Zum ersten Tag des Kleingartens hat der Kleingartenbeirat der Stadt Spremberg in die Anlage „Ölsträucher“ an der Kantstraße eingeladen. Neben Attraktionen für Kinder wie das Entenangeln, Ponyreiten, Hüpfburg oder die Kahnfahrten auf der Spree mit Peter Wolf in Kapitänsuniform bestimmte ein Thema die Gespräche vorm Grill und beim Spaziergang durch die Anlage: der Generationswechsel.

Spremberfg

Viele ältere Gärtner geben zur Zeit ihre Parzellen an Jüngere weiter. In der Corona-Zeit hat sich die Nachfrage nach Kleingärten sogar leicht erhöht, bestätigt Kai-Uwe Reipert, der Vorsitzende des Kleingartenbeirats. „Wir wollen mit dem Tag des Kleingarten bewusst zum Erfahrungsaustausch zwischen Alt und Jung anregen und somit den Generationswechsel innerhalb des Kleingartenwesens unterstützen“, erklärt Reipert. Die Jüngeren, die nachrücken , sollen intensiv auf das Kleingartenwesen vorbereitet und auch unterstützt werden. Aber ohne die Erfahrungen der Senioren geht das nicht. Reipert hofft, mehr jüngere Kleingärtner auch für die Vorstandsarbeit gewinnen zu können. „Es gibt Schulungen, sie können sich sogar als Fachberater einbringen“, zählt der Spremberger auf.

Wirtschaftlich und ökologisch

„Auch um die Bedeutung der Kleingärten als bewirtschaftetes und ökologisches Grün, als Erholungsort für die Einwohner, als Rückzugsort für Vögel und Insekten in der Stadt deutlicher zu machen, veranstalten wir diesen Tag“, sagt er. Mit dem Spremberger Regionalverband des Naturschutzbundes arbeitet der Beirat deshalb bereits zusammen. Und das treffen auch den Nerv viele junger Familien. In der „Ölsträucher“-Anlage ist der Generationswechsel bereits voll im Gange. So engagiert sich zum Beispiel John-Philipp Nagler mit seinen 32 Jahren aktiv im Vorstand der „Ölsträucher“. „Die Arbeit als Vorsitzender ist zwar manchmal anstrengend, aber sie bereitet mir sehr viel Spaß“, erzählt er. Seit drei Jahren ist er Vorsitzender der Kleingartenanlage „Ölsträucher“ und er sei stets bemüht, weitere jüngere Gärtner zu finden. Er sei aber für alle Kleingärtner da, betont er. Auch für die vier syrischen Familien, die inzwischen einen Kleingarten in der Anlage beleben.
Aufgeteilt ist die Kleingartenanlage an der Kantstraße in insgesamt 72 Parzellen. Lediglich eine Parzelle steht derzeit leer. Doch John-Philipp Nagler hat schon eine Idee, wie er die leere Parzelle nachnutzen möchte. „Wir haben uns eine bunte Bienenwiese in dieser Parzelle vorgestellt, wo wir auch ein großes Insektenhotel aufstellen wollen“, verrät er seine Idee, die mit dem Naturschutzbund ab September umgesetzt werden soll.

Der junge Vorsitzende

Über neue Ideen freut sich die Bürgermeisterin Christine Herntier (parteilos). Gern ist sie zum Fest gekommen. John-Philipp Nagler führt sie durch die Gartenanlage. Sie freue sich, dass der Beirat solch einen Tag auf die Beine gestellt hat. „Das Thema liegt mir persönlich am Herzen. Es ist wichtig für eine Gesellschaft. So eine Kleingartenanlage ist auch eine tolle Begegnungsstätte“, sagt Christine Herntier. Sie weiß, wovon sie redet, denn sie selbst ist seit 37 Jahren als Kleingärtnerin in der Anlage „Groß Buckow“ aktiv.
Dem Bezirksverband der Gartenfreunde Spremberg war es auch gelungen, den Landesverband der Gartenfreunde Brandenburg zum ersten Kleingartentag zu holen. Und Martin Kreuzberg als Vertreter des Landesvorstandes genießt den Besuch in Spremberg. Er berichtet, dass es der Landesverband geschafft hat, die Thematik Kleingartenwesen mal wieder als Thema im Brandenburger Landtag zu platzieren. „Das Kleingartenwesen muss nachhaltig, sozial und ökologisch weiterentwickelt werden“, meint er. Und dazu brauche es auch Mittel aus dem Landeshaushalt. Zum Beispiel, um Investitionen zu ermöglichen oder die Digitalisierung im Verwaltungswesen voranzutreiben. Inwieweit das Land das unterstützen kann, müsse nun noch verhandelt werden.

Fortsetzen und rotieren

Während des Kleingartentages werden so manche interessante Gespräche geführt und sich auch von Gartenparzelle zu Gartenparzelle rege ausgetauscht. „Ich bin insgesamt zufrieden mit der Premiere. Den Tag des Kleingartens wollen wir auf jeden Fall fortführen“, sagt Kai-Uwe Reipert, „aber in welchem Rhythmus, das ist noch nicht klar. Zudem soll der Veranstaltungsort möglichst in den Kleingartenanlagen rotieren.“ Denn nur so können alle Kleingartenvereine in Spremberg und den Ortsteilen auch von diesem Tag profitieren. Viele haben eine sehr schöne Lage und unterschiedlich hohe Leerstände.

Die Fakten zu den Kleingärten


Kleingartenanlagen erfüllen soziale und ökologische Funktionen, dienen den Bürgern als Ort der Ruhe und Entspannung, der Versorgung mit Gartenprodukten zum eigenen Verzehr und zum Ausgleich hektischen Stadtlebens sowie als Ort der Gemeinschaft.

In Spremberg gibt es derzeit 48 Kleingartenvereine mit rund 1600 Gärten. Im Jahr 2018 hat sich nach einer Empfehlung des Spremberger Bauausschusses der Kleingartenbeirat gegründet. Ein Kleingartenentwicklungskonzept wurde erarbeitet, das den Handlungsbedarf der nächsten Jahre aufzeigt und als Arbeitsgrundlage des Beirats dient.

Im Landesverband der Gartenfreunde Brandenburg sind derzeit 61 500 Gartenfreunde in rund 1240 Vereinen registriert. Es wird im Land Brandenburg insgesamt eine Fläche von 3100 Hektar mit Kleingärten bewirtschaftet. ang