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| 19:30 Uhr

Felixsee
Vandalismus und das falsche Holz

Drei Türme hat der Geopark Muskauer Faltenbogen. Peter Rabe, Nancy Sauer und  Uwe Eppinger haben sie zur Freude von RUNDSCHAU-Redakteur René Wappler und der Bohsdorfer Eberhard Jainz und Wolf-Udo Scholz schnell gefunden.
Drei Türme hat der Geopark Muskauer Faltenbogen. Peter Rabe, Nancy Sauer und Uwe Eppinger haben sie zur Freude von RUNDSCHAU-Redakteur René Wappler und der Bohsdorfer Eberhard Jainz und Wolf-Udo Scholz schnell gefunden. FOTO: Annett Igel-Allzeit / LR
Bohsdorf. „LR vor Ort“ in Bohsdorf: Alle warten auf Förderbescheid für Aussichtsturm.

Der Bohsdorfer Wolf-Udo Scholz steht öfter auf dem Aussichtsturm am Felixsee. Er ist ehrenamtlicher Geoparkführer. Von oben lässt sich die Landschaft des brandenburgischen Teils vom Unesco Global Geopark Muskauer Faltenbogen gut erklären. „Aber am Turm muss unbedingt etwas gemacht werden“, sagt er. Fördermittel stehen in Aussicht. Endlich soll der Turm ein Dach bekommen und Rinnen, die das Regenwasser wegführen. Doch lohnt sich das in den Augen der Bohsdorfer?

Als die RUNDSCHAU am Donnerstag zur Vor-Ort-Runde zum Zustand und zur Zukunft des im Jahr 2004 eingeweihten Aussichtsturms eingeladen hatte, kamen nur zwei Einwohner. Die Billardkegler stellten ihren Vereinsraum zur Verfügung. Nancy Sauer, Geschäftsführerin des Unesco Global Geoparks Muskauer Faltenbogen/Łuk Mużakowa, hatte die Karte mitgebracht. Die Geografin ist in Weißwasser aufgewachsen und noch immer fasziniert von der Eiszeitlandschaft, die die Kraft der Natur und – mit dem Bergbau – auch die Kraft des Menschen geprägt hat. Sie zeigt, wie sich der Geopark auf sächsischer und polnischer Seite erstreckt, wie die Radwege Brandenburgs Teil prägen.

Alle drei Länder haben ihren Aussichtsturm, der jüngste liegt am „Afrika See“ an der Grube Babina. Vom Turm „Am Schweren Berg“ lässt sich in den Tagebau Nochten gucken. Der höchste der Türme steht mit 36 Metern am Felixsee. Doch er ist arg der Witterung ausgesetzt. Die Ausspülung zum See ist gesperrt.

Wie Uwe Eppinger, Fachbereichsleiter für Bauen, Gebäude- und Liegenschaftsmanagement im Amt Döbern-Land, erläutert, dürfte das Holz aus dem der Turm besteht, heute nicht mehr für solche Objekte im Freien genutzt werden. Es ist Brettschichtholz, die Holzschichten sind mit einander verleimt. „Alle Schadstellen müssen gesäubert und neu verpresst werden. Zinkblech kommt drumherum“, erklärt Eppinger.

Nicht nur der Zahn der Zeit macht dem Felixseer Bürgermeister Peter Rabe Sorgen. Seit der Turm steht, ärgert der Vandalismus. Rabe fürchten deshalb schon jetzt um das neue Dach. Es könnte eine neue Angriffsfläche für Randalierer werden. Steine, Fernseher und andere Elektrogräte wurden die Stufen hinauf geschleppt und nach unten geworfen und Blitzableiter herausgerissen. Im Umfeld wurde eine Schranke platt gefahren und Schutzhütten so zerlegt, dass sie nur noch entfernt werden konnten, zählt Rabe auf. Oft liegen nach solchen „Feten“ Glassplitter auf dem Radweg. Dann sind die Gemeindearbeiter am Turm wieder Stunden beschäftigt.

Aus Polen, so Nancy Sauer, kenne sie nur einen Vandalismus-Fall. „Das Gebiet dort ist anders entwickelt worden, Es gibt einen Ein- und einen Ausgang, wo Kameras installiert sind. Zudem identifizieren sich die Bürger mit dem Turm, dem Geopark. Sie sind stolz, heben auf Pfaden Papier auf“, weiß die Geografin.

Insgesamt 145 000 Euro soll die Modernisierung des Turms kosten. Der größte Teil kommt aus dem Interreg-Fördertopf. Das EU-Programm unterstützt Vorhaben in Grenzregion. 15 Prozent der Kosten – etwa 21 700 Euro – trägt Felixsee. „Das ist für eine Gemeinde, die sich in der Haushaltssicherung befindet, nicht einfach“, sagt Eppinger. Hinzukomme, dass der Turm keine Pflicht- und sondern eine freiwillige Aufgabe ist. Selbst wenn die Gemeinde – bestehend aus fünf Ortsteilen – sich auf die Bildung einer Rücklage für die Turmerhaltung nach 2020 einigt, würde das die Kommunalaufsicht beanstanden.

Touristen werden gezählt und befragt, versichert Nancy Sauer. Auch der Bohsdorfer Eberhard Jainz bestätigt, dass es „ganz ordentlich“ sei, was da an Touristen bei ihm vorbeikomme. Dresdener und Berliner nutzen für die Ausflüge in den Faltenbogen lange Wochenenden. Damit sie nicht nur über die Radwege durch die Gemeinden Felixsee, Neiße-Malxetal und Wiesengrund rollen, um in Spremberg, Bad Muskau oder Cottbus ein Hotel oder eine Gaststätte zu suchen, will die Geopark-Geschäftsstelle in Döbern mit Interreg-Fördermitteln Partner und Paten gewinnen. Paten, die ein bisschen Geld dafür bekommen, dass sie Schäden melden, Müll aufheben. Und Partner, die Reiseunternehmen, welche Radtouren planen, als Gaststätte, Pension, kulturelle oder familienfreundliche Ziele genannte werden können. Der Honigimker, der Spargelbauer oder die Hornower Mühle könnten ein Geopark-Zertifikat bekommen, worauf dann Touristen hingewiesen werden

Die Fördermittel für den Turm wurden im Sommer 2017 in Aussicht gestellt. Derzeit warten alle auf den Bescheid. ist er da, können Leistungen vergeben werden. 2019, so hofft Eppinger, könnte die Modernisierung beginnt.

LR vor Ort 4c
LR vor Ort 4c FOTO: LR