgefunden haben, genügt den Sprembergern nicht. Manfred Ihle, viele Jahre Leiter des Niederlausitzer Heidemuseums, hat noch ein Blatt neben die Tafeln gelegt. Darin beginnt er weit vor der Zeit, in der Ursula Gräfin von Roedern, Tochter des Seyfried von Kittlitz, für  die Landbevölkerung die Wendische Kirche errichten ließ. Bereits 1532, so Manfred Ihle, bestätigte der Schöppenstuhl zu Magdeburg – eine Art Obergericht, das sich mit überregionalen Fragen beschäftigte – die Stiftung für den Unterhalt eines wendischen Kaplans in Spremberg. Und von Johann Agricola dem Spremberger, der eine wichtige Rolle in der Reformation spielte, ist nachgewiesen, dass er 1579, so Manfred Ihle, wendisch predigte.

Offen ist die Kreuzkirche montags bis freitags von 10 bis 12 Uhr und am Montagnachmittag von 14 bis 16 Uhr. In der Gubener Klosterkirche wird die Ausstellung vom 5. bis 31. August und in der Forster Stadtkirche St. Nikolai vom 1. bis 30. September gezeigt.