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| 01:07 Uhr

Von Geierswalde bis Sedlitz übern See

Sedlitz/Koschen.. Wer seine Jacht im wasserreichen Berliner Umland oder in einem Hafen der Mecklenburger Seenplatte „parkt“ , kann das Gefährt noch eine Weile dort lassen. Auch angehende Freizeitkapitäne haben noch eine Weile Zeit, Geld für ein paar solide Planken zu sparen. Von Manfred Feller

Denn die geplanten 14 Überleiter zwischen den sich füllenden Tagebaurestlöchern der Lausitzer Seen-kette sind nicht von heute auf morgen zu bauen. Der Barbarakanal zwischen dem Geierswalder und Partwitzer See steht seit fast 13 Monaten. Mitte September 2004 war Spatenstich für zwei weitere Verbindungsbauwerke - den Rosendorfer Kanal zwischen Sedlitzer und Partwitzer See und den Sornoer Kanal zwischen Sedlitzer und Geierswalder See. Noch etwas tiefer in Sachsen wird auch an der schiffbaren Verbindung vom Partwitzer zum Neuwieser See gearbeitet.
So lange die Endwasserstände aller Gewässer von 101 Meter über Normalnull nicht erreicht sind, werden die nach und nach fertigen Kanäle auch nicht ihre abschließende Funktion erfüllen. Nur dort, wo die Wasserhöhe erreicht ist, können die Wehre zurückgebaut werden. Dann sind die Kanäle ohne Hindernis schiffbar. „Die Querbauwerke dienen der Flutung und der Qualitätssteuerung des Wassers“ , erläutert Michael Matthes, bei der LMBV Brandenburg verantwortlicher Projektmanager für den Südraum.
In den Tagebaurestseen fehlen noch „ein paar“ Kubikmeter Wasser. Der Geierswalder ist mit 99 Meter über NN am weitesten. Der Partwitzer gilt mit knapp 95 Meter über NN als halb voll. Mit noch weniger als 90 Meter über NN wird der Sedlitzer See dagegen als Pfütze angesehen.
Selbst wenn sich dort schon Jachten bewegen würden, nützen ihnen die fertigen, aber noch trockenen Wasserstraßen nichts. Denn deren Sohle liegt genau bei 97,5 Metern. „Bis alle Kanäle schiffbar sind, werden wohl noch zehn Jahre vergehen“ , meint Michael Matthes. Dann müssen die Restseen aber auch halbwegs nach Plan geflutet werden.
Platz haben in den Kanälen dann auch Fahrgastschiffe wie die „Santa Barbara“ vom Senftenberger See - und das sogar im Begegnungsverkehr. Die künstlichen Wasserstraßen haben eine Sohlbreite von vier Metern. An der Oberfläche werden es von einem Ufer zum anderen 34 Meter sein. Die Wassertiefe in der Mitte beträgt 3,5 Meter. Wer daraus die Maximalmaße für seine Jacht nicht ableiten kann, darf auf einer der Baustellen-Informationstafeln nachlesen: Die Schiffe dürfen höchstens 19,5 Meter lang und 4,80 Meter breit sein sowie 90 Zentimeter Tiefgang haben.
Nach dem 155 Meter langen Barbarakanal hat inzwischen auch der Sornoer Kanal sichtbar Form angenommen (siehe großes Foto). Zwischen dem Geierswalder und Sedlitzer See ist ein 1,25 Kilometern langer Einschnitt in die gewachsene Landschaft gebaggert worden. Die 300 000 Kubikmeter Erdmassen sind alle im Bereich der brandenburgisch-sächsischen Restlochkette verarbeitet worden. „Damit wurden Tieflagen und Böschungsbereiche aufgefüllt“ , erläutert LMBV-Manager Michael Matthes.
Der Sornoer Kanal soll wie der Rosendorfer Kanal spätestens im November dieses Jahres stehen. Bei letzterem waren am Auslauftrichter zum Sedlitzer See hin noch Tiefenverdichtungen notwendig, um das alte Bergbaugelände zu stabilisieren. Erst dann wird das Einschnittprofil geschaffen. Hierbei fallen 50 00 Kubikmeter Erdmassen an. Auch dafür gibt es in dem Alttagebaugebiet irgendwo eine Verwendung. Der Rosendorfer Kanal wird einmal 400 Meter lang sein.
Über ihn gelangt der Freizeitkapitän zwar in den Sedlitzer See, aber nicht weiter. Wird noch an einer schiffbaren Flutungsverbindung zum (nach wie vor trockenen) Ilse-See gearbeitet? Der Bergbauingenieur nickt: „Ja, daran wird geplant. Die Bedingungen erweisen sich aber als äußerst schwierig. Bekanntlich würde ein Kanal die Bahnlinie und die Bundesstraße kreuzen.“ Am einfachsten zu realisieren wäre deshalb ein etwa 200 Meter langer Tunnel. Laut Verwaltungsabkommen, das die Grundlage der Finanzierung ist, soll das Bauwerk wohl schon 2007 unterirdisch fertig vorangetrieben sein. Ob es tatsächlich so kommen wird, vermag der LMBV-Manager heute noch nicht zu sagen.