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| 16:09 Uhr

Waldbestattung im Muskauer Faltenbogen
Erste Waldbestattung im Herbst

 Freiherr Franz von Rotenhan und Forstwirt Frank Hartig wählen auch junge Bäume für den Waldfriedhof bei Friedrichshain aus. 
Freiherr Franz von Rotenhan und Forstwirt Frank Hartig wählen auch junge Bäume für den Waldfriedhof bei Friedrichshain aus.  FOTO: LR / Annett Igel-Allzeit
Friedrichshain. In den Wurzeln der Bäume sollen die Urnen ruhen. Aus einer Idee aus dem Jahr 2017 wird jetzt der Waldfriedhof Marienberg. Von Annett Igel-Allzeit

Der Wald am Marienberg bei Friedrichshain ist gut durchgeforstet. Im leichten Wind trudeln die Birkenblätter. Forstwirt Frank Hartig, der sich um den Rotenhanschen Wald im Muskauer Faltenbogen kümmert, läuft den Weg hinauf, der sich bereits andeutet.

„Am schönsten ist der Wald am Morgen nach einem Regen“, sagt Franz von Rotenhan. Während sein Vater, der vor 19 Jahren den Forstbetrieb Reuthen gekauft hatte, mit seinen Waldarbeitern und den Eichelhähern Kiefernwald in Mischwald umwandelte, sammelte Franz von Rotenhan Erfahrung mit seinem ersten Waldfriedhof „Schönburger Land“ im sächsischen Callenberg. Seit 2016 wird dort an Bäumen bestattet. Die besondere Nutzung des Waldes, die Menschen, ihre Dankbarkeit, ihre Geschichten tun ihm so gut, dass er dem Vater rät, auch einen Teil des Waldes in der Lausitz als Waldfriedhof zu planen.

20 Hektar haben sie als geeignete Fläche gefunden. Im Dezember 2017 prüfte die Chemnitzer Ingenieurgesellschaft für Baugrund, Geophysik und Umweltengineering – die „Analytec Dr. Steinhau“ – den Waldboden am Marienberg. Bei sechs Rammkernsondierungen ging es sechs Meter in die Erde. An weiteren 20 Stellen arbeitete sich die Baggerschaufel bis zu 1,20 Meter tief. „Wir haben bei dieser Entnahme von Bodenproben 17 verschiedene Erden gefunden“, erklärt Franz von Rotenhan. Wichtig sei für einen Bestattungswald, dass der Boden nicht zu durchlässig ist. Die Urnen aus Naturstoffen wie Holz und Kork müssen mit der Asche gut verrotten können.

Mehrere Bäume tragen inzwischen dünne Bänder. Sie sind als Bestattungsbäume geeignet, können von Besuchern ausgewählt werden. Es sind keineswegs nur prächtige Eichen. Besondere Wuchsformen, die in der Holzwirtschaft stören, gefallen Waldfreunden. Die Urnengräber für Familien, Freundeskreise und einzelne Verstorbene sollen 20 bis zu 40 Jahre bestehen können, erklärt Franz von Rotenhan. „Es ist also durchaus klug, sich einen etwas jüngeren Baum auszusuchen“, sagt er. Neben Kiefern und Fichten wachsen Eichen, Linden, Ahornbäume und Douglasien bei Friedrichshain. Eine Roteiche steht in unmittelbarer Nähe, auch Birken, Buchen, Lärchen, Pappeln. Vater Sebastian von Rotenhan hat auf dem Marienberg eine Weymouth-Kiefer, größte Nadelbaumart Nordamerikas, entdeckt. Und auch der Lebensbaum, der aus Zeiten stammen muss, als sich die Friedrichshainer zu Tanz und Vergnügen auf dem Marienberg trafen, soll stehen bleiben.

Es werde Försterbäume geben, die der Förster für Verstorbene aussucht. Und Engelsbäume für kleine Kinder. „Man kann sich zu Lebzeiten sogar einen Baum pflanzen, unter dem man später ruhen möchte“, sagt Franz von Rotenhan.

Ein Schildchen am Baum, zehn mal vier Zentimeter groß, wird Namen und Lebensdaten der Verstorbenen tragen. Damit kein Tier die Urnen ausbuddelt, kommen sie in eine Tiefe von 80 Zentimetern an den Baum. „Neben Reh, Rotwild, Wildschein, Fuchs, Waschbär und Dachs kommt hier auch der Wolf vorbei“, weiß Hartig. Und dann das Vogelgezwitscher, während man im Gedenken an den Verstorbenen am Baum lehnt.

Die Gemeinde Felixsee wird Träger vom „Waldfriedhof Marienberg“ sein, Freiherr Sebastian von Rotenhan und seinen Nachfolgern obliegt die Verwaltung und Unterhaltung. Im Dezember 2018 hatte der Landkreis Spree-Neiße den Waldfriedhof genehmigt. Die Friedhofs- und Nutzungsordnung beschloss die Gemeindevertretung im Mai. Die Pflege des Waldes – aus Gründen der Verkehrssicherungspflicht – und die Vorbereitung der Beisetzungsstätte übernimmt Forstwirt Hartig. Jetzt im Juli entstehen in Friedrichshain am Waldrand Stellplätze für die Besucher. Wege werden naturnah, aber sichtbar angelegt. Findlinge sollen den Waldfriedhof bereichern, Bänke zum Verweilen einladen. Zu einem ersten Pavillon für Andachten wird es nicht weit sein. Aber auch ein Andachtsplatz auf dem Marienberg ist geplant.

Voraussichtlich am 1. Oktober wird der Waldfriedhof Marienberg feierlich eröffnet.

 Freiherr Franz von Rotenhan und Forstwirt Frank Hartig wählen auch junge Bäume für den Waldfriedhof bei Friedrichshain aus. 
Freiherr Franz von Rotenhan und Forstwirt Frank Hartig wählen auch junge Bäume für den Waldfriedhof bei Friedrichshain aus.  FOTO: LR / Annett Igel-Allzeit