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| 02:35 Uhr

Verein hofft auf Geld für Georgenberg

Die Vereinsmitglieder trafen sich mit Ulrich Freese (Dritter v.l.) und Johannes Kahrs (r. daneben) am Standort der Kapelle.
Die Vereinsmitglieder trafen sich mit Ulrich Freese (Dritter v.l.) und Johannes Kahrs (r. daneben) am Standort der Kapelle. FOTO: René Wappler
Spremberg. In der nächsten Woche erhalten die Mitglieder des Vereins Laga Spremberg das Ergebnis der geologischen Untersuchung auf dem Georgenberg: Dort wollen sie das Fundament der alten Kapelle freilegen und zum Teil restaurieren. René Wappler

Es gibt doch noch Geheimnisse in einer Stadt wie Spremberg. Unterirdische Gänge sollen sich einst auf dem Gelände der Kapelle befunden haben, so erzählt es Vereinsmitglied Ralf-Dieter Drews, aber im nächsten Moment räumt er ein, dass er an dieser Geschichte zweifelt.

Dienstagmittag, 13 Uhr: Eine Gruppe von SPD-Politikern spaziert gemeinsam mit Ralf-Dieter Drews und anderen Leuten vom Verein Laga Spremberg über den Georgenberg, um sich den Ort anzuschauen, an dem die Kapelle früher stand. Der Bundestagsabgeordnete Johannes Kahrs aus Hamburg gehört zu ihnen, und er sagt: "Sehr hübsch und wirklich gepflegt, das alles hier - da würde sich doch glatt ein Café im Sommer anbieten." Nur ein paar Minuten später hat er diese Idee schon weiter gesponnen, und er berichtet aus seiner Heimatstadt: "In Hamburg würden wir hier vier, fünf Grillplätze installieren, was wir im Grunde überall dort tun, wo Rasen ist." Was nach fröhlichem Geplänkel aussieht, entspringt einem ernsten Anlass: Es geht um Geld bei diesem Spaziergang. Nämlich um die Frage, ob sich das Freilegen der Kapelle mithilfe von Fördermitteln finanzieren lässt. Mit dieser Idee kam der Spremberger SPD-Bundestagsabgeordnete Ulrich Freese auf seinen Parteifreund Johannes Kahrs zu, der für die Fraktion der Sozialdemokraten im Haushaltsausschuss des Parlaments mitarbeitet.

Der Gast aus Hamburg hält dies für gut möglich. Die Vereinsmitglieder sollten einfach einen Antrag stellen, rät er ihnen, dann gäbe es bei einem interessanten Projekt wie diesem eine gute Chance auf 50 Prozent Förderanteil - wobei allerdings der zuständige Bundestags-Ausschuss das letzte Wort habe. Das würde den Verein entlasten, der mit Kosten von ungefähr 45 000 Euro rechnet.

Markus Füller vom Verein erläutert den Gästen die Pläne für den Georgenberg. "Wir haben uns ja der Aufgabe verschrieben, Schritt für Schritt die Stadt zu verschönern", sagt er, als sie gemeinsam unter dem Dach des Sängerblicks sitzen und in den Unterlagen blättern. "Im Mittelpunkt steht für uns der prächtige Park, den wir aus dem Dornröschenschlaf wecken wollen."

Auch die Mitarbeiter des Rathauses unterstützen das Projekt des Vereins, wie Doritha Drews vom Sachgebiet für Grünwesen erklärt. "Die denkmalrechtliche Erlaubnis für das Freilegen der Fundamente haben wir bereits", sagt sie. "Schwierig würde sich jedoch der komplette Wiederaufbau eines solchen Gebäudes gestalten."

Die Vereinsmitglieder haben in der Stadtgeschichte nachgeforscht und die Daten zum Bauwerk so gut rekonstruiert, wie es ihnen möglich war. Überliefert ist demnach, dass es sich um einen der ältesten Kirchenbauten von Spremberg handelte, gestiftet durch Jutta von Kittlitz als Dank dafür, dass ihr Geliebter Seyfried von Loeben gesund aus den Kreuzzügen im 12. Jahrhundert zurückkehrte. Ob dies so stimmt, lässt sich heute nicht mehr mit Gewissheit sagen.

Die Mitarbeiter des Niederlausitzer Heidemuseums gehen vielmehr davon aus, dass die Kapelle gegen Ende des 15. Jahrhunderts entstand. Sie diente unter anderem als Hospital und Trauerhalle, und als der alte Georgenbergfriedhof geschlossen wurde, verlor sie ihre frühere Bedeutung.

Nach dem Jahr 1960 wurde sie gesperrt und am 10. Juni 1970 abgerissen: Zum einen fehlte das Geld für eine Sanierung, zum anderen zeigte die Stadt Spremberg damals kein Interesse mehr am historischen Bauwerk. Auf eine historische Dokumentation verzichtete die Stadt damals: Deshalb hält sich wohl bis heute das Gerücht von den unterirdischen Gängen.