Das Thermometer zeigt mehr als 30 Grad, aber Nasir kann seinen Einsatz nicht mehr abwarten. Ungeduldig springt er hin und her, jault, bellt. Unmittelbar neben seinem Transportkäfig steht Saskia Stahn und redet beruhigend auf den dreijährigen Schäferhundrüden ein. Dessen Instinkt hat ihm bereits „verraten“, dass seine hochsensible Spürnase gleich von Nöten sein wird. Nasir ist einer von insgesamt vier ausgebildeten Suchhunden der Rettungshundestaffel Spree-Neiße, die in dieser Woche nach Bagenz gerufen wurden, um an einer gemeinsamen Ausbildungsmaßnahme teilzunehmen. Neben der Hundestaffel sind auch das Deutsche Rote Kreuz aus Spremberg und die Freiwillige Feuerwehr Bagenz – als Initiator des „Ernstfalls“ – beteiligt.

Das Szenario ist schnell erzählt: Jugendliche treffen sich zu einer Feier. So weit, so gut. Allerdings haben Alkohol und Drogen den Heranwachsenden dermaßen die Sinne vernebelt, dass es zum Unglück kommt. „Im Rausch sind die jungen Leute auf die Idee gekommen, in einem geschlossenen Raum zu grillen“, so Ortswehrführer Michael Mummert, der jeden Handgriff seiner Kameraden genau beobachtet. Durch fehlenden Sauerstoff und zu viel Kohlenstoffmonoxid im Raum, gebe es nun bewusstlose Opfer, die geborgen werden müssten, instruiert er seine Kollegen.

Schulungen machen sich bezahlt

Vermeintlich dichter Qualm macht das Gebäude auf normalem Wege unbegehbar. Atemschutzgerät muss her. Zwei Kameraden von Mummert werfen sich in die kiloschwere Montur, bestehend aus Schutzausrüstung und Sauerstoffgerät. „Sicherlich ist das gerade bei der Hitze hart, aber dafür werden sie auch regelmäßig geschult“, versichert der Ortswehrführer. Und diese Schulungen zahlen sich offensichtlich auch aus. Versiert tastet sich der Zwei-Mann-Trupp voran und birgt binnen kurzer Zeit die erste bewusstlose Person und kurz darauf die zweite. Vor dem Gebäude warten bereits die Sanitäter vom DRK, um die zwei jungen Frauen in Empfang zu nehmen und medizinisch zu versorgen.

Der Ausbildungsmaßnahme ist damit allerdings noch nicht am Ende, da zur Party-Gruppe weitere Personen gehören, wie Mummert berichtet. „Nachbarn haben gesehen, wie drei junge Leute in den Wald verschwunden sind.“ Nun wird es für die Kräfte der Rettungshundestaffel ernst, denn aufgrund der bisherigen Erkenntnisse der Einsatzkräfte – bezüglich Alkohol- und Drogenkonsum – ist Gefahr im Verzug. „Gerade bei der Suche nach Kindern und Jugendlichen  zählt jede Minute“, weiß Mummert, der die Informationen bereits an die Einsatzleiterin Nancy Wagner weitergegeben hat. Nach kurzer Einweisung und mithilfe von Ortskundigen machen sich die vier Teams bereit zum Ausschwärmen. Dem Deutschen und Belgischen Schäferhund, dem Labrador und dem Australian Shepherd stehen jeweils zwei menschliche Unterstützer zur Seite. Kaum gibt es grünes Licht für die Suche, flitzen die Rettungshunde auch schon los – und die Zweibeiner hinterher.  

Hunde sind gleich doppelt gefordert

Obwohl von den Vierbeinern nichts mehr zu sehen ist, dringt ihr Bellen immer wieder zu den Rettern durch. Laut Informationen der Nachbarn vermuten Retter die Vermissten in einem Radius von 600 Metern. So dauert es auch nicht lange, bis die ersten Zwei gefunden sind. Das Finden der letzten vermissten Person zieht sich allerdings in die Länge. Die noch immer anhaltende Hitze setzt den Hunden nämlich zusehends zu. „Sie brauchen immer mehr Pausen und viel Wasser“, so die Leiterin der Hundestaffel, Saskia Stahn. Durch den fehlenden Wind sei der Hund zudem gleich doppelt gefordert, weil sich der Geruch der Menschen schwieriger verteile, ergänzt die Ausbilderin.

Nach fast zwei Stunden dann das rettende Bellen von Nasir. Die letzte vermisste Person ist gefunden. Der junge Mann hat sich in seinem Drogenrausch auf einem Baum versteckt, was die Suche enorm erschwerte. Das Bergen der Person ist für die Feuerwehrleute aus Bagenz indes keine schwierige Aufgabe mehr.

Mummert zeigt sich zufrieden nach Abschluss der Maßnahme. Die Teams hätten gut zusammen gearbeitet, sodass das Leben der potenziellen Opfer gerettet werden konnte, so der Ortswehrführer.

Saskia Stahn nimmt zudem etwas für künftige Einsätze mit: „Das heiße Wetter hat uns verdeutlicht, dass unsere Hunde unter solchen Bedingungen viel schneller an ihre Grenzen stoßen und wir das für kommende Einsätze mit einplanen müssen.“

Bildergalerie Im Hintergrund wird auch der Australian Shepherd, Happy, aus seiner Transportbox geholt.