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| 01:00 Uhr

Wacklige Knie bei Einblicken ins künftige Arbeitsleben

Im Rahmen des brandenburgischen Modellprojekt „Praxislernen“ stiegen die Schüler der Berufsorientierenden Oberschule Spremberg bei einer Projektwoche aufs Dach des Lausitzer Reviers. Zum Thema „Braunkohle verändert die Region“ lernten sie neue Berufsbilder kennen und sammelten viele Informationen für ihre anstehende Facharbeit. Von Lysann Schulze

„Glück auf!“ , hieß es kürzlich für die Spremberger Schüler der Berufsorientierenden Oberschule. In ihrer „Praxislernen“ -Projektwoche zum Thema „Braunkohle verändert die Region“ waren sie Gäste der alten Brikettfabrik Knappenrode.
Die Sonne strahlte, aber die Schüler froren trotzdem, als sie hörten, dass sie auf das alte Fabrikdach steigen sollten. Ein mulmiges Gefühl überkam sie, als sich die verrostete Tür öffnete. Es klang quietschig, so als würden Fingernägel an der Tafel entlang kratzen.
Als die Jugendlichen die Treppe zum Dach emporstiegen, schien ihnen die Zeit kaum zu vergehen. Die mindestens 120 Stufen, wirkten mickrig. Als die jungen Spremberger nach längerer Zeit endlich oben ankommen waren, sind Lindas erste Worte: „Ich will hier wieder runter!“ Diesen Spruch wollten wohl die meisten schreien. Doch sie waren sprachlos, als sie auf diese faszinierende Landschaft von oben blickten.
Am meisten beeindruckte das Gelände, das von oben wie ein Labyrinth wirkte. Dann ging es endlich wieder eine Etage tiefer. Die meisten Schüler fühlten sich gleich ein bisschen wohler, aber die Knie „bibberten“ immer noch. Dieser Geruch, der auf der Fabrik lag, schien teilweise unerträglich. Es roch nach Staub und Dreck. Und manchmal mischte sich darunter ein öliger Geruch wie in einer Autowerkstatt.
Vor dem inneren Augen hatten sich plötzlich einstige Fabrikarbeiter wie auf einer Leinwand positioniert. Die Schüler glaubten fast, ihre Stimmen zu hören. Sie schienen zu schreien: „Guck nicht so dumm, pack lieber mal mit an!“
Doch der Traumfilm riss, als dieses „Knacksen“ zu hören war. Es klang wie ein Stück Holz, dass auf den Boden fällt. Oder war es doch das „Knacksen“ der Knie? Was für ein schrecklicher Gedanke. Als die Schüler endlich unten angekommen waren, verzogen sich viele Mundwinkel wieder zu einem Lächeln. Dann ging's in den schönsten Raum der Fabrik: die Ofenhalle. Als jemand die Tür öffnete, wussten die Schüler erst nicht, wo sie zuerst hinschauen sollten. Diese glänzenden und wunderschönen Öfen schienen die Spremberger anzuschauen.
Plötzlich stand er da: Dieser Ofen war ein Traum. Er schimmerte grün und war königlich verziert. Kein Wunder, dass sich in diesem Raum die meisten wohl und geborgen fühlten.
Alle waren gespannt, wie die Projektwoche weiter gehen sollte. Am nächsten Tag stand ihnen eine weitere Besteigung des Lausitzer Reviers bevor: Die Berge von „Klein Skandinavien“ im Findlingspark Nochten.

Hintergrund „Praxislernen“
 Seit Beginn des Schuljahres 2003/04 gibt es an Brandenburger Schulen das Modellprojekt „Praxislernen“ , das Berufsorientierung, praktische Erfahrungen und schulisches Lernen miteinander verbinden möchte. Nicht nur die Schule soll Lernort sein, sondern auch das Büro und die Werkhalle in Betrieben der Wirtschaft. Selbständigkeit und der Glaube an die eigenen Fähigkeiten sollen so gefördert werden. Die Berufsorientierenden Oberschule Spremberg macht seit diesem Schuljahr beim „Praxislernen“ mit.