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Vierer-Gespann plant für die Zukunft

Spremberg. Die Stadt Spremberg will künftig stärker mit drei anderen Kommunen zusammenarbeiten. Ein Konzept für die Kooperation mit Welzow, Drebkau und Altdöbern liegt bereits vor. Die Autoren schätzen ein, dass die Zusammenarbeit bisher "eher ideell" geprägt war – und weniger von konkreten Projekten untermauert. René Wappler

In allen vier Kommunen bilden sich die Folgen des Braunkohletagebaus Welzow-Süd ab. Unter dieser Ausgangslage beleuchtet das Konzept die aktuelle Lage in Spremberg, Welzow, Drebkau und Altdöbern. Alle vier Orte weisen trotz sinkender Einwohnerzahl einen Anteil an Senioren auf, der stetig wächst. "Derzeit stehen einem Kind oder Jugendlichen bis zu 15 Jahren bereits mehr als zwei Senioren gegenüber", heißt es im Konzept. "Im Jahr 2030 werden es dagegen mehr als vier Senioren sein." Dabei lasse sich der demografische Trend nur schwer beeinflussen - am ehesten noch durch familienfreundliche Ansätze in ortsansässigen Firmen und der städtischen Infrastruktur. Daneben gebe es jedoch viele andere Faktoren, die darüber entscheiden, wo sich Familien ansiedeln, wie das Verhältnis zwischen Einkommen und Preisniveau sowie Karriereperspektiven in der jeweiligen Region. Die Autoren des Konzepts warnen vor dem Verlust sozialer Chancen für die Menschen in der Lausitz: "Erscheinen diese dauerhaft gefährdet, kann ein negativer Trend in Gang gesetzt werden, der Abwanderung und Alterung in wesentlich dramatischere Dimensionen katapultiert." Deshalb sei eine klare Perspektive für die Lausitz im wirtschaftlichen Umbruch so wichtig.

Immerhin bietet Spremberg 500 Arbeitsplätze je 1000 Einwohner - und nimmt damit einen Spitzenplatz ein. Auch ein Bericht der Landesregierung wies im vergangenen Jahr darauf hin, dass die Stadt Spremberg die höchste Arbeitsplatzdichte aller Wachstumskerne in Brandenburg aufweist. In Welzow existieren unterdessen 200 Arbeitsplätze je 1000 Einwohner. Im Amt Altdöbern und in Drebkau sind es 150 Stellen. In allen vier Kommunen liegt der Anteil der Pendler, die zum Arbeiten aus anderen Regionen kommen, zwischen 50 und 75 Prozent.

So beherbergt Spremberg auch einen weit höheren Anteil an Firmen des produzierenden Gewerbes als die anderen drei Orte. Im Amt Altdöbern befindet sich wiederum eine hohe Zahl von Arbeitsplätzen in der Landwirtschaft - die sonst in der Region ebenso wie Stellen im Handel, Verkehr und dem Gastgewerbe eher gering ausgeprägt sind.

Auf Basis der vorliegenden Daten rät das Konzept zu einer stärkeren Zusammenarbeit, wenn es um die Infrastruktur der Schulen geht sowie um Gesundheit und Pflege. Diese Faktoren könnten eine familienfreundliche Kultur begünstigen und somit den Trend zur Abwanderung mildern.

Als Problem bezeichnen die Autoren die schwierige Suche nach Fachkräften für das Spremberger Krankenhaus und für medizinische Angebote an anderen Orten: Da das Alter niedergelassener Ärzte steige und weitere Praxisschließungen abzusehen seien, werde sich der Mangel mutmaßlich noch weiter verschärfen.

Das Konzept belässt es nicht bei einer Bestandsaufnahme. Vielmehr weist es auf Projekte hin, von denen alle vier Orte profitieren könnten. Beispiele lauten so: Ein übergreifendes Netzwerk für Pflege und Gesundheit sei dringend nötig, angelehnt an den Spremberger Pflegestammtisch. Fachleute aus dem Krankenhaus bemühen sich demnach darum, eine flexible Arztpraxis in Schwarze Pumpe einzurichten. Offen bleibt vorerst, wie sich der Aufwand von 337 500 Euro finanziert.

Auch Angebote für selbstständiges Wohnen von Senioren, die bei Bedarf weiteren Service hinzubuchen können, ließen sich gemeinsam mit den Vermietern und mithilfe möglicher Fördermittel stemmen.

Zum Thema:
Als Auftraggeberin für das "überörtliche integrierte Stadtentwicklungskonzept für den Kooperationsraum Altdöbern -Drebkau - Spremberg - Welzow" fungiert die Welzower Bürgermeisterin Birgit Zuchold (SPD). Am Konzept arbeitete die ews Stadtsanierungsgesellschaft mbH gemeinsam mit dem Büro für Stadt, Quartier und Beteiligung (BSQB). Beide haben ihren Sitz in Berlin.