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| 18:00 Uhr

Grabensystem Wadelsdorf
Wasserbehörde prüft Rechtmäßigkeit einer Regenwasserleitung

 Hier hat die Spezialfirma ihre Kamerafahrt durch die Rohrleitung entlang der Wadelsdorfer Dorfstraße gestartet. Sie endete an der Tannenwurzel.
Hier hat die Spezialfirma ihre Kamerafahrt durch die Rohrleitung entlang der Wadelsdorfer Dorfstraße gestartet. Sie endete an der Tannenwurzel. FOTO: LR / Annett Igel-Allzeit
Wadelsdorf. Bei Starkregen muss der Wadelsdorfer Gotthard Lehnigk oft zur Pumpe greifen, da sonst sein Grundstück voll laufen würde. Die Ursache ist bekannt. Die untere Wasserbehörde prüft jetzt die Rechtmäßigkeit. Von Annett Igel-Allzeit

Die Tranitz liegt im Spremberger Ortsteil Wadelsdorf gerade trocken wie die Wadelsdorfer Teiche. Auch durch die Rohrleitung entlang der Wadelsdorfer Dorfstraße muss derzeit kein Starkregen abfließen. Aber Gotthard Lehnigk ist trotzdem besorgt. Mehrere hundert Euro hat er schon ausgegeben, um das Stück Rohrleitung, was das Wasser von den Grundstücken abführen soll, prüfen zu lassen. Was da vom Anfang der Wadelsdorfer Dorfstraße ab der Klein Loitzer Straße bei Starkregen kommt, schaffte es nicht mehr durch die Leitung. „Es fließt alles auf mein Grundstück und wir müssen dann pumpen“, sagt Gotthard Lehnigk. Seine Vermutung, dass das Rohr in Höhe des Nachbargrundstücks verstopft ist, habe die Firma, die die Durchlässigkeit des Rohres auf seine Kosten prüfte, bestätigt. „Die Tanne, die vorm Nachbarhaus steht, muss die Leitung mit ihrem Wurzelwerk zugesetzt haben“, so Gotthard Lehnigk. Er habe schon versucht, mit dem Nachbarn über die Tanne zu sprechen. Doch fällen wolle der den Baum nicht.

Baumwurzeln richten oft Schäden an

„Grundsätzlich können Baumwurzeln signifikante Schäden an unterirdischen Leitungen und Kanälen verursachen“, bestätigt Matthias Händler von der Pressestelle der Kreisverwaltung nach Rücksprache mit der unteren Wasserbehörde. „Es liegt im Interesse des jeweiligen Betreibers, das Schadensrisiko für Leitungen und Kanäle durch eine sach- und fachgerechte Planung zu minimieren.“

Doch wie sach- und fachgerecht diese Leitung einst geplant wurde, ist nicht mehr nachzuvollziehen. Es soll sich laut unterer Wasserbehörde um eine privat errichtete Rohrleitung handeln. Sie sammelt das Regenwasser von den angeschlossenen Grundstücken und leitet es nahe der Wadelsdorfer Teiche in die Tranitz ab. Bereits im April zur Gewässerschau des Gewässerverbandes Spree-Neiße für den Bereich Spremberg, hatte der damalige Ortsvorsteher Gerd Piater im Namen betroffener Anlieger das Problem in der Wadelsdorfer Dorfstraße angesprochen. Aufgrund der bindigen Böden, so Gerd Piater, der viele Jahre Ortsvorsteher in Wadelsdorf war, sei eine Versickerung des Regenwassers auf den Privatgrundstücken kaum möglich. Deshalb würden die Anlieger ihre Dach- und Hofentwässerung über Drainagen in diese Rohrleitung fließen lassen.

Anlieger bleiben oft auf Reperaturkosten sitzen

Dass es immer wieder zu Einwurzelungen kommt, ist bekannt. Die Spezialfirmen können sie beseitigen. Doch die Kosten bleiben bei den Anliegern. Deshalb wollte Piater wissen, wer für den Kanal grundsätzlich zuständig sei. Laut unterer Wasserbehörde sei die Rohrleitung weder der Stadt Spremberg noch ihnen als Behörde des Landkreises Spree-Neiße angezeigt. „Sie ist auch definitiv kein Graben“, wie Händler betont, „sondern eine Leitung.  Und ihre Rechmäßigkeit prüfen wir jetzt.“

Grundsätzlich gelte, dass das Niederschlagswasser gemäß Paragraf 54 Absatz 4 des Brandenburgischen Wassergesetzes ortsnah zu versickern ist – soweit das Grundwasser dadurch nicht verunreinigt wird und sonstige Belange dem nicht entgegenstehen, erklärt Matthias Händler. Das sei nicht nur die kostensparendste Variante, sondern auch umweltfreundlich. Deshalb seien auch die Grundstückseigentümer der Wadelsdorfer Dorfstraße dazu angehalten, das anfallende Niederschlagswasser auf ihren Grundstücken zu versickern. „Das trägt zur Stützung des Grundwasserhaushaltes bei und verbessert die Bodenqualität“, so Händler. Doch er versichert, dass dann, wenn die Versickerung auf den Grundstücken tatsächlich nicht möglich ist, die Stadt Spremberg zu einer ordnungsgemäßen Beseitigung des Niederschlagswassers gemäß Paragraf 66 Absatz 1 des Brandenburgischen Wassergesetzes verpflichtet wäre. Dabei sei dann zu prüfen zum Betrieb eines Regenwasserkanals mit der Ableitung in die Tranitz auch Alternativen gebe. „Zum Beispiel Sickerschächte“, nennt Händler ein Beispiel. Derzeit allerdings wird dieses Regenwasser ganz ohne wasserrechtliche Erlaubnis in die Tranitz eingeleitet.

Weiterer Zufluss der Tranitz beschäftigt Wasserbehörde

Aber auch ein weiterer „Zufluss“ zur Tranitz in Wadelsdorf beschäftigt die untere Wasserbehörde. Am Radlerweg, der ebenfalls von der Klein Loitzer Straße abgeht, verläuft ein zunächst offener Graben über ein Grundstück, das ein neuer Eigentümer bebauen will. Doch während auf seinen Katasterunterlagen der Graben an seiner Grundstücksgrenze als Nutzungsart eingezeichnet ist und er vom Gewässerverband und der Unteren Wasserbehörde wissen möchte, wie er sich richtig verhält, fehle dieses Muldenprofil auf dem aktuellen Kataster der Behörde und sei auch nicht auf alten Meliorationskarten eingetragen, teilt der Gewässerverband mit.

Und das Regenwasser der Kreisstraße laufe seit ihrem Ausbau auf der anderen Straßenseite über eine separate Sammelleitung in Richtung „Heidegraben“ ab. Doch die scheint bei stärkerem Regen und in der Hanglage nicht auszureichen: Das Wasser fließt unter anderem in den Graben und durch das Dorf in Richtung Tranitz. Doch der ist in seinem Verlauf kaum nachvollziehbar, sondern von Schuppen und Zäunen überbaut. Zuständig ist der Gewäserverband hier nicht. Zum Glück – denn er setzt auf offene und naturnahe Gräben. Also versucht die untere Wasserbehörde hier nach Unterlagen für den Graben zu suchen, zum Beispiel in den Karten zum Ausbau der Kreisstraße. Die Experten nennen solche Mulden und Gräben und Abflüsse, die aus Sicht der Anlieger durchaus ihren Sinn haben, auch „Bürgermeisterkanäle“.

 Hier hat die Spezialfirma ihre Kamerafahrt durch die Rohrleitung entlang der Wadelsdorfer Dorfstraße gestartet. Sie endete an der Tannenwurzel.
Hier hat die Spezialfirma ihre Kamerafahrt durch die Rohrleitung entlang der Wadelsdorfer Dorfstraße gestartet. Sie endete an der Tannenwurzel. FOTO: LR / Annett Igel-Allzeit