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| 17:12 Uhr

Spremberg
Von der Liebe zum Klärwerk-Berg

Die Freie Laufgruppe Spremberg trainiert auch bei Minustemperaturen. Die jüngsten Läufer sind zehn Jahre alt, die Ältesten deutlich über 60.
Die Freie Laufgruppe Spremberg trainiert auch bei Minustemperaturen. Die jüngsten Läufer sind zehn Jahre alt, die Ältesten deutlich über 60. FOTO: Annett Igel-Allzeit / LR
Spremberg. Die Freie Laufgruppe Spremberg kann sich über ihre Erfolge im Jahr 2017 freuen.

Eine Schar Spatzen im Gebüsch am Pfortenplatz fliegt erschrocken auf. Die Freie Laufgruppe Spremberg kommt mit ein paar motivierenden Sprüchen schnell in die Gänge. Auf dem Steg über die Kleine Spree zum Radwanderweg ist es bei den Temperaturen um null Grad glatt. Weiß tanzt der Atem vor ihren Nasen. Noch rennen Otto und Ina, mit zehn Lenzen die jüngsten Aktiven unter den Laufbegeisterten, vorneweg. Aber schon wenn die Kleine Spree in den Hauptspree fließt, hat sich die Gruppe in Grüppchen geteilt. Jeder läuft in seinem Tempo.

Sie sind im Sommer wie im Winter unterwegs, überwinden sich  bei Regen, genießen den Schnee. Bei den niedrigen Temperaturen jetzt hilft der Zwiebel-Look mit mindestens drei Oberteilen, erzählen die Läuferinnen. Notfalls werden die Strümpfe unter den Laufhosen bis weit über die Knie gezogen. Nur mit den Mützen haben es die Damen nicht so.

Detlef Hoffmann zieht den Reißverschluss der himmelblauen FLG-Jacke zu bis unters Kinn. „Als die laufsportbegeisterte Spremberger Familie Sonntag sich noch einmal verändern wollte und in die Schweiz umzog, habe ich die Leitung der Gruppe übernommen“, erzählt Detlef Hoffmann. Seit ein paar Jahren lebt er in Spremberg, stammt allerdings aus Hoyerswerda und ist als Läufer in der Lausitz ziemlich bekannt: Denn mit seiner 5009. Knappennensee-Umrundung hatte der einstige Leistungssportler am 21. September 2013 die Erdumrundung geschafft. Dazu musste er 35 Jahre 40 076 Kilometer laufen und das auch aufschreiben.

Wie Hoffmann kommt der Großteil der Läuferinnen und Läufer   aus der Stadt Spremberg. Aber auch eine junge Cottbuserin läuft mit und auch Herren aus Bohsdorf und Hornow sind dabei.

Der zehnjährige Otto Scheetz ist jetzt zum Jahresende ziemlich stolz darauf, dass er das ganze Jahr durchgehalten hat. Beim Sparkassen-Cup konnte er sich seine ersten 16 Punkte sichern.  Wie die Altersgefährtin Ina Pohl ist auch Otto mit seinen Eltern in die Laufgruppe gekommen. „Die ersten Male, das war noch 2016, habe ich nur zugeschaut, aber jetzt geht das schon ganz gut“, erzählt der Zehnjährige. Er trainiert sonst bei den Spremberger Kanuten der SG Einheit. Und dort werde neben dem Paddeln auch Wert auf Athletik, Gewandtheit und Ausdauer gelegt. „Da hilft mir das mit dem Laufen schon“, sagt er.

Das die FLG Spremberg in diesem Jahr nicht unter den besten Teams im Sparkassen-Cup zu finden ist, kann nur daran liegen, dass nicht alle „Renn-Tiere“, wie die Läufer scherzhaft ihre Besten nennen, in mindestens vier der acht Läufe gestartet sind. Sowohl Elke Franke als auch Manuela Lenk, Anja Wolf, und Günter Laatz konnten in ihren Altersklassen in der Einzelwertung jeweils einen  Gesamtsieg erlaufen. Auch Rudolf Buchan und Carsten Scheetz erreichte mit dem zweiten Platz in ihrer Einzelgesamtwertung Beachtliches.

Rudolf Buchan hat schon 13 Marathons hinter sich – natürlich in Berlin, aber auch in Österreich. Von New York träumt er noch. „Aber jetzt wollen meine Frau und ich erst einmal durch Europa, mal schauen, welche Läufe es da alles noch zu entdecken gibt“, so der 63-Jährige.

Edgar Kleemann allerdings, mit 66 Lenzen der Älteste Läufer der FLG Spremberg, findet Marathonläufe aber nicht erstrebenswert. „Nein, das muss ich mir nicht antun. Da reichen mir acht Kilometer.“ Allerdings haben sich jetzt mehrere Läuferinnen für 2018 vorgenommen, in Berlin endlich doch mal einen Marathon durchzustehen.

Viele der 20 FLG-Läufer traineren neben dem gemeinsamen Start am Samstag auch noch unter der Woche. Wer Laufpläne braucht, um an Tempo zulegen zu können, bekommt sie. „Wichtig ist aber immer, die Leute dort abzuholen, wie sie läuferisch stehen“, sagt Detlef Hoffmann. Anfänger seien immer willkommen. „Wir haben hier Läufer für jedes Tempo“, sagt Detlef Hoffmann.

Mit einer kleinen Hassliebe verbindet sie der Spremberger Klärwerk-Berg. Die Steigung zehn Mal hochzusprinten ist eine anspruchsvolle Aufgabe für alle, die im Niederlausitz-Cup oder beim Fürst-Pückler-Lauf in der Platzierung weiter nach vorn wollen. Dass es am Klärwerk oft deftig riecht, sei nicht schlimm. Das genau mache ja schneller.