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| 15:06 Uhr

Sportpremiere südlich vom Stausee
Verein wagt neues Radrennen

Die Informationsblätter haben sie bereits gedruckt. Ingo Parton, Jens Steuer, Roberto Demuth und Sebastian Rengert (von links) zählen zu den Organisatoren des ersten Spremberger Rundstreckenrennens.
Die Informationsblätter haben sie bereits gedruckt. Ingo Parton, Jens Steuer, Roberto Demuth und Sebastian Rengert (von links) zählen zu den Organisatoren des ersten Spremberger Rundstreckenrennens. FOTO: LR / René Wappler
Spremberg/Cottbus. Der Rundkurs über 7,8 Kilometer wird am 19. August durch drei Spremberger Ortsteile führen. Von Rene Wappler

So etwas kommt selten vor. Ganze Straßenzüge bleiben am Sonntag, 19. August, für den Autoverkehr gesperrt, und viele Leute freuen sich sogar darauf. Denn an diesem Tag lädt ein Cottbuser Sportverein die Radfahrer aus der Region zum ersten Spremberger Rundstreckenrennen ein, das durch Haidemühl, Sellessen und Weskow führt.

Früher organisierten die Mitglieder des Vereins RK Endspurt 1909 aus Cottbus noch das Bundesliga-Rennen, das unter anderem durch Haidemühl führte. Ohnehin gab es vor zehn bis 20 Jahren noch viele große Ereignisse dieser Art wie die Brandenburgrundfahrt. Doch wegen der bürokratischen Hürden gaben die Organisatoren ihre Ambitionen oft wieder auf. So berichtet es Roberto Demuth vom Cottbuser Verein. „Damit wollten wir uns aber nicht abfinden“, sagt er. „Deshalb sind wir froh, dass wir ein solches Rennen nach Spremberg bringen können.“

Einen Partner fanden die Mitglieder des Vereins in Sellessen. Der Vorsitzende des Ortsbeirats, Hardy Kordian, sicherte ihnen Unterstützung zu. Also entwarfen sie einen ersten Plan. Roberto Demuth erläutert: „Wir wollten eine anspruchsvolle Strecke.“ Deshalb führt der 7,8 Kilometer lange Rundkurs auch über die starke Steigung südlich vom Spremberger Stausee, auf der viele Touristen schon mal kapitulieren und ihr Fahrrad lieber bergauf schieben.

Heutzutage führen viele Radrennen durch Gewerbegebiete. Das erleichtert zwar die Organisation, führt zugleich aber dazu, dass die Teilnehmer nahezu unter Ausschluss der Öffentlichkeit antreten. Genau das wollten die Mitglieder des Cottbuser Sportvereins vermeiden. Sie hielten an ihrer Idee fest, die Strecke mitten durch die drei Dörfer zu führen, zumal sie die Gegend aus ihrem Training kennen. Jeden Mittwoch führt es sie über den Berg am Spremberger Stausee.

Bei der Straßenverkehrsbehörde in Forst stellten sie den Antrag für das Rundstreckenrennen. „Der ganze Prozess nimmt viel Zeit in Anspruch“, erklärt Roberto Demuth. „Ohne die Hilfe der Sponsoren hätten wir ihn sowieso  nicht stemmen können.“ Denn die Schilder zum Sperren der Strecke für den Autoverkehr müssen die Antragsteller selbst bezahlen, wenn ihnen dabei niemand finanziell unter die Arme greift. So freuen sich die Cottbuser Radsportler darüber, dass ihnen mehrere Firmen aus der Region beistehen. Auch mit den Angestellten des Rathauses arbeiten sie „sehr gut zusammen“, wie Roberto Demuth betont.

Wenn das Radrennen auf den erhofften Zuspruch in Spremberg und Umgebung trifft, wollen es die Organisatoren nicht bei diesem einen Mal belassen. Sie können sich vorstellen, dass es regelmäßig stattfindet.

Für ihre Hoffnung sprechen gute Gründe. Schließlich hat sich ganz Brandenburg „in den letzten Jahren zum Fahrradland entwickelt“. So steht es in der Strategie der Landesregierung zur Förderung des Radverkehrs bis zum Jahr 2030. Der Anteil des Radverkehrs liegt demnach bei 13 Prozent und somit über dem Bundesdurchschnitt von zehn Prozent. Und es gibt noch Luft nach oben.

Die Strategie der Landesregierung zitiert Verkehrsforscher der Technischen Universität aus Dresden: „Würden 25 Prozent aller kurzen Wege, die bisher mit dem Auto gefahren werden, künftig mit dem Fahrrad zurückgelegt, steigt der Anteil der Radfahrenden im Verkehr auf 16 Prozent.“

Auf die lange Tradition des Radsports in der Lausitz weist unterdessen der Name des Vereins hin, der das erste Spremberger Rundstreckenrennen organisiert. Er gründete sich im Jahr 1909. Laut seiner Chronik belegte er im Jahr 1912 den vierten Platz bei der Langstreckenfahrt von Wien nach Berlin über 550 Kilometer. Im gleichen Jahr nahm er als erster Verein aus Cottbus am olympischen Wettkampf in Stockholm teil.

Nun legt der Verein an die Teilnehmer des Rennens in Spremberg nicht ganz so olympische Maßstäbe an. Doch Preise stellt er den erfolgreichsten Sportlern in Aussicht. Die Pokale hat Sebastian Rengert entworfen, der bei den Cottbusern trainiert. Auch die Informationsblätter für die Einwohner der Stadtteile sind bereits gedruckt. Sie sollen in den nächsten Tagen verschickt werden.