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| 12:59 Uhr

Einwohnerversammlung in Bagenz nach den Zwischenfällen am Stausee Spremberg
Auf der Suche nach Vertrauen

 Auf der Einwohnerversammlung in Bagenz am Mittwochabend versuchte das Podium die angespannte Lage etwas einzuordnen: (von links) Kai Chen, Eigentümer der „Seenland“-Herberge; Karsten Magister, Sachgebietsleiter Ordnungsangelegenheiten der Gemeinde Neuhausen/Spree; Harald Geisler, stellvertretender Orstvorsteher von Bagenz; Ronny Schiele, Orstvorsteher von Bagenz und Dieter Perko, Bürgermeister der Großgemeinde Neuhausen/Spree.
Auf der Einwohnerversammlung in Bagenz am Mittwochabend versuchte das Podium die angespannte Lage etwas einzuordnen: (von links) Kai Chen, Eigentümer der „Seenland“-Herberge; Karsten Magister, Sachgebietsleiter Ordnungsangelegenheiten der Gemeinde Neuhausen/Spree; Harald Geisler, stellvertretender Orstvorsteher von Bagenz; Ronny Schiele, Orstvorsteher von Bagenz und Dieter Perko, Bürgermeister der Großgemeinde Neuhausen/Spree. FOTO: LR / Marcel Laggai
Bagenz. Erst Gerüchte über eine Tote, dann die Bestätigung einer Vergewaltigungsanzeige und ein Mob, der eine Schulklasse verängstigt: Eine Versammlung in Bagenz sollte etwas Ruhe in den Ort bringen. Von Marcel Laggai

„Aus taktischen Gründen und zum Schutze des potenziellen Opfers geben wir keine Informationen zum aktuellen Ermittlungsstand preis“, erklärt Bettina Groß, Polizeichefin der Inspektion Cottbus-Spree-Neiße, im Rahmen der Einwohnerversammlung in Bagenz am Mittwochabend. Offensichtlich nicht das, was ein Großteil der knapp 100 Anwesenden im „Dorfkrug“ hören möchte. Stattdessen viele ungläubige Gesichter und zigfaches Kopfschütteln. Seit dem Bekanntwerden einer Vergewaltigungsanzeige in der vergangenen Woche herrscht Unsicherheit in dem Ort mit 256 Einwohnern. Besonders die anwesenden Frauen wünschen sich endlich Klarheit, aber auch Informationen zum möglichen Täter.  

Schulklasse verängstigt

Unmittelbar nach Tat machten in den sozialen Medien Gerüchte die Runde, dass es sich bei den Tätern im „Migranten“ handle, die wiederum in der Ferienanlage „Seenland“ untergebracht sein sollen. Daraufhin zogen mehrere Vermummte, unter „Ausländer raus“-Rufen, zur  Herberge und wollten die Täter dort stellen. „Stattdessen verschreckte die Gruppe eine Schulklasse aus Frankfurt (Oder), die zu diesem Zeitpunkt in der Anlage untergebracht war“, so Dieter Perko, Bürgermeister der Gemeinde Neuhausen-Spree. Für die sofortige Abreise der Frankfurter zeigte Perko volles Verständnis.

Ein Gefühl der Unsicherheit

Zurück bleibt eine Gemeinde, deren Ruf aktuell ziemlich leidet, obwohl der Bürgermeister zu Beginn der Einwohnerversammlung in höchsten Tönen von Bagenz schwärmt. „Viele tolle Geschäfte“, „den See direkt vor der Haustür“ und „höhere Grundstückspreise als in den Nachbargemeinden“ sprächen schon für sich, wie Perko betont. Und doch herrscht große Sorge, „auch in den Nachbardörfern“. Wo sei man denn, wenn man sich nicht einmal mehr im ostdeutschen Hinterland sicher fühlen könne, heißt es von einem weiblichen Gast.

Ermittler wollten ungestört arbeiten

Ein anderer Gast der Versammlung hätte sich zumindest eine kleine Information der Behörden gewünscht, dann wären, so ist er sich sicher, keine Gerüchte aufgekommen. Diesen Einwand will Bettina Groß entkräften. „Wir haben eine offizielle Stellungnahme herausgegeben, und selbst wenn wir davor nur eine kleine Meldung veröffentlicht hätten, dann wären die Gerüchte vermutlich noch schneller hoch gekocht.“ Unabhängig davon, habe man sich mit versierten Ermittlern zum Stillschweigen verständigt, um den Ermittlungen nicht zu gefährden, heißt es von der Polizeichefin. Dazu zählt ebenfalls der Rat an das Opfer, sich bedeckt zu halten. „Entgegen der Gerüchte, haben wir ihr keinen ‚Maulkorb’ verpasst, sondern vielmehr darum gebeten, die Ermittlungen durch den Schritt an die Öffentlichkeit nicht zu gefährden“, so die Beamtin.

Andere Gerüchte bleiben beharrlich

Obwohl ein Großteil der Gerüchte mittlerweile entkräftet oder von der Polizei eingeordnet wurde, zeigt sich Kai Chen, Besitzer der Ferienanlage, offen enttäuscht von der Einwohnerversammlung. „Zwar wurde gesagt, dass in meiner Herberge keine ‚Migranten’ untergebracht sind und nie waren, aber die Antipathie der Bagenzer schlägt mir noch immer offen entgegen“, so Chen, der im Laufe der Veranstaltung abermals Gerüchte über eine Nähe zum Rotlicht-Milieu aus der Welt räumen musste. Derweil wünscht sich Dieter Perko für die nahe Zukunft, dass das Image von Bagenz rasch wieder hergestellt werde.