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| 01:06 Uhr

Vom Lächeln zum Ich

Spremberg.. Es kam immer wieder und von mehreren Seiten. Drei Jahre hatte die Groß Lujaerin Andrea Ruhner mit sich gerungen, überlegt, das Für und Wider abgewägt und mit ihrer Familie besprochen. Zum Maifest 2004 ließ sie sich schließlich als eine Kandidatin der Spreenixen-Wahl in Spremberg aufstellen und wurde es. Nun geht sie schon wieder den letzten Monaten ihres Nixendaseins entgegen. Ihr Fazit: Ein Jahr lang für Spremberg die Spreenixe zu sein, macht viel Spaß. Sie kann diese Erfahrung nur jeder jungen Frau empfehlen. Von Annett Igel

Andrea Ruhner sah im Mai des vergangenen Jahres die Abschiedstränen ihrer Vorgängerin Tordis Struck. Sie musste mit ihren 176 Zentimetern Länge etwas in die Hocke gehen, als ihr die Nixenkrone aufgesetzt wurde. Während der Folklorelawine in Spremberg zeigte sie sich erstmals in ihrem neuen Nixenkleid. Sie überreichte Urkunden, die Siegertrophäe nach dem Abschluss des Schwimmmarathons im Rahmen des 20-jährigen Bestehens der Spremberger Schwimmhalle, durchschnitt Bänder. Sie traf sich mit den anderen Hoheiten des Landkreises - wie der Forster Rosenkönigin Madlen Henschke, Döberns Kristallprinzessin Bärbel Rockstein, Gubens Apfelköniginnen Katharina Fritzschka und Christiane Daubitz sowie der Peitzer Spreenixe Simone Kärgel - zu Festen und Messen. Was die 36-jährige Kindergärtnerin trotz aller Aufregung behielt, waren ihr natürliches Lächeln und ihre strahlenden Augen.
Außerdem - so schlimm sieht sie das mit dem Stress gar nicht. „Na ja, im Sommer waren es durchaus mal drei Termine an einem Wochenende. Der Oktober war der ruhigste Monat. Im November hatte ich drei Termine. Richtig fleißig wurde ich dann noch mal im Dezember. Und jetzt im Januar stehen die Messen im Terminkalender“ , zählt Andrea Ruhner auf, „entschädigt wird dieses Engagement aber schon damit, dass man so viele Leute kennen lernt.“
Und mit den tollen Erlebnissen. Gern erinnert sich Andrea Ruhner an das „Appelfest“ in Guben - „das war das bisher schönste Erlebnis. Wir wurden dort wirklich wie Hoheiten behandelt. Und das Rosengartenfest ist mir in schöner Erinnerung, weil wir uns da erstmals alle gesehen hatten.“ In Spremberg selbst war die Bootshauseröffnung eines der ersten schönen Erlebnisse - „da kam ich mit Kahn und Neptun“ .
Auch den Kindern der Integrationskita „Flax & Krümel“ gefiel es zunehmend, dass „ihre Andrea“ Sprembergs Spreenixe geworden war. Das Neptunfest der Einrichtung wurde im Jahr 2004 natürlich spontan zum Nixenfest umorganisiert. Und wenn die Erzieherin schon im Kindergarten vor einem Termin ins Nixen-Outfit schlüpfen muss, ist die kleine Ehrenrunde im schicken Kleid Ehrensache.
Apropos Kleid - insgesamt drei Nixenkostüme hat die derzeitige Spreenixe von Schneiderin Petra Höwt genäht bekommen: zwei Kleider für die üblichen Auftritte (um auch mal wechseln zu können) und dann ein Kostüm, das vor dem strengen Blick des Bademeisters besteht. Auch bei den Schuhen ließ sich Andrea Ruhner helfen und tauschte Erfahrungen mit den anderen Hoheiten aus. Was passt zum Kleid„ Könnte so ein Nixlein nicht auch wunderbar die modischen Flipflop-Sandalen tragen“ Für längere Strecken flache, nixenhaft bestickte Ballerinas„ Die Tipps, die ihr Frisörmeisterin Monika Groß gibt, nimmt sie auch mit fürs Leben: Wenn man erst am Nachmittag den Nixenauftritt hat, aber nur am Morgen noch Zeit ist, das Haar zu stylen, halten die Löckchen, wenn man sie bis zum Termin hochsteckt.
Aber so viele Termine innerhalb der Woche - für die auch der Arbeitgeber Verständnis aufbringen muss - sind es gar nicht. „Von ungefähr 35 Terminen, die ich bisher hatte, lagen etwa drei auf Tagen unter der Woche“ , so Andrea Ruhner. Bei ihr mit der Stadt als Arbeitgeber war das schon ein Glücksfall. Bei anderen Anwärterinnen könnte es da durchaus Probleme geben, „deshalb finde ich es wichtig, wenn die jungen Frauen, die sich der Nixenwahl stellen, vorher mit dem Arbeitgeber sprechen.“ So was könne auch positiv enden - mit Schützenhilfe nämlich. Und die Familie mit im Boot zu haben, ist für Andrea Ruhner eine schöne Erfahrung. Während der elfjährige Sohn Mark richtig stolz auf seine Nixen-Mutti ist und ihr Berühmtsein sehr zu schätzen weiß, steht der fünfjährige Julian auf das schicke Nixenauto - ein Skoda, den das Autohaus Detlef Golnik der Spreenixe zur Verfügung stellt und der auch ausgiebig genutzt wird von Andrea Ruhner. Auch ihr Mann Sven steht ganz hinter ihr. Ja, wenn es ihm möglich ist, sei er sogar bei den Auftritten dabei und die Kinder bei Oma und Opa.
Was - außer eine Familie und einen Arbeitgeber, die hinter einem stehen - braucht's noch, um sich ruhigen Gewissens für das Amt der Spreenixe zu bewerben“ Andrea Ruhner: „Es ist keine Misswahl, was wir hier in Spremberg zu jedem Maifest haben. Natürlichkeit finde ich wichtig, und sie sollte ein bisschen redegewandt sein, etwas über ihre Stadt und die Region wissen und Spaß daran haben, Feste zu besuchen. Am Anfang stand ich oft da und überlegte, was ich denn jetzt erzählen sollte. Aber diese Angst ist gar nicht nötig, sondern einfach losreden und auf die Menschen zugehen!“ In den zurückliegenden Monaten habe sie mehr Selbsteinschätzung gewonnen, sich sozusagen besser kennen gelernt - während sie sich in den vielen Menschen spiegeln konnte, ihre Wirkung auf sie erlebte. „Oft wurde mir gesagt: Mensch, Andrea, du lachst immer. Aber“ , Andrea Ruhner zuckt mit den Schultern, „ich bin einfach so“ .
Dass es wieder Probleme mit einer Nachfolgerin zum nächsten Maifest geben könnte, bereitet ihr schon einige Sorgen. Klar, im Notfall würde sie auch noch ein Jahr dranhängen. „Aber warum, wenn doch eine weitere junge Frau aus Spremberg oder aus den Ortsteilen diese Chancen, die das Nixendasein bietet, nutzen könnte?“