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Viele Fragen klärt der Polier

Die Firma Enrico Feind aus Lübbenau lässt ihre tonnenschwere Fräsmaschine laufen. Der Asphalt aus DDR-Zeiten muss nach Potsdam auf eine Sonderdeponie gebracht werden. Der Spremberger Baufachbetrieb Goretzki hebt mit Baggern Schächte für die unterirdischen Medien in der Friedrichstraße aus.
Die Firma Enrico Feind aus Lübbenau lässt ihre tonnenschwere Fräsmaschine laufen. Der Asphalt aus DDR-Zeiten muss nach Potsdam auf eine Sonderdeponie gebracht werden. Der Spremberger Baufachbetrieb Goretzki hebt mit Baggern Schächte für die unterirdischen Medien in der Friedrichstraße aus. FOTO: dbo1
Spremberg. Die neue Umleitungsstrecke durch Spremberg wird allmählich akzeptiert. Immerhin soll sie bis zur nächsten Winterpause Ende des Jahres – abgesehen von kleinen Änderungen innerhalb des Baubereiches – gelten. René Wappler und Annett Igel-Allzeit

Sauste am Montag noch jeder dritte Autofahrer, jede dritte Autofahrerin am Durchfahrtsverbot vorbei in gesperrte Straßen, schauen inzwischen viele Fahrer bewusster auf die neuen Schilder.

Im Bauausschuss am Montag war die Sorge noch groß. Der Bauausschuss-Vorsitzende Peter Reininger hatte festgestellt, "dass sich viele Leute überhaupt nicht auf die Arbeiten an der Bundesstraße 156 eingestellt haben". Der Verkehr sei massiv in die Innenstadt geflossen, wie Jens-Uwe Winkler berichtete, der für die Vereinten Wählergruppen im Bauausschuss mitarbeitet. "Das war sicher nicht so gewollt. In der Langen Straße kamen die Autos mitunter nicht mehr voran."

Manchmal dauert es drei Tage, mitunter sogar eine Woche, bis sich der Verkehr aufgrund einer Umleitung einpegelt, so der Fachbereichsleiter für Bauen und Wohnen im Rathaus, Gerd Schmiedel. "Eines können wir nicht leisten", sagt er, "und zwar, dass jeder Autofahrer schnell zu seinem Ziel kommt". Eine konfliktlose Umleitung lasse sich schlicht nicht planen.

In der Anliegerversammlung am Dienstag wurde nur noch die Polizei vermisst. Sie sollte besonders Lkw-Fahrer kontrollieren - ob sie Spremberg beliefern wollen oder nur durchfahren. Tatsächlich gibt es neben der neuen innerstädtischen weiterhin eine großräumige Umleitung für den Schwerlastverkehr mit mehr als 7,5 Tonnen. Die Einhaltung dieser Durchfahrverbote, so hatte es der Landesbetrieb für Straßenwesen angekündigt, soll polizeilich überprüft werden. Dass die Polizisten nicht immer Zeit dafür haben, versuchte Torsten Wiemer, verantwortlich für den Süden des Landesbetriebes, zu erklären. "Wenn wir die Polizei wirklich brauchen, kommt sie. Wir haben eine gute Zusammenarbeit", sagt Wiemer. Zudem gab es viele Details der Anlieger zu klären: Wohin mit Mülltonnen, wenn Entsorgungstag ist? Kommt man als Restaurantbesucher auf den Kundenparkplatz? Und mit der schwerbehinderten Frau auf den Mieterparkplatz im Innenhof? Wie können sich Hausbesitzer für den Fall wappnen, dass ihr Haus vom Gerüttel auf der Baustelle einen Riss bekommt? Viele diese Fragen sind ein Fall für den Polier. Ihn erreichen die Bürger im Container der Baustellenleitung zwischen Busbahnhof und Bestattungsinstitut. Immer mittwochs um 8.30 Uhr beginnt zudem die Bauberatung.

Rund 70 Anlieger und interessierte Spremberger waren zur Versammlung gekommen. Neben Fachbereichsleiter Gerd Schmiedel und Kerstin Sommer aus dem Sachgebiet Tiefbau saß vom Landesbetrieb Straßenwesen neben Torsten Wiemer auch Steffen Kleiner, verantwortlich für die Planung Süd. Der Spremberger Wasser- und Abwasserzweckverband und die Städtischen Werke hatten für die Medienverlegung, die zum Straßenbau gehört, ihre Vertreter geschickt. Thomas Eule, Niederlassungsleiter beim Bauausführer Eurovia, erläuterte den Bauverlauf für dieses Jahr. Während in der Friedrichstraße bis in die 35. Kalenderwoche Ende August gebaut werde, Leitungen für Gas, Wasser und Licht zu verlegen sind, die Fahrbahn und die Wege entstehen, laufen parallel die Arbeiten in der Geschwister-Scholl-Straße, ein großer 1000er-Kanal müsse hier verlegt werde. Ab der 36. Kalenderwoche geht es dann am Knotenpunkt Kleine Berliner Straße/Friedrichsstraße weiter.

Was auch brennend interessierte, waren die Parkmöglichkeiten für Autofahrer nach Abschluss der Bauarbeiten. Die Diskussionen und Beschlüsse zur Gestaltung der Wege und Flächen liegen schon Jahre zurück. So erschreckte jetzt angesichts der schwierigen Parksituation in der Bauzeit, dass es nach dem Bauende ein Drittel weniger Stellplätze geben soll als vor den Baumaßnahmen - trotz der verkehrsberuhigten Zone in der Karl-Marx-Straße zwischen Scholl- und Friedrichstraße. Die Stadtverwaltung will auf Wunsch einiger Anlieger prüfen, ob eine Begrenzung der Parkdauer tagsüber Sinn macht.