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| 16:15 Uhr

Konten geplündert
Verfahren um Diebstahl nach zwei Jahren eingestellt

Spremberg. Ein Rentner aus Spremberg äußert sich verärgert über die Justiz.

zwei Jahre nach einer Strafanzeige erhält ein Rentner aus Spremberg eine abschließende Auskunft von der Staatsanwaltschaft in Berlin. Das Ergebnis lässt ihn verärgert zurück.

Harri Richter verlor im Jahr 2016 als Opfer von Dieben in Berlin innerhalb weniger Sekunden 6000 Euro. Nach seinen Worten sprach ihn bei einem Besuch in der Hauptstadt ein Mann in gebrochenem Deutsch an. „Ich war gerade dabei, Waren in mein Auto zu laden.“ Dann habe der Fremde seine Gelenktasche aus dem Fahrzeug gestohlen, samt Papieren und Kreditkarten, und sei davon gerannt. Das Sperren der Konten per Telefon sei in diesem Moment unmöglich gewesen, da Harri Richter die Nummern nicht im Kopf hatte. Lange habe er dann in der Hauptstadt nach einer Dienststelle der Polizei gesucht, sich letztlich aber für eine Anzeige über das Internet entschieden. Denn bei einem ersten Telefonat hätten die Polizeibeamten nicht seinem Wunsch entsprochen, direkt zu dem Tatort zu kommen.

Das große Fiasko erlebte der Spremberger kurz darauf. Er entdeckte, dass der Dieb seine Konten geplündert hatte. Auch die Polizei wies in einem Brief an seine Bank auf „unberechtigte Zahlvorgänge in Berlin“ hin. So sei ein Schaden von ungefähr 6000 Euro entstanden.

Zwei Jahre später fand er einen Brief der Staatsanwaltschaft aus Berlin in seinem Briefkasten. Nun seien zwei Beschuldigte ermittelt, heißt es in dem Schreiben. Trotzdem werde das Verfahren eingestellt. Einer der beiden Männer sei bereits wegen anderer Delikte zu einer Freiheitsstrafe verurteilt. Die Vorwürfe lauteten unter anderem: Diebstahl mit Waffen und Einbruch in Wohnungen. Daneben würden die Sanktionen aufgrund des Diebstahls aus dem Auto des Sprembergers „nicht beträchtlich ins Gewicht fallen“, teilt die Staatsanwaltschaft mit.

Gegen den zweiten Beschuldigten könne das Verfahren momentan nicht fortgesetzt werden, da für ihn „kein Aufenthaltsort im Bundesgebiet bekannt ist“.

Angesichts dieser Nachricht wundert sich Harri Richter. „Ich habe zwei Jahre lang nichts über diese Geschichte erfahren, und dann kommt so ein Brief bei mir an.“ So kann er nicht nachvollziehen, warum seine Anzeige bei einer Haftstrafe nicht mehr in Betracht kommt.

Allerdings kann sich die Staatsanwaltschaft bei diesem Beschluss auf Paragrafen 154 der Strafprozessordnung berufen. Er besagt: Die Behörde dürfe vom Verfolgen einer Straftat absehen, wenn diese gegenüber dem Beschuldigten wegen anderer Delikte nicht beträchtlich ins Gewicht fällt. Eben diesen Wortlaut wählte die Staatsanwaltschaft in Berlin auch im Brief an Harri Richter.

Für den Rentner aus Spremberg bedeutet das: viel Ärger, viel Aufwand, und zwar für nichts und wieder nichts. Zwar könnte der Prozess gegen den zweiten Beschuldigten stattfinden, insofern sein Aufenthaltsort doch noch bekannt wird. Allerdings glaubt Harri Richter nicht mehr daran. „Ich hätte gern mein verlorenes Geld zurück“, sagt er. Der Staatsanwaltschaft will er einen Antwortbrief schicken, in dem er seinen Ärger kundtut.