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| 19:01 Uhr

Urteil nach Angriff auf Polizisten

FOTO: (24951989)
Spremberg / Cottbus. Wegen Widerstandes gegen Vollstreckungsbeamte hat das Cottbuser Amtsgericht am Donnerstag einen 23-jährigen Mann aus Spremberg zu einer Geldstrafe verurteilt. Die Richterin sieht es als erwiesen an, dass er zu einem Täterduo zählt, das während des Cottbuser Karnevals im Jahr 2016 auf dem Bahnhofsgelände eine Gruppe von Passanten ausländerfeindlich beschimpfte. René Wappler

Mehrere Zeugen berichten, er habe daraufhin versucht, auf Polizeibeamte und einen Hund einzutreten. Da der zweite Angeklagte am Donnerstag nicht vor Gericht erschien, wird gegen ihn demnächst gesondert verhandelt.

Es handelt sich in diesem Fall "fast um einen Klassiker" aus dem Strafgesetzbuch, wie die Staatsanwaltschaft feststellt. Während des Prozesstermins am Cottbuser Amtsgericht weist der Angeklagte Florian H. zunächst jede Schuld von sich: "Ich bin zur Tatzeit vom Festzelt in Cottbus gekommen", sagt er. "Ich wollte zum Zug laufen, war allein unterwegs, und ging etwas schneller, weil ich ihn nicht verpassen wollte." Ein Polizeibeamter habe ihm nachgerufen, er solle stehen bleiben. "Der Polizeihund kläffte mich an", sagt der Angeklagte. Das Tier habe ihn zu Boden gerissen, ihm ins Gesicht gekläfft - und das, obwohl er sich vor Hunden fürchte, wie er der Richterin erklärt. "Mit der Sache hier habe ich nichts zu tun", behauptet der junge Mann aus Spremberg.

Die Zeugen erinnern sich anders. Ein 20-jähriger Mann berichtet, wie er den Angriff der Täter erlebte. "Wir liefen in Richtung Gleis acht, und in Höhe des Fahrstuhls kamen uns beide entgegen. Einer beleidigte mich, ich fragte, ob sie Stress wollen." Dann habe der andere Täter, der nicht zum Gerichtstermin erschienen ist, seine Bierflasche abgestellt, um auf die Gruppe zuzugehen. "Wir sind in Richtung Zug gerannt", sagt der Zeuge. "Die Polizei sah das, wollte die Beiden festhalten, und einer von ihnen hat den Polizeihund getreten."

Die Richterin hakt nach: "Es kam zu einer Beleidigung?"
"Ja", sagt der Zeuge, "Kanake wurde ich genannt."

Der Angeklagte beugt sich leicht vor, um dem Zeugen ins Gesicht zu sehen.
"Bist Du Dir sicher, dass ich dabei war?", fragt er.

"Ja", sagt der Zeuge.
"Bist Du Dir wirklich sicher?"
"Ja."

Sicher sind sich auch die Polizeibeamten. Einer schildert der Richterin, er habe an jenem Abend Geschrei aus dem Treppenaufgang an der Mittelinsel des Bahnhofes gehört. Eine Gruppe "von vier bis fünf südländisch aussehenden Personen" sei verfolgt worden, unter anderem vom Angeklagten, und die Täter hätten versucht, "mit gestreckten Beinen in die vor ihnen laufenden Personen hineinzutreten", wie der Polizeibeamte sagt. "Wir riefen mit einem Funkgerät um Hilfe." Weitere Polizisten seien hinzugekommen.

Ein weiterer Beamter berichtet, er habe sich auf den Angeklagten gestürzt. "Ich habe ihn immer wieder gestoppt, als er versuchte, nach Personen zu treten", sagt er. "Mehrfach hat er mich getreten, mehrfach meinen Hund, und ich sagte, wenn er nicht aufhört, nehme ich dem Tier den Beißkorb ab." Schließlich sei der Angeklagte gefesselt worden. "Dann war Ruhe", sagt der Polizist - der nicht daran glaubt, dass sich der junge Mann vor Hunden fürchtet. "Aus meiner Berufserfahrung kann ich sagen, dass Mut dazu gehört, nach so großen Tieren zu treten, aber keine Angst."

Schließlich wendet sich der Staatsanwalt an den Angeklagten. "Vielleicht überlegen Sie doch noch mal, ob es anders war, als Sie es hier darstellen?"

Der junge Mann entgegnet: "Soll ich jetzt was dazu sagen?"
Der Staatsanwalt nickt.

Doch der Angeklagte bleibt bei seiner Aussage. So folgt die Richterin dem Plädoyer der Staatsanwaltschaft: Sie verhängt eine Geldstrafe von 90 Tagessätzen zu je 15 Euro und führt dabei ins Feld, dass im Bundeszentralregister schon Einträge wegen Diebstahls und Körperverletzung gegen ihn vorliegen.

Zu seinen Gunsten merkt sie an, dass an jenem Abend auf dem Cottbuser Bahnhofsgelände niemand ernsthafte Verletzungen davon getragen hat. Nun kann er innerhalb einer Woche eine Revision gegen das Urteil einlegen.