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| 19:34 Uhr

Kakteenausstellung Spremberg
Kaktus in der Suppenschüssel

 Schon im Kindergarten seiner Kakteensammlung findet Harald Köppen solche Blüten.
Schon im Kindergarten seiner Kakteensammlung findet Harald Köppen solche Blüten. FOTO: LR / Annett Igel-Allzeit
Spremberg. Vor der Kakteenausstellung auf der Freilichtbühne sichtet Harald Köppen seine Vorzeigeexemplare. Von Annett Igel-Allzeit

Ziehen in diesem Jahr die Tomaten oder die Gurken ins Gewächshaus? Der Spremberger Harald Köppen lacht. Gemüse hat in seinen Gewächshäusern keine Chance. In den Regalen, auf und unter den Pflanztischen, in rustikalen Töpfen, zarten Saucieren. Glasschalen und Suppenterrinen wachsen Kakteen. Etwas über 20 Jahre, so erinnert sich Harald Köppen, sei er alt gewesen, als er den ersten Kaktus erstand: ein Notocactus  Parodia ottonis, buchstabiert er. Die große strahlende  Blüte hatte ihn fasziniert. Das zweite Gewächs auf seinem Fensterbrett war eine Mammillaria: „Die Blüten sind kleiner, aber in einem Kranz angeordnet“, sagt er und sucht ein Exemplar mit ersten Knospen.

Viele Jahre war Harald Köppen auf Montage. Das Faible für besondere Pflanzen blieb zwar: Vor seinem Haus gedeiht seit etwa 20 Jahren auf einer geschütteten Fläche die Araucaria Araucana, eine chilenische Schmucktanne.  Aber viel Zeit für seine Pflanzen hatte der Bauleiter nicht. Als Harald Köppen vor sechs Jahren einfiel, dass ihm im Ruhestand schrecklich langweilig werden könnte, schaute er sich seine Kakteen, die den Pflegenotstand überlebt hatten, an und begann Samen zu sammeln. „Besonders geholfen hat mir mein Dolmetscher“, erzählt Koeppen, „in den zwölf Jahren, in denen ich auf den Baustellen in Japan unterwegs war, sind wir richtige Freunde geworden. Ich habe nie Japanisch gelernt, bin nicht sprachbegabt und kam gut mit meinem Englisch zurecht. Aber bei der Samensuche wäre ich ohne meinen Dolmetscher hilflos gewesen.“

Jetzt, im Ruhestand, setzt Harald Köppen die Samen zahlreich und geordnet. Über einigen Kinderstuben hängen die Fotos von herrlichen Blüten: die Zielvorgaben. Er hält die Sämlinge in Kästen zusammen, bis sie stark genug sind. Dann teilt er sie auf für neue Licht- und Temperatur-Verhältnisse, für  unterschiedliche Standorte. Mit jedem Experiment wachsen Köppens Erfahrungen, die er an andere Kakteenzüchter weitergibt.

Dass er immer mehr Platz braucht, macht ihn mutig. Ärger mit der Ehefrau gibt es deshalb nicht, er hat sie längst angesteckt mit seinem Tick für Pflanzen und Suppenterrinen. Über den Gartenzaun zu gucken, ist bei Köppens im Brigittenweg ausdrücklich erlaubt. Jetzt im Frühjahr hatte er schon zweimal einen Tisch raus gestellt und ihn mit blühenden Kakteen voll gestellt – zum kostenlosen Mitnehmen. Zudem hat er im Vorjahr neben der Chilenischen Tanne ein Freilandbeet für winterharte Kakteen angelegt. „Es gibt Kakteen, die bis zu minus 25 Grad Celsius Kälte aushalten. Schnee schadet ihnen nicht, sondern wärmt sie. Nur nasse Füße dürfen die Kakteen nicht haben“, so der Spremberger. Er hat Drainagen eingesetzt und mit Substrat einen Untergrund geschaffen, der das Regen- und Schmelzwasser schnell abfließen lässt. Von Oktober bis März hinein schützt zudem eine Dachkonstruktion die Freiland­kakteen. „Den ersten Winter haben alle überlebt. Jetzt richten sie ihre Knospen in die Sonne“, so Köppen. In zwei, drei Wochen werden die Spaziergänger staunen.

Und mit ihren Blicken an pinkfarbenen Plastik-Deckeln hängen bleiben? Köppen nickt: „Das ist ein weiteres Experiment. Ich habe Plastikflaschen in das Sediment des Vorgartens geschoben. Und ich hoffe, dass Hummeln einziehen und ein Nest darin bauen, wenn ich die Deckel abdrehe.“ Die kleinen Spinnmilben, die Löcher in die Kakteenhaut stechen, bekämpft er mit größeren Milben. Wie die ein bis zwei Millimeter großen Raubmilben die kleinen Spinnmilben verputzen, hat Köppen auch im Freiland beobachtet. „Frische Luft tut immer gut. Mit der Samenpumpe habe ich draußen ein Gläschen voll Raubmilben abgesaugt. Fürs Einsammeln sind sie zu leicht und zu schnell – und sie ins Gewächshaus umgesetzt. Sind die Spinnmilben verputzt, ziehen auch die Raubmilben wieder raus in andere Jagdreviere.“