ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
| 01:09 Uhr

Vom Karl-Marx-Orden bis zur Medaille für langes Eheleben

Spremberg.. Wer kann schon von sich sagen, den höchsten Orden Polens zu besitzen oder gar den Vaterländischen Verdienstorden der DDR sein Eigen zu nennen. Für Gisbert Mickan (64) sind dies aber nur einige wenige seiner Stücke, die der Spremberger besitzt. Er ist seit vielen Jahren ein leidenschaftlicher Orden- und Medaillensammler. Von André Kurtas

Als die RUNDSCHAU ihn jetzt zu Hause in seinem Sammlerreich besuchte, zeigte er seine Schätze mit viel Stolz. Mittlerweile dürften es einige Tausend sein, die da chronologisch geordnet und beschriftet in den Schränken liegen. „Gezählt habe ich sie bisher noch nie“ , so Mickan.
Inzwischen hat sich der Sammler auf Stücke aus Polen, der ehemaligen Sowjetunion und der DDR spezialisiert. Aber auch einige Stücke aus dem Deutschen Reich befinden sich unter den Schätzen. Für jedes Land hat er extra einen großen Schrank mit vielen Schubfächern. Ein Griff genügt, und Gisbert Mickan findet jeden Orden oder jede Medaille und kann darüber auchh eine Geschichte erzählen.
Die Anfänge seines Hobbys reichen zurück bis in die DDR-Zeit. „Meine Leidenschaft wurde durch den ehemaligen Spremberger Frank Bartel geweckt, der heute in Cottbus lebt und sich im Laufe der Zeit zu einem Spezialisten entwickelt und mittlerweile auch zahlreiche Bücher über Orden und Medaillen veröffentlicht hat“ , erzählt Mickan.
Bis zu dieser Begegnung hatte der gelernte Maler mit Orden nichts am Hut. Mit der Zeit hat sich die Sammelleidenschaft von Mickan immer mehr herumgesprochen. Von vielen Bekannten bekam der Spremberger seine ersten Sammelstücke. Mit der Zeit wuchs sein Tatendrang, bestimmte Ordensreihen zu vervollständigen, immer mehr. Er fuhr zu Sammlerbörsen, kaufte oder tauschte das eine oder andere Stück der Begierde und knüpfte viele Kontakte mit Gleichgesinnten.
Seit über zehn Jahren gehört der Spremberger Sammler nun bereits dem Deutschen Ordensbund, der Dachorganisation der Sammler, an. Im Laufe der Zeit hat Gisbert Mickan auch einige Raritäten zusammen getragen. Hierzu zählt unter anderem der Orden vom Weißen Adler, die höchste Auszeichnung Polens. „Von dem stattlichen Stück am großen blauen Band existieren nur noch drei Originale“ , berichtet der Spremberger, der selbst über eine Nachprägung verfügt.
Aber auch viele Originalorden wie der Karl-Marx-Orden, den Vaterländische Verdienstorden (in allen Klassen), den Orden der Heldenmutter (ein Stern ist aus purem Gold) oder die Medaille des Lächelns hat der Spremberger inzwischen in seiner Sammlung, viele davon mit einer Originalurkunde. Sogar die Medaille für langes Eheleben, die in Polen in verschiedenen Ausführungen vergeben wird, gehört zur Sammlung des Sprembergers. Aber auch der Vorläufer der späteren Artur-Becker-Medaille mit der Verleihungsnummer 151 und das Partisanenkreuz liegen bei Mickan im Schrank.
Das Sammeln von Orden und Medaillen ist eine Wissenschaft für sich, in der man sich zurecht finden muss. „Da gibt es Erstausgaben, Orden mit Spange und ohne Spange, Ausführungen aus Plaste und Metall mit durchgängiger Nadel oder unterbrochener Nadel und viele andere Unterschiede, die noch zu beachten sind“ , erklärt Gisbert Mickan, der im Laufe der Jahre zu einem Spezialisten mit großem Fachwissen geworden ist.
„Regelmäßig treffe ich mich mit anderen Sammlern zum „Ordensstammtisch“ in Cottbus, wo wir Erfahrungen austauschen“ , erzählt er. Zweimal im Jahr fährt der Spremberger zum Großtausch nach Schönebeck an die Elbe, um hier seine Sammlung zu vervollständigen. Für den Spremberger zählt nicht der materielle, sondern in erster Linie der historische Wert seiner Sammelstücke. Vom Nationalpreis über den verdienten Meister des Sportes, den Helden der Arbeit, das Banner der Arbeit und den verdienten Aktivisten hat er die verschiedensten Ausführungen in seiner Sammlung. Sogar die Medaille für den Fünfjahrplan hat er komplett.
Bleibt die Frage, welchen Orden oder welche Medaille Gisbert Mickan denn überhaupt selbst verliehen bekommen hat? Bei der Antwort lächelt er: „Das war die Aktivisten-Auszeichnung, die ich für meine Tätigkeit im Anglerverband bekommen habe.“ Noch heute ist der Spremberger neben seiner Sammelleidenschaft ein begeisterter Petrijünger, der sogar zum Hochseefischen fährt und zweiter Vorsitzender der Gruppe Georgenberg 1994 ist.