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| 02:37 Uhr

Von-Woyski-Kunst in Trattendorf?

Zwischen Straßenbäumen und verwaistem Parkplatz steht ein Kunstwerk in Trattendorf.
Zwischen Straßenbäumen und verwaistem Parkplatz steht ein Kunstwerk in Trattendorf. FOTO: Annett Igel-Allzeit
Spremberg. Sie hat ein Buch auf ihren Knien. Und die beiden Kinder, die links neben ihr sitzen, scheinen gespannt zu lauschen. Annett Igel-Allzeit

Auch ein langer Mann rechts widmet ihr seine ganze Aufmerksamkeit. Was die Lesende in der steinernen Figurengruppe da wohl vorträgt? Der ehemalige Schulstandort an der Kraftwerkstraße in Spremberg-Trattendorf wirkt verwaist. Der Landkreis Spree-Neiße benötigt derzeit weder das einstige Gymnasium Süd als Flüchtlingsheim noch die ehemalige Grundschule als Notunterkunft. Doch weil an den Straßenbäumen im Winter das Laub fehlt, bescheint die steinerne Figurengruppe am Parkplatz. Doritha Drews, die Sachgebietsleiterin für Hoch- und Tiefbau sowie Grün- und Friedhofswesen, erinnert sich, die Skulpturen schon einmal betrachtet zu haben. Hella Schmidt, die letzte Schulleiterin der Diesterweg-Grundschule lächelt, weil sie der Beschreibung von der Lesenden und Lauschenden aus der Erinnerung heraus noch gut folgen kann. Mit sechs ehemaligen Kollegen hat sie am Montag gesprochen.

Und auch Eckbert Kwast, der Fachleiter des Neiderlausitzer Heidemuseums, weist in Richtung Hoyerswerda. Kein Geringerer als der Bildhauer Jürgen von Woyski (1929 bis 2000) könnte einst diese kleine Gruppe für die Spremberger Schule geschaffen haben. Sicher ist das noch nicht. Kein Schildchen verweist auf ihn.

Im Herbst 1960 wurde der Grundstein für die Adolph-Diesterweg-Schule gelegt, 1962 startete der Schulbetrieb. Die Spremberger waren stolz auf das Gebäude - sie war die erste Schule in neuer Bauweise damals in der Stadt. Ob bereits zur Einweihung die Figurengruppe rechts vor dem Schulhaus ihren Platz fand, da sind sich die Kollegen um Hella Schmidt nicht ganz einig. 60 Zentimeter hoch ist der Backstein-Sockel, fast 1,30 Meter hoch und 1,40 Meter breit die Gruppe. Die schmale Front zur Straße zeigt zwei engagierte weibliche Figuren. Was sie über sich heben, hat die Witterung im Lauf der Jahrzehnte unkenntlich gemacht. Auf der zweiten Längsseite entdeckt der Betrachter andere Figuren - aber wieder mit einem Buch und aufmerksamen Gesichtern.

Angret Gläsel, die Vorsitzende des Vorstands der Jürgen von Woyski Stiftung, macht Hoffnung. Noch in dieser Woche kommen mehrere Mitglieder der Stiftung zusammen. Ihnen will Angret Gläsel das Foto vorlegen.