ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
| 02:34 Uhr

Wahrzeichen von Sibirisch-Welzow

Blick auf das Ensemble der beiden Familienhäuser mit ihrem Schuppenkomplex und dem Torbogen.
Blick auf das Ensemble der beiden Familienhäuser mit ihrem Schuppenkomplex und dem Torbogen. FOTO: trt1
Welzow. Kurz vor dem Sperrgebiet der Grube Welzow-Süd stehen zwei imposante Familienhäuser. Kaum ein Besucher verirrt sich dorthin, dennoch: ein Besuch lohnt. Immerhin reist man damit mehr oder weniger nach Sibirien. trt1

Kaum ein Besucher in Welzow dürfte sich in der Regel zu den beiden imposanten Familienhäusern im äußersten Südosten der Stadt am Tagebau verirren. Denn das Ensemble bildet den Abschluss der lang gezogenen Waldstraße im WohnbezirkV. Unmittelbar danach beginnt bereits das Sperrgebiet der Grube Welzow-Süd. Und dennoch lohnt sich eine Stippvisite am "Ende der Welt". Denn dieses Fleckchen Erde trägt den wohl wenig schmeichelhaften Beinamen "Sibirien". So ist es in den Landkarten verzeichnet, und so steht es auch auf einer mittlerweile windschiefen Tafel an einer noch jungen Eiche direkt neben den Familienhäusern.

Nur noch wenige Mieter

Heute wohnen in ihnen nur noch ganz wenige Mietparteien. Das war früher anders. Insgesamt 24Familien lebten dort, sagt Eberhard Seiffert. Der Hobbyhistoriker vom Welzower Heimatverein muss es wissen. Schließlich bildeten die Familienhäuser über Jahrzehnte auch sein Zuhause. "Die Gebäude sind wahrscheinlich um die vorvorige Jahrhundertwende errichtet worden", weiß Seiffert. Das Land habe ein cleverer Bauer zur Verfügung gestellt, der genau wusste, dass bald die Kohle kommen würde. Schließlich benötigte der damalige Bergbautreibende, die Eintracht AG, jede Menge Wohnraum für ihre Arbeiter in den umliegenden Gruben und Brikettfabriken. Ende der 1920er-Jahre erfolgte ein Umbau, und das architektonisch nicht uninteressante Ensemble erhielt sein heutiges Aussehen. Die Mieter verfügten neben ihren Wohnungen auch über kleine Schuppen, in denen die Brennstoffe für die Öfen gelagert wurden.

Die große Freiheit

Manche schätzten die Lage der Häuser mitten im Wald, andere wollten dagegen bald wieder weg, weiß Eberhard Seiffert. Für ihn bedeutete "Sibirisch-Welzow" jedenfalls "die große Freiheit". Es handelte sich mit um die ersten Gebäude des späteren Wohnbezirkes V, die übrige Bebauung, die sich bis an den Rand des alten Ortskerns erstreckt, entstand in den nächsten Jahrzehnten.

Heute bieten die beiden Familienhäuser einen eher traurigen Eindruck. Mehr noch: Die wuchtigen Gebäude wirken geradezu einen Tick unheimlich. Direkt unterhalb des Ensembles erstreckt sich ein ehemaliges Gewässer, der Badeteich von Sibirien, in denen zahlreiche Welzower Kinder das Schwimmen erlernten. Heute ist diese ehemalige Grube zwar noch zu erkennen, aber längst vom Wald überwachsen. Wasser ist zumindest oberflächlich keines mehr vorhanden.

Das Schicksal von Sibirien steht indes auf der Kippe. Die Frage lautet nämlich: Kommt der Tagebau noch oder nicht? Denn die Bergbauplanungen sehen vor, den Stadtteil im Zuge des Aufschlusses des Teilfeldes II des Tagebaus Welzow-Süd zu überbaggern. Ob dies je passieren wird, weiß heute wohl niemand.