Von Anja Guhlan

7 Uhr am Morgen. Es ist kühl. Fünf Schüler stehen an der Straße vor der Kollerberggrundschule in Spremberg.  Dicht an dicht haben Autos am Seitenrand der kleinen Straße geparkt. Auf der gegenüberliegenden Seite nähern sich drei Schüler. „Wartet einen Moment“, ruft ihnen Justin Schuster zu. Dann tritt  der 11-Jährige mit ausgestreckter Kelle auf die Straße. Das heranrollende Auto hält. Die drei Schüler überqueren sicher die Straße. Ein Szenario, was sich jeden Morgen vor drei Spremberger Grundschulen abspielt. Während in einigen Städten und Kreisen die Anzahl der ehrenamtlich aktiven Schülerlotsen sinkt, scheinen sich in Spremberg immer mehr Schüler für dieses Ehrenamt zu interessieren. In diesem Jahr gibt es an der Kollerberggrundschule elf aktive Schülerlotsen. An der Astrid-Lindgren-Grundschule sind es zehn aktive Schüler. Im Haus des Lernens des Albert-Schweitzer-Familienwerkes sind es 12 aktive Schülerlotsen. Fünf neue Lotsen befinden sich gerade in ihrer Ausbildung.

Im vergangenen Schuljahr ausbilden lassen

„Ich bin gerne Schülerlotse. Weil ich so für mehr Sicherheit vor der Schule sorgen und anderen Schülern helfen kann“, meint Justin Schuster aus der sechsten Klasse. Auch die elfjährige Lilly Chanel-Heinrich hat sich im vergangenen Schuljahr zum Schülerlotsen ausbilden lassen. „Die Ausbildung ist gar nicht schwer und wir können damit anderen helfen“, ist sie sich sicher. Das frühe Aufstehen am Morgen stört sie nicht. Denn schließlich müssen die Lotsen vor dem Hauptstrom an der Straße stehen, um den ankommenden Schülern beim Überqueren der Straße zu helfen.

Ausbilderin Daniela Schneider bestätigt, dass zur Zeit ein wahrer Sturm ausgebrochen ist. „Immer mehr Schüler interessieren sich für dieses Ehrenamt. Wir wollen demnächst auch versuchen den Schülerlotsendienst an der Heidegrundschule und der Grundschule in Schwarze Pumpe einzuführen. Hoffentlich mit genauso viel Begeisterung“, sagt Schneider. Die Ausbildung zum Schülerlotsen dauert in etwa 15 Stunden. Zusätzlich absolvieren die Schüler Praxistests, lernen auch wie man die Geschwindigkeit richtig messen kann, lernen Bremswege und Entfernungen abzuschätzen. Auch die Erste Hilfe wird erlernt für den Notfall.

Verkehrserziehung auch ein wichtiges Ziel

„Wenn der Schülerlotsendienst an der Heidegrundschule eingeführt wird, könnte man auch überlegen Buslotsen dort einzusetzen, da dort auch ein reger Busverkehr herrscht“, meint Klaus-Dieter Peters, der Projektleiter des Schülerlotsendienstes in Spremberg. Das Ziel des Dienstes ist es auch mit der Verkehrserziehung bereits in den Kindergärten zu beginnen. Zum einen erhofft man sich mehr Sicherheit auch an den Kitas, zum anderen könnten Kinder schon in der Kita das Interesse für den Schülerlotsendienst entwickeln.  Die große Vision des Schülerlotsendienstes ist ein moderner  Verkehrsgarten in Spremberg. „Wir wissen, dass es beim MC bereits einen Verkehrsgarten gibt. Wir wünschen uns allerdings einen Verkehrsgarten, der den heutigen Anforderungen und Standards entspricht“, erklärt Klaus-Dieter Peters. Die Stadt Welzow liegt uns da um einige Längen voraus, teilt Peters mit. Denn momentan trainieren und üben auch die Spremberger Schülerlotsen ab und an im Welzower Verkehrsgarten.

Am nächsten Morgen werden vor der Grundschule am Kollerberg wieder andere Schülerlotsen stehen. Für die Schüler gibt es einen richtigen Dienstplan, wann, wer und wo zu stehen hat. „Ich werde jedenfalls so lange Schülerlotse bleiben, wie ich gebraucht werde oder bis ich die Schule verlasse“, verspricht Justin und wendet sich wieder dem Verkehr auf der Straße zu.