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| 01:04 Uhr

„Verkaufen ist mein Ding“

Welzow.. Der Welzower Markus Profft brauchte etwas Zeit, bis er den richtigen Berufseinstieg gefunden hatte. Nach dem Realschul-Abschluss brach der 22-Jährige eine Ausbildung zum Maurer und eine zum Trockenbauer ab. Heute wird der junge Mann in Cottbus bei der Besten-Feier von der Industrie- und Handelskammer (IHK) für seine hervorragende Ausbildung zum Verkäufer geehrt. Von hundert möglichen Punkten bekam er 96 Punkte. Im gesamten Kammerbezirk gehört er mit dieser Leistung zu den zehn besten der 3036 Auszubildenden. Bemerkenswert: Zwanzig Prozent der Azubis sind sogar durch die Prüfung gefallen. Von Bernd-Volker Brahms

Mit Rasta-Locken und Spitzbart entspricht der junge Mann aus Welzow nicht dem Klischee eines typischen, aalglatten Verkäufers.
Der 22-Jährige ist redegewandt und kontaktfreudig. „Verkaufen ist mein Ding“ , sagt der Markus Profft. Vor über zwei Jahren hat er sein erstes Praktikum im Fachmarkt in Welzow absolviert. Hier merkte er gleich, dass ihm diese Tätigkeit Spaß macht. Zuvor hatte er sich mit Arbeiten auf dem Bau abgemüht und zwei Ausbildungen abgebrochen.
„Die theoretische Prüfung ist mir leicht gefallen“ , sagt Profft. In einem Baumarkt musste er der Prüfungskommission der IHK etwas über das Sortiment im Bereich „Beschläge“ erklären. Auch Erläuterungen zu gesetzlichen Vorschriften wie Preisschildern und Reklamationen gehörten dazu. Die Prüfer bewerteten ihn mit der vollen Punktzahl von hundert - er war damit der beste Azubi im gesamten IHK-Kammerbezirk. In der schriftlichen Prüfung im Bereich Rechnungswesen und Betriebslehre gab es noch einmal 91 Punkte. Am Ende steht jetzt die Note „eins“ auf dem Zeugnis des Welzowers.
„Das ist eine erstaunliche Leistung“ , sagt Silvio Ruschke, der sich als Ausbilder bei dem Cottbuser Bildungsträger Institut für markt- und betriebswirtschaftliche Bildung GmbH (IMB) um den Welzower Jugendlichen gekümmert hatte. Das gemeinnützige Unternehmen betreut Jugendliche, bezahlt wird die Ausbildung von der Agentur für Arbeit. Das Unternehmen arbeitet mit über 50 Partnerbetrieben zusammen, wo die Jugendlichen den praktischen Teil ihrer zwei- bis dreijährigen Ausbildung verbringen.
„Ein Drittel der Jugendlichen wird nach der Ausbildung von den Unternehmen übernommen“ , sagt Silvio Ruschke. „Wenn es disziplinarische Probleme mit Auszubildenden gibt, werden die bei uns nicht gleich rausgeschmissen, so wie in der freien Wirtschaft“ , sagt Barbara Galan, die ebenfalls als Ausbilderin bei IMB arbeitet. Mittlerweile würden auch Partnerfirmen ihre Azubis teilweise für die fachliche Betreuung an das Unternehmen abgeben. „Wir können uns mit unserem Personal intensiver um sie kümmern“ , sagt Silvio Ruschke.
Viele seiner Bekannten hätten es ihm nicht zugetraut, eine derart hervorragende Prüfung hinzulegen, sagt Markus Profft. „Ich kenne eine Menge, die haben gar keine Ausbildung.“ Dank der guten Prüfung bezahlt ihm die Arbeitsagentur mittlerweile ein drittes Lehrjahr, das er im nächsten Sommer mit der Prüfung zum Einzelhändler abschließt. Danach hofft er bei dem Möbelhaus weiter arbeiten zu können, für das er derzeit tätig ist.

Hintergrund IMB GmbH Cottbus
 Das Institut für markt- und betriebswirtschaftliche Bildung GmbH (IMB) in Cottbus ist ein gemeinnütziger Bildungsträger. Seit 1991 wurden hier 707 Jugendliche ausgebildet. Die 13 Ausbilder, 6 Sozialpädagogen, 2 Geschäftsführer und 2 Schulleiter betreuen Ausbildungen zum Verkäufer, Einzelhändler, Fachkraft für Lagerlogistik und Fachlageristen. Finanziert werden die Ausbildungen über die Agentur für Arbeit. Das Unternehmen arbeitet mit über 50 Partnerfirmen zusammen, wo die Jugendlichen ihre praktische Arbeit absolvieren.