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Zusammenhalt im Dorf
Wadelsdorfer Frauen kümmern sich

Marina Jazosch (links) und Katrin Handschag kümmern sich um die Wadelsdorfer Senioren.
Marina Jazosch (links) und Katrin Handschag kümmern sich um die Wadelsdorfer Senioren. FOTO: René Wappler / LR
Spremberg. Für viele Menschen beginnt gesellschaftliches Engagement in der Phase vor dem Ruhestand. René Wappler

Früher luden sie einfach zur Rentnerweihnachtsfeier ein. Das wäre heute fast schon ein Fauxpas. Marina Jazosch, Petra Auls und Kat­rin Handschag kümmern sich um die Seniorengruppe im Ort kümmern und sie haben festgestellt: Viele Leute fühlen sich gar nicht mehr als Rentner, selbst wenn sie das nötige Alter dafür erreicht haben. Deshalb richtet sich die Weihnachtsfeier inzwischen an alle Leute „Ü 60“, also alle über 60 Jahren.

Die drei Damen, die das Treffen organisieren, sind selbst noch berufstätig. Trotzdem betrachten sie es als ihr persönliches Anliegen, den älteren Menschen im Dorf eine Freude zu bereiten. „Wir kaufen Stollen, Plätzchen und Pfefferkuchen für die Weihnachtsfeier ein“, sagt Marina Jazosch. „Die Mädchen und Jungen aus der Kindertagesstätte gestalten ein Programm, manchmal sogar kleine Theaterstücke.“ Im Jahr 2016 erhielt die Seniorengruppe in Wadelsdorf 200 Euro als Fördergeld aus einem Programm des Ferngasnetzbetreibers „Ontras“. Diesen Betrag nutzten die Frauen für den Kauf von Geschirr und Besteck. „Mehr als 40 Senioren zwischen 60 und 90 Jahren möchten auch weiterhin am Gemeindeleben teilhaben“, berichtete damals Katrin Handschag. „Dies zu gewährleisten, ist uns ein Herzenswunsch.“

Einst gab es in Wadelsdorf einen Konsum und eine kleine Kneipe. Wie in vielen anderen Dörfern fehlt es mittlerweile an solchen Angeboten. Auch die Schule existiert nicht mehr. Junge Leute haben ihre Heimat verlassen, suchen in anderen Regionen nach Arbeit, und ihre Eltern bleiben zurück. Der Rückzug öffentlicher Verkehrsmittel aus dörflichen Gegenden trägt dazu bei, dass das Leben auf dem Land oft als Hindernis im Alltag gilt.

Dennoch fühlen sich viele ältere Einwohner agiler als die Rentner früherer Generationen, und sie wollen aktiv bleiben. Das bestätigt die Leiterin der Freiwilligenagentur in Spremberg, Sabine Rackel. Sie organisiert gemeinsam mit ihrem Team ehrenamtliche Hilfe in der Stadt. „Bei uns melden sich viele Menschen, die am Ende ihres Berufslebens stehen und sich auf den Ruhestand vorbereiten“, sagt sie. „Erst neulich besuchte uns eine Frau gleich am ersten Tag ihrer Rente: Sie hilft jetzt in einem Kindergarten als Schlafwache aus.“

Aktivität stiftet Sinn: Das erfahren die Ehrenamtlichen bei der Freiwilligenagentur, wie Sabine Rackel berichtet. Alleinstehende, die nach Spremberg gezogen sind und Kontakt suchen, bieten der Freiwilligenagentur ebenfalls ihre Hilfe an. „Das finde ich einleuchtend“, sagt die Leiterin. „Es ist ja nicht so einfach, Leute kennenzulernen, wenn man neu in einer Stadt ist, und oft funktioniert es am besten über das Ehrenamt.“ Auch als Übungsleiterin beim Spremberger Sportverein 1862 erfährt Sabine Rackel, dass sich die Menschen heutzutage noch lange nicht alt fühlen, sobald sie das Rentenalter erreicht haben: Die älteste Teilnehmerin in ihrer Frauensportgruppe blickt bereits auf 80 Lebensjahre zurück. Darüber hinaus vermelden Mediziner stets neue Fortschritte: Noch vor nicht allzu langer Zeit wäre es für 70-Jährige nahezu undenkbar gewesen, sich die Hüfte operieren zu lassen.

Den Körper in Maßen zu fordern, statt ihn nur noch zu schonen – auf dieses Rezept setzen die Fachleute des Spremberger Pflegestammtisches, den Seniorenheim-Chefin Sabine Baumgarten organisiert. Im September hatte sie die Sozialpädagogin Anja Gehrke Huy zu einem Vortrag in das Kanu-Bootshaus an der Spree eingeladen. Die Expertin berichtete dort, dass regelmäßige Bewegung auch nach einem Sturz die beste Vorsorge bilde: In Folge eines solchen Unfalls könne es sonst passieren, dass sich innerhalb von zwei Wochen mehr als 30 Prozent der Muskeln zurückbilden.

So lernen auch die Besucher der Tagespflege in der Weskower Allee mithilfe von Rehabilitationssport, dass sich leichte Anstrengung lohnen kann. Trainerin Yvonne sagt: „Heute wird hart gearbeitet.“ Rechte Schulter zum Ohr, linke Schulter zum Ohr. „Wir kriegen das schon hin, jeder macht mit, so gut es geht.“

LR vor Ort 4c
LR vor Ort 4c FOTO: LR