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| 16:55 Uhr

Historie wiederbeleben
Verein möchte Cantdorfer Geschichte retten

 Die gebürtige Cantdorferin Ruth Pawlik hat sich auf dem Klassenfoto von 1937 mühelos wiedererkannt.
Die gebürtige Cantdorferin Ruth Pawlik hat sich auf dem Klassenfoto von 1937 mühelos wiedererkannt. FOTO: LR / Marcel Laggai
Spremberg. Die Historie des Ortes soll für die Nachwelt  erhalten bleiben. Vor allem durch Zeitzeugen-Erinnerungen. Von Marcel Laggai

Mitunter genügt ein Foto, um längst vergangene Erinnerungen zu wecken. So geschehen beim Cantdorfer Heimatabend, zu dem Ortsvorsteher  René Na­koinz und der ansässige Heimatverein am Donnerstag geladen hatten. Und der Andrang war überwältigend, wie Nakoinz abschließend gesteht. Knapp für 40 Cantdorfer fanden sich im Gasthof „Zur Linde“ ein und staunten nicht schlecht, welch Historie der vermeintlich kleine Ort zu bieten hat.

Unter den zahlreichen Gästen war auch die 92-jährige Ruth Pawlik. Trotz ihres rüstigen Alters fiel es der agilen Senioren nicht schwer, sich auf einem präsentierten Klassenfoto von 1937 wiederzuentdecken. „Da war ich ungefähr zehn Jahre alt und meine Schwester ist auch mit drauf“, weiß die Cantdorferin noch ganz genau. Die Überraschung über das Foto hält sich bei der 92-Jährigen jedoch in Grenzen, wie sie offenbart. „Ich habe das Foto ja selber zu Hause. In einem Album.“ Neben Ruth Pawlik melden sich daraufhin immer mehr Anwesende zu Wort, die jemand Bekanntes oder gar Verwandte auf dem Foto wiederentdecken.

 Der Cantdorf-Vortrag von Eckbert Kwast (neben der Leinwand) wurde von den knapp 40 Anwesenden begeistert verfolgt.
Der Cantdorf-Vortrag von Eckbert Kwast (neben der Leinwand) wurde von den knapp 40 Anwesenden begeistert verfolgt. FOTO: LR / Marcel Laggai

Währenddessen lehnt sich Na­koinz sichtlich erfreut, ob des regen Miteinanders der Cantdorfer, zurück und lauscht den aufkommenden Erinnerungen. Noch im Vorfeld plagten den Ortsbeirat ganz andere Gedanken. „Hintergedanke der Veranstaltung war es, dass die Leute uns einen Einblick in ihren Foto-Fundus gewähren und da war es wirklich nicht abzuschätzen, ob jemand daran interessiert ist“, erklärt der Ortsvorsteher. Das rege Interesse belehrt den Cantdorfer jedoch eines besseren. Dieser Heimatabend solle sozusagen als Grundstein dienen, um die vielen Fotos von den Dachböden oder aus den Foto­alben der Cantdorfer zu holen, um sie in großer Rrunde zu präsentieren, wünscht sich Nakoinz. „Damit wollen wir die Cantdorfer Geschichte am Leben halten.“ Der positive Zuspruch der Veranstaltung ist allerdings nicht nur dem Engagement des Ortsvorstehers zu verdanken. Einen großen Anteil daran hat auch Eckbert Kwast. Als Leiter des Niederlausitzer Heidemuseums in Spremberg ist die Geschichte der Region sozusagen sein täglich Brot. Über Cantdorf stellte er gar eine Präsentation zusammen, der selbst Ortsansässige noch allerhand Neues abgewinnen konnten. „Ungefähr ein knappes halbes Jahr hat es gedauert, um alles zusammenzutragen“, so Kwast. Das Resultat ist ein geschichtlicher Abriss des kleinen Ortes. So erfuhren die Cantdorfer etwa, dass ihr Heimatort im Jahr 1533 erstmals schriftlich erwähnt wurde. „Nicht etwa in einer Urkunde, sondern in einem Abgabebuch für die Kirche.“ Weiterhin hätten damals nur 13 Leute hier gelebt, fügt Kwast hinzu.

Eine bislang noch ungenaue Datierung konnte der zurückliegende Heimatabend jedoch nicht hundertprozentig klären: das Alter der ortsansässigen Kindertagesstätte. Obwohl Monika Noack, vom Heimatverein, sich im Vorfeld des Abends nochmals durch die Archive „gewühlt“ hat. „Wir können die Umwidmung von der Schule zur Kita aber immerhin eingrenzen.“ So sei die Tagesstätte entweder 1954 oder 55 eröffnet worden, fügt Monika Noack hinzu. Eine genaue Jahreszahl hatte sich indes auch Ina Donath erhofft. Als Kita-Leiterin würde sie das anstehende Jubiläum nämlich gern feiern, ist dennoch aber nicht traurig: „Wenn eben nicht in diesem Jahr, dann feiern wir im kommenden groß.“

Sollte es nach Nakoinz und dem Heimatverein gehen, dann soll es eine Neuauflage der zurückliegenden Veranstaltung nicht erst wieder in einem Jahr geben. Gleichwohl möchte er den nächsten Termin nicht zu zeitnah ansetzen, wie der Ortsvorsteher betont. „Wir möchten den Leuten Zeit geben, ihre privaten Alben in Ruhe durchzustöbern. Und bestenfalls kommt dies dem Heimatverein beziehungsweise der Ortschronik zugute“, ist Nakoinz überzeugt.

 Die gebürtige Cantdorferin Ruth Pawlik hat sich auf dem Klassenfoto von 1937 mühelos wiedererkannt.
Die gebürtige Cantdorferin Ruth Pawlik hat sich auf dem Klassenfoto von 1937 mühelos wiedererkannt. FOTO: LR / Marcel Laggai