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| 16:41 Uhr

Urteil nach monatelangem Prozess
Landgericht lehnt Klinik-Zwang ab

Cottbus/Spremberg. Vorsätzliche Körperverletzung bei psychisch krankem Spremberger nicht nachgewiesen. Von René Wappler

Das Cottbuser Landgericht hat am Mittwoch den Antrag abgelehnt, einen psychisch kranken Mann aus Spremberg zwangsweise in einem Fachkrankenhaus unterzubringen. Damit findet ein Prozess zu seinem Ende, von dem sich viele Einwohner der Stadt betroffen sehen. Sie erklärten in den vergangenen Monaten als Zeugen vor Gericht, sie fühlten sich von dem 34-jährigen Beschuldigten terrorisiert.

Das Gericht stützt sich in seinem Urteil auf die Analyse des Gutachters. Psychiater Thomas Winkler hatte im Februar die Prognose gestellt, von dem Erkrankten seien keine Straftaten zu erwarten, die einen Freiheitsentzug in einem Krankenhaus gemäß Paragraf 63 des Strafgesetzbuches rechtfertigen. Dieser Paragraf kommt laut Gesetz nur bei Straftaten in Frage, „durch welche die Opfer seelisch oder körperlich erheblich geschädigt oder erheblich gefährdet werden oder schwerer wirtschaftlicher Schaden angerichtet wird“.

Zwar ging der Vorsitzende Richter am Mittwoch in seinem Urteil auf die Lage der Zeugen ein. So erkannte er die „problematische Situation“ einer Familie aus Spremberg an. Ihr Grundstück hatte der Beschuldigte demnach immer wieder attackiert, unter anderem mit Farbe und Unrat. Ihre Scheiben hatte er eingeschlagen, woraufhin die Bewohner ein Weihnachtsfest nach eigener Aussage nur noch hinter verbarrikadierten Fenstern und Türen feiern konnten. Eine Frau aus der Familie sagte: „Er hat unser Leben zerstört.“

Doch eine vorsätzliche Körperverletzung ist nach den Worten des Richters auch in anderen Fällen des Prozesses nicht nachgewiesen. In Bezug auf die verhandelten Delikte habe der Gutachter festgestellt, dass der Mann schuldunfähig sei. Gerade die Straftaten im Zusammenhang mit der Spremberger Familie seien seiner schizophrenen Erkrankung und seinem Verfolgungswahn entsprungen. Dazu hatte der Gutachter erklärt: „Sein zentraler Wahn lautet, dass er glaubt, von einem Arzt des Spremberger Krankenhauses verfolgt zu werden.“ So fürchte der 34-Jährige, dass ihn der Mediziner unter Zwang operieren und ihm seinen freien Willen rauben wolle. Zwar lebt der Arzt inzwischen nicht mehr. Doch das Wahnbild des Beschuldigten lässt sich davon laut Aussage des Gutachters nicht eindämmen.

Die Kammer des Landgerichts äußert nun „die Hoffnung, dass die Problematik sowohl dem Betreuer als auch dem Betroffenen klar wird“. Der Spremberger werde jetzt für längere Zeit in einer Spezialklinik behandelt, „um sich dann wieder in die Gesellschaft zu integrieren“, wie der Vorsitzende Richter anmerkte. Die Kosten des Verfahrens werden der Staatskasse auferlegt.