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Vom Überfall bleiben die Schmerzen

Seit dem Angriff vor seiner Kneipe quälen Wolfgang Schabeck gesundheitliche Probleme.
Seit dem Angriff vor seiner Kneipe quälen Wolfgang Schabeck gesundheitliche Probleme. FOTO: René Wappler
Welzow. Jugendliche haben einen 76-jährigen Mann zusammengeschlagen: Der Wirt der Welzower Kumpelklause ist seit dem Überfall vor einer Woche krankgeschrieben. Er sagt: "Ich kann nicht kauen und nicht richtig Luft holen. René Wappler

"

Direkt vor dem Eingang der Kneipe ist es passiert, wo die Spremberger Straße vorbeiführt und immer wieder Leute stehen bleiben, um sich nach dem Befinden von Wolfgang Schabeck zu erkundigen. Der Gastwirt steht vor der Tür und unterhält sich mit einem Rentner aus Welzow.

"Schmerzt es im Kreuz, oder was?", fragt ihn der Bekannte.

"Im Brustbereich vor allem", sagt der Gastwirt. "Stehen klappt, aber wenn ich liege, tut alles weh, und drehen kann ich mich auch nicht."

Der Passant sagt: "Dann wünsche ich, dass es bald besser wird."

Gegen 23 Uhr stand die Gruppe junger Männer am vergangenen Sonnabend vor der Tür der Kumpelklause, einfach nur auf Ärger aus, aggressiv und betrunken. So berichten es Augenzeugen, so erinnert sich auch Wolfgang Schabeck. Die Horde griff demnach zunächst einen Mann an, der an der Straße auf seinem defekten Moped saß und es reparieren wollte.

In der Kneipe kümmerten sich Wolfgang Schabeck und seine Frau unterdessen um die Gäste einer Geburtstagsfeier. Eine Besucherin ging vor die Tür, da sie die jungen Leute um etwas Ruhe bitten wollte. Doch die pöbelten weiter.

Also beschloss Wolfgang Schabeck einzuschreiten. Ärger vor seiner Kneipe - das wollte er nicht dulden. "Die kippten das Moped um", erzählt er, "und die Frau fragte sie, ob sie nicht wissen, wie man sich vernünftig benimmt. Ich kam dazu, noch mein Tablett in der Hand, und ich stellte die Leute zur Rede: Was soll das alles?"

Dann schlug ihm einer aus der Gruppe auf die Brust. Er taumelte, stürzte, fiel auf die Treppe. Noch in der Nacht kam er in die Notaufnahme des Krankenhauses, wie ein Gast der Feier, den die Täter ebenfalls angriffen.

Seitdem ist Wolfgang Schabeck krankgeschrieben. Für ihn bedeutet dies auch, dass Einnahmen wegbrechen. Seit dem Ende der DDR betreibt er die Gaststätte in Welzow, unterstützt von seiner Frau, und es ist das erste Mal, dass er verprügelt wurde.

Mit 76 Jahren.

Immerhin riefen Gäste der Geburtstagsparty telefonisch Beistand herbei. Es dauerte nicht lange, bis sich weitere junge Leute vor der Kneipe versammelt hatten, um die betrunkenen Pöbler in Schach zu halten. Sonst, sagt der Gastwirt, wäre die Sache noch schlimmer ausgegangen. So sei es den Polizeibeamten später auch gelungen, die Personalien mehrerer Angreifer aufzuschreiben - von denen zwei aus Welzow stammen sollen, andere aus der Cottbuser Region.

Jeden Mensch können solche Straftaten treffen, ob er nun jung ist oder Rentner: Das sagt der Außenstellenleiter vom Weißen Ring im Spree-Neiße-Kreis, Lothar Pohle. Die Organisation betreut Kriminalitätsopfer, vermittelt ihnen Rechtsbeistand und psychologische Hilfe. Um 27 Fälle kümmerte sich der Weiße Ring im Landkreis seit Beginn des Jahres 2016. Einer davon war ein Mordversuch, sieben Körperverletzungen, sieben Sexualstraftaten, neun Eigentumsdelikte.

Auch der Gastwirt aus Welzow denkt nun darüber nach, ob er sich an den Weißen Ring wendet.

Opfer von Straftaten können Lothar Pohle vom Weißen Ring unter Telefon 0151 55164708 erreichen.