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Vorwürfe gegen das Schulamt

Um die Fische aus der braunen Spree zu retten, haben die Siebt- und Achtklässler der Georgenbergschule ihnen ein Hotel gemalt.
Um die Fische aus der braunen Spree zu retten, haben die Siebt- und Achtklässler der Georgenbergschule ihnen ein Hotel gemalt. FOTO: Annett Igel-Allzeit
Spremberg. Die Hoffnung auf die Rettung der Förderschule auf dem Georgenberg ist winzig. Aber die Spremberger Stadtverordneten kämpfen jetzt mit. Annett Igel-Allzeit

Die Nachricht, dass die Schule mit dem Förderschwerpunkt Lernen zum Schuljahresende ausläuft, hatte viele überrascht. Als Zweigstelle der Berufsorientierenden Oberschule Spremberg (BOS) wird sie so lange offen bleiben, dass die Siebt- und Achtklässler in der gewohnten Umgebung ihren Abschluss machen können. Schulleiterin Sylvia Pfeiffer ist froh, wenigstens das geschafft zu haben. Für die letzten Jahre in die BOS wechseln zu müssen, wäre schwierig für die Jungen und Mädchen.

Mit Manuela Majunke und Adelheid Rajewski nutzten am Mittwoch zwei Mütter die Einwohnerfragestunde der Stadtverordnetenversammlung, um zu schildern, wie schwer es Eltern haben, die richtige Schule für ihre Kinder mit einem Förderbedarf zu finden. Adelheid Rajewski hatte ihre Tochter Ines mitgebracht. Sie gehört als Siebtklässlerinnen zu den letzten Georgenbergschülern - und wagte sich auch ans Mikrofon, um den Schulhof zu loben und den Stadtverordneten zu erklären, dass es auch an ihrer Schule strenge und liebe Lehrer gebe. Die jüngeren Geschwister von Ines haben es nicht so gut getroffen. Sohnemann gilt, so Adelheid Rajewski, als kleiner Einzelgänger in der Grundschule, weil er nicht alles so schnell kann. "Einen Freund zu finden, ist schwer für ihn", weiß die Mutter. Ihre jüngste Tochter wiederum wurde in die Förderschule "Geistige Entwicklung" im Wiesenweg eingeschult. Adelheid Rajewski hätte ihr gern die Chance gegeben, es auf dem Georgenberg zu versuchen. "Wir sind langsam, aber nicht dumm", erklärt sie. Manuela Majunke ist auf der Suche nach der besten Schule für ihre sechsjährigen Zwillinge Max und Moritz. "Wir hatten schon Plätze für sie in der Förderschule in Hoyerswerda. Aber weil uns keiner die Fahrtkosten fürs Schultaxi abnimmt, schaffen wir das finanziell nicht. Nun sind Max und Moritz in der Kollerberggrundschule angemeldet." Die Mutter hofft, dass aus zwei ersten Klassen noch drei werden. "Aber auch dann liegt die Mindestklassenstärke bei 21 Kindern."

Wie der Bildungsausschuss des Kreistages, der sich im April einstimmig gegen die Schließung der Georgenbergschule in Spremberg ausgesprochen hatte, stimmen Sprembergs Stadtverordnete einstimmig für die Fortführung des Schulbetriebes. In ihrem Beschluss fordern sie das Staatliche Schulamt auf, den Eltern und Kindern das im brandenburgischen Schulgesetz verankerte Wahlrecht einzuräumen. In transparenten Verfahren soll auf alle im Schulgesetz vorgesehenen Möglichkeiten der Beschulung hingewiesen werden. Das, so werfen es Abgeordnete quer durch die Fraktionen dem Staatlichen Schulamt vor, sei in den vergangenen Jahren nicht passiert.

Das Schulamt hatte den Landkreis als Träger der Georgen bergschule im Januar gebeten, "die notwendigen kommunalen Beschlüsse zur Auflösung der Schule" herbeizuführen. Begründet hatte das Schulamt das damit, dass nun zu wenig Schüler die Schule besuchen. Ab Jahrgangsstufe 3 müssten mindestens vier aufsteigende Klassen zu bilden sein. Aber dass das auf dem Georgenberg nicht mehr gewährleistet ist, habe das Schulamt selbst herbeigeführt, beklagen die Stadtverordneten. Eltern sei suggeriert worden, dass eine Beschulung an den Schulen mit dem Förderschwerpunkt Lernen nicht mehr möglich und der Schultyp bald abgeschafft sei, so Raik Nowka (CDU). Er hätte sich gewünscht, dass Eltern viel eher auf die Abgeordneten zugekommen wären. Klaus-Dieter Peters (Vereinte Wählergruppen): "Wir müssen noch wachsamer sein. Es ist eine absolute Frechheit, wie hier mit Menschen umgegangen wurde, die sich noch weniger wehren können."

Benny Stobinski (Die nächste Generation) fordert, dass sich Sprembergs Bildungsausschuss schnell und intensiv mit dem Erweiterungsbau und der Entwicklung der BOS zum Schulzentrum beschäftigt. Ähnlich denkt Frank Kulik, stellvertretender Bürgermeister. Er lobte das Leistungspotenzial in der Georgenbergschule: "Hier werden gute Menschen, gute Handwerker erzogen. Es wäre besser für alle Seiten, wenn diese Schule so lange besteht, bis wir die Rahmenbedingungen für die Inklusion an der BOS haben."