Von Annett Igel-Allzeit

Flink schließen sie das Visier am Helm, drücken ihre Handschuhe noch einmal fester über die Finger und drehen die Motoren der Motocross-Maschinen auf. Die Startabsperrung fällt, die Staubwolke steigt. Mit Annett Müller und Simone Klopsch beobachtet Mike Brandt, wie die neun Fahrer hinter den ersten Hügeln verschwinden. Den Verlauf des vereinsinternen Wettkampfes im Jubiläumsjahr am Osterwochenende halten sie genau auf Listen fest. Es ist ein kleiner Höhepunkte am großen Trainingswochenende auf dem Vereinsgelände „Am Windmühlenberg“ des Moto-Cross-Clubs (MCC) Spremberg.

Mike Brandt ist der Vereinsvorsitzende. Vor 26 Jahren – im Berufsleben mit schwerer Technik im Tagebau unterwegs – gehörte er zu einer Gruppe Spremberger Motorsportbegeisterter. „18 Leute waren wir und träumten davon, uns eine Rennstrecke auf dem Kippen-Gelände bauen zu können“, erzählt Brandt. Am 7. Dezember 1994 gründeten sie den Verein. Als klar war, dass das Kippengelände keine Deponie wird, stellte der Verein den Kaufantrag. „18 Monate dauerte das Genehmigungsverfahren“, erinnert sich Mike Brandt. Dann war Engagement gefragt. Firmen halfen mit Raupen und Baggern. Wie viele freiwillige Arbeitsstunden die Mitglieder in ihren Traum steckten? Brandt zuckt mit den Schultern. „Wir wollten uns und weiteren jungen Menschen eine Möglichkeit schaffen, den Sport zu genießen. Da haben wir keine Stunden gezählt.“

Mit der Maschine im Staub verschwinden, sich dreckig machen, unterm Helm richtig schwitzen, Anlauf nehmen und mehrere Meter hoch mit der Maschine über Hügel springen, das sei sein Sport. Noten gebe es für die Sprünge in den Rennen nicht, sondern es mache einfach Spaß. Stürze sind nicht ausgeschlossen. Wichtig ist, die Maschine im richtigen Moment los zu lassen. „Sonst passiert so etwas hier“, sagt Brandt und klopft sich gegen die Narbe am rechten Schlüsselbein. Die Motocrossfahrer unter den 63 Vereinsmitgliedern brauchen Ausdauer, Koordination, Disziplin und allerhand Muskeln. „Starte ich nach einer längeren Pause wieder, tut mir nach der ersten Tour fast alles weh“, sagt Brandt.

Dass immer mehr Frauen dem Motocross frönen, gefällt ihm. „Wir hatten hier zum Training schon ganze Frauengruppen“, sagt der Vereinschef, „und die Mädchen und Frauen sind nicht langsam“. Annett Müller vom MCC hat mit dem Fahren gerade angefangen. „Und das Springen macht nicht nur Spaß, es macht dich auch ein bisschen schneller“, weiß sie.

Seit 1999 richtet der MCC am Windmühlenberg Rennen zur Landesmeisterschaft Berlin/Brandenburg aus. Der Landesfachverband hat den Verein schon mehrfach als einen der besten Veranstalter ausgezeichnet. Am 30. Juni 2006 kam erstmals der ADAC Enduro Cup nach Spremberg – mit mehr als 100 Fahrern aus Berlin und Brandenburg. Eine Kindercross-Strecke ist entstanden. Trial-Fahrer gehören zum Spremberger Verein. Und weil es inzwischen viele Motorsportanlagen gibt, die sich des Lärms wegen mit ihren Nachbarn streiten, beteiligt sich der MCC an der Aktion „Lärm tötet Motocross“ und rät den Fahrern zu einem Dezibel-Killer, einer Art Schalldämpfer. „Auch wenn wir hier im Vergleich zu anderen Clubs eine ausgezeichnete Lage haben, es hängt immer vom Wind ab“, sagt Brandt. Der Parkplatz reicht, um in Campingwagen und Zelten zu übernachten. Und stolz ist Brandt aufs Vereinsheim mit Anmeldung, Vereinszimmer und genug Duschen im Sanitärtrakt.

Auf einer Landkarte voller Nadeln zeigt er, woher die Sportler kommen, um hier zu trainieren oder Rennen zu fahren: Deutschland, Polen, Tschechien, Österreich, aus der Schweiz, den Niederlanden und Dänemark. Für sie schieben die Vereinsmitglieder immer wieder die Strecke. Ein Radlader und ein Traktor stehen dafür bereit und für die Sicherheit eine Feuerwehr. „Jetzt träumen wir von einem Wasserzwischenspeicher“, sagt Mike Brandt. Dann muss er zur Siegerehrung. Er hat ein Geschenk für Paul Herrmann. Der Junge aus Spremberg konnte sich in der 50-Kubikzentimeter-MX-Klasse im Vorjahr den Landesmeistertitel sichern.